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Tipps für Sparer Wohin mit dem Geld im Zinstief?

Sparen macht zurzeit keinen Spaß. Die Euro-Krise und historisch niedrige Zinsen an den Kapitalmärkten verhindern, dass Ersparnisse etwas abwerfen. Welche Möglichkeiten sich jetzt bieten.

Es ist jämmerlich: Ein Tagesgeldkonto wirft im Durchschnitt nur 1,5 Prozent ab. Damit bekommt der Sparer nur einen Schnaps mehr als für sein Bargeld im Kopfkissen – und auf jeden Fall zu wenig, um die jährliche Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen von derzeit rund zwei Prozent auszugleichen.

Wer also über Ersparnisse verfügt, muss sich fragen: Wohin mit dem Geld im Zinstief?

Die Antwort ist nicht ganz einfach. Wäre sie es, würden zum Beispiel auch Lebensversicherungen keine Mühe haben, die Spareinlagen ihrer Kunden mit vernünftiger Rendite – also vier Prozent und mehr – anzulegen. Dabei haben diese großen institutionellen Investoren ganz andere Möglichkeiten, Geld anzulegen: Rund um die Uhr, rund um den Globus, in allerlei Währungen und Anlageklassen. Und wenn diese Großanleger ihre üppig gefüllten Schatullen öffnen, können sie sogar noch das letzte Quäntchen Rendite in Verhandlungen herausholen.

Auf der Suche nach 100-prozentiger Sicherheit

Kommt der private Sparer aber mit ein paar tausend oder auch zehntausend Euro daher, wird ihnen wohl kaum der rote Teppich ausgerollt. Da gilt es, mit genauem Vergleichen und etwas Strategie das Optimum zu finden. Vor allem, wenn der Sparer die Risiken der Börse scheut und sich auf die Suche nach 100-prozentig sicheren Sparanlagen umschaut. Da sitzt der Teufel oft im Detail.

Die größte Sicherheit bieten unter diesen Voraussetzungen Sparbücher, Tagesgeld- und Festgeldkonten der Banken, Sparkassen und Volksbanken mit ihren vertraglich zugesicherten Zinsen. Was der Anleger dort einzahlt ist zudem über die gesetzliche Einlagensicherung der Geldinstitute mindestens bis zu einer Einlage von 100.000 Euro selbst vor einer Bankpleite geschützt. Viele Anbieter gehen aber schon aus eigenem Interesse über die Grenze hinaus und garantieren weit höhere Beträge.

Wer sein Geld auf einer Bank deponieren will, sollte daher die Konditionen penibel vergleichen. So gibt es etwa für Neukunden oder im Zuge von Sonderaktionen durchaus auch schon mal mehr als die üblichen null Prozent auf Girokonten, 0,5 Prozent für ein Sparbuch oder der durchschnittlich 1,5 Prozent für ein Tagesgeldkonto.

„Wer höhere als die marktüblichen Zinsen herausholen will, kann Aktionsangebote oder die höheren Zinsen von Anbietern aus anderen europäischen Ländern nutzen. Auch dort sind 100.000 Euro gesetzlich geschützt“, so Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung und Anbieter von detaillierten Zinsvergleichen aller Art.

Wer ein Girokonto braucht, kann versuchen, Sonderangebote der Banken zu nutzen – zum Beispiel für Kinder und Jugendliche. Schließlich wollen die Banken schon früh die zahlungskräftigen Kunden der Zukunft an sich binden. Wer zum Beispiel ein Konto für seine Kinder im Alter zwischen sieben und 26 Jahren eröffnet, bekommt beim Lego Konto der Hypovereinsbank für ein Guthaben bis 1500 Euro immerhin ein Prozent Zinsen. Zum Vergleich: den höchsten Zins auf ein Girokonto ohne Altersbeschränkung gibt es derzeit nach Angaben der FMH Finanzberatung bei der DKB Deutsche Kreditbank mit 0,42 Prozent für ein gebührenfreies Konto. Zum Lego Konto gibt mehr oder weniger sinnvolle Dreingaben wie den kostenlosen Zugang in ausgewählte Vergnügungsparks oder kleine Geschenke für drei Einzahlungen von jeweils mehr als zehn Euro. Wozu der junge Bankkunde dann die kostenlose Nutzung eines Wertpapierdepots benötigt, erschließt sich dem Kunden nicht.

