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Teure Kontoüberziehung Banken mauern bei den Dispozinsen

Trotz Niedrigzinsphase und billigem Geld der Notenbank schlagen die Geldhäuser bei Dispokrediten übermäßig zu. Die Mehrheit der Banken will ihre überhöhten Konditionen nicht einmal veröffentlichen.

Die größten europäischen Banken
Banco Santander Quelle: REUTERS
UBS Quelle: REUTERS
Lloyds Banking Quelle: dapd
ING Quelle: dapd
Société Générale Quelle: dpa
Royal Bank of Scotland Quelle: dapd
Crédit Agricole Quelle: dpa

15,32 Prozent kassiert die teuerste Bank für ihren Dispokredit – von solch einem saftigen Zinsniveau können Sparer momentan nur träumen. Das liegt am niedrigen Zinssatz von 0,75 Prozent, zu dem die Europäische Zentralbank Geld an die europäischen Banken verleiht, um die Euro-Krise mit günstigem Geld zu bekämpfen. Der Nachteil der Konjunkturspritze: die Niedrigzinsphase frisst den Sparern ihr Erspartes weg. Der Zins, den sie für ihr Geld bekommen, liegt oft unter der Inflationsrate. Da möchte man meinen, dass es wenigstens billiger für Verbraucher geworden sei, an günstige Kredite zu kommen. Das mag teilweise stimmen. Beim Dispokredit, den Bankkunden in Anspruch nehmen, sobald sie ihr Girokonto überziehen, kann von Niedrigzins jedoch keine Rede sein. Die Banken schlagen trotz der günstigen Konditionen, mit denen sie sich selbst versorgen können, beim Dispokredit unverhältnismäßig zu.

Banken schlagen bei Dispokredit zu 

Das ist das Ergebnis einer Studie von Stiftung Warentest. Die Verbraucherorganisation verglich die Dispokreditkonditionen deutscher Kreditinstitute: sie fragte dafür bei 1.566 Banken an, nur 357 Geldinstitute antworteten unmittelbar und veröffentlichten ihren Dispozinssatz. Von weiteren 588 Banken konnte die Stiftung Warentest den Zinssatz nur durch Recherche im Internet, vor Ort in der Filiale oder durch telefonisches Nachfassen ermitteln. 621 Banken verweigerten die Auskunft völlig, die Stiftung Warentest konnte in diesen Fällen den Dispokreditzins nicht ermitteln.

Die Banken mit den niedrigsten Dispozinsen

Im Durchschnitt lag der Zinssatz für den Dispokredit bei den 945 Geldhäusern, die ihre Konditionen veröffentlichten, bei 11,76 Prozent. Wenn ein Bankkunde sein Girokonto also um 1.000 Euro überzieht, muss er dafür 117,60 Euro Zinsen an seine Bank zurückzahlen. Die Banken haben ihren Zinssatz gegenüber dem Durchschnittswert 2011 zwar um 0,63 Prozentpunkte gesenkt. Dagegen hat sich der Marktzins aber von 1,5 auf 0,75 Prozent halbiert. Beim Dispokredit fand demnach keine Angleichung des Zinsniveaus statt, wie es etwa bei Geldanlagen oder der Bankenfinanzierung der Fall ist.

Die Stiftung Warentest hält den durchschnittlichen Dispokreditzinssatz bei den momentan günstigen Markbedingungen für überhöht. Stephanie Pallasch, Projektleiterin „Geldanlage, Altersvorsorge, Kredit und Steuern“, sagt: „Bei dem aktuellen Zinsniveau sollte der Zinssatz für Dispokredite deutlich unter zehn Prozent liegen.“

Was Banken für eine Konto-Überziehung verlangen

Auch im europäischen Vergleich sind die Konditionen der deutschen Banken übermäßig teuer: In den Niederlanden lag der Dispokreditzins im Mai durchschnittlich bei 6,69 Prozent, in Österreich sogar nur bei 5,52 Prozent.

Die Banken können die hohen Zinsen auch nicht durch das Ausfallrisiko rechtfertigen. Dieses liegt bei nur 0,2 Prozent, wie eine Studie des Verbraucherschutzministeriums ermittelte. Die Auskunft zum Ausfallrisiko kam von den Banken selbst.

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