Beim Mäusekonto der Hamburger Sparkasse (Haspa) erhalten die kleinen Sparer für die ersten 500 Euro Guthaben sogar vier Prozent Zinsen, für höhere Einlagen gibt es aber nur noch ein Prozent. Zudem ist der Zins variabel, kann sich also nach Ankündigung der Bank auch ändern.

Sparen auf Tagesgeldkonten

Wie sich Anleger vor Inflation schützen
Aktien gelten als gute Wahl in Zeiten höherer Inflation. Das gilt zumindest für ein Szenario mit Inflationsraten um fünf Prozent. Bei noch höherer Inflation leiden die Unternehmen stark unter dem Preisverfall, den sie auch nicht mehr an ihre Kunden weitergeben können. Die Folge: Gewinne sinken und mit ihnen die Aktienkurse. In einer Phase der Deflation profitieren Gesellschaften mit geringer Verschuldung und einem hohen Anteil an kurzlaufenden Krediten. Beispiele sind Nestlé, Roche oder McDonalds. Bei Inflation zählt das Gegenteil, hohe und langfristige Schulden sind dann von Vorteil. Unter Telekom-, Finanz- und Immobilienwerten sowie in den Branchen Technologie und Gesundheit finden sich eine Vielzahl von Vertretern. Die Schulden schrumpfen dann sozusagen automatisch, das Unternehmen profitiert. Eine hohe Dividendenrendite, ein solides und planbares Geschäft mit einem verlässlichen Management stehen ebenfalls an erster Stelle.
Gold Egal ob Inflation oder Deflation - in Krisenzeiten erfährt das Edelmetall hohe Nachfrage. Der Grund: Weil Anleger bei Inflation einen Wertverfall von Papiergeld befürchten, flüchten sie in die krisenresistente Hartwährung. Gold kann nicht beliebig vermehrt und damit sein Wert gesenkt werden. Das ist der Unterschied zu Papierwährungen und darauf basierenden Zahlungsversprechen, wie beispielsweise Anleihen. Auch in einem deflationären Umfeld dürfte Gold seine Kaufkraft zumindest erhalten. Mit einer Vervierfachung des Preises war Gold in der vergangenen Dekade eine der besten Anlagealternativen. Auf Euro-Basis erreicht der Preis nahezu täglich ein neues Rekordhoch. Optimisten rechnen auch in den kommenden Jahren mit Steigerungen. Sie verweisen auf einen unzweifelhaften Status als "sicherer Hafen" Aus Marktsicht wird die Hausse getrieben durch ein stagnierendes bis sinkendes Angebot bei wachsender Nachfrage. Ein entscheidender Punkt ist hier der Wechsel der Notenbanken von der Verkäufer- auf die Käuferseite. Vor allem die zunehmenden Käufe von Investoren treiben die Nachfrage. Wer Münzen oder Barren kauft, zahlt allerdings immer einen Aufschlag. Je kleiner die Münze, desto höher ist das Aufgeld. Hinzu kommen Kosten für die Lagerung.
Immobilien Sollte es tatsächlich zu einem Preisverfall des Euros kommen, dann sind Immobilien – ob zum Eigennutz oder vermietet – stets ein Thema. Zumal die Zinsen für die langfristige Finanzierung nahe einem Allzeittief liegen. Und die Sicherheit einer eigenen Immobilie lässt gerade in solchen Phasen diejenigen gelassen in die Zukunft blicken, die in einer solchen wohnen. Auch für Anleger erscheinen die Zeiten nach einer langen Durststrecke wieder besser. Die Immobilieninvestitionen steigen spürbar an. Der Immobiliensektor wird damit seinem Ruf gerecht, wie üblich, zeitverzögert im Vergleich zu anderen Sektoren vom Aufschwung zu profitieren. Hintergrund ist auch, dass die Kreditvergabe der Banken für solche Projekte mittlerweile wieder gut funktioniert. Auch der Rückgang der Mieten ist inzwischen weitgehend gestoppt. Allerdings sollten Anleger nicht blindlings in eine Immobilie investieren, nur weil sie Angst vor Inflation haben. Eine Immobilien in schlechter Lage oder miesen Zustand ist zu keiner Zeit eine geeignete Anlage. Schwierig stellt sich die Situation dar, wenn es zu einer Deflation kommt. Der Immobilienbesitzer ist dann hochverschuldet, um ihn herum herrscht jedoch nur wenig Wachstum. Das lässt die Preise für Häuser, Büros und Gewerbeimmobilien sinken. Das tut doppelt weh, weil die einmal abgeschlossenen Kredite weiter bedient werden müssen.
Staatsanleihen Papiere mit längeren Laufzeiten sind in einer Inflation nicht die richtige Wahl. Denn wenn das allgemeine Zinsniveau steigt, fahren Anleger, die Langläufer im Depot haben, meist hohe Kursverluste bei ihren Bonds ein. Kurzläufer sind die bessere Entscheidung, weil der Anleger sein Geld schneller wieder neu anlegen kann. Eine Alternative sind in solchen Phasen sogenannte inflationsgesicherte Anleihen mit variablem Zins, die sogar der Bund seit dem Jahr 2006 wieder anbietet. Sie lohnen sich allerdings nur dann, wenn es tatsächlich zu einer höheren Inflation kommt als allgemein erwartet wird. Inflationsindexierte Anleihen - in der Fachsprache auch kurz Linker genannt - bieten niedrigere Zinsscheine als herkömmliche Bonds. Dafür werden die Zinskupons und Rückzahlungsbeträge regelmäßig an die Inflationsrate angepasst. Mit den Anti-Inflationsbonds sichern sich Anleger somit eine reale Rendite. Weil diese speziellen Anleihen aber so gefragt sind, sind die realen Renditen äußerst niedrig. Anleger sollten mit dem Kauf von Staatsanleihen generell abwarten. Wenn sich zum Beispiel abzeichnet, dass die Notenbanken die Leitzinsen erhöhen, werden die Renditen von Staatsanleihen - egal ob inflationsindexiert oder nicht - anziehen, gleichzeitig sinken die Kurse. Anleger, die mit Blick auf die Rückzahlung ihres Kapitals kein Risiko eingehen wollen, setzen auf deutsche Bundesanleihen. Der Haken: Die Renditen sind wegen des Runs auf die Papiere nochmals kräftig abgesackt und in allen Laufzeiten so niedrig wie nie. Wenn die Kurse der Bundesanleihen wieder fallen und ihre Renditen steigen, müssen Anleger die Kursverluste im Zweifelsfall bis zur Fälligkeit der Papiere aussitzen.
Unternehmensanleihen Unternehmensanleihen sind schwer in Mode. Das Problem: Anleger, die sie jetzt noch kaufen, verdienen wenig. Die Kurse sind stark gestiegen, weil Anleger nach Alternativen zu Staatsanleihen suchen. Allerdings sind die Renditen der Firmenbonds nicht so stark gefallen wie die von Bundesanleihen. Viele Experten raten daher zu Firmenbonds, vor allem Papiere von Unternehmen mit solider Gewinnentwicklung und geringer Verschuldung.
Zertifikate Inflationszertifikate wurden vor einigen Jahren offensiv angeboten. Damals lag die Inflationsrate in Deutschland kurzzeitig über drei Prozent. Oft wurden diese Papiere mit Konstruktionen wie der zweifachen Inflationsrate als Verzinsung angeboten. Kam es wie zuletzt dann nur zu einer geringen Inflation, war die Rendite mager. Bei einer Deflation würde sie ganz ausfallen. Im Moment ist es still geworden um diese Papiere. Gemeinsam ist den meisten Papieren, dass sie für die erste Zinsausschüttung einen Fixkupon garantieren, der oberhalb des aktuellen Zinsniveaus liegt. Je nach Zertifikat und Inflationsentwicklung lassen sich mit den Papieren Jahresrenditen erzielen, die nicht nur die Inflation ausgleichen, sondern die Chance auf nennenswerte Überrenditen bieten. Als Basiswert dient bei einigen Zertifikaten der Verbraucherpreisindex HVPI für Deutschland, bei anderen der Index HICP ex Tobacco. Es gibt allerdings auch Zertifikate mit dem Euribor als Basiswert. Der vom europäischen Statistikamt Eurostat berechnete HICP ex Tobacco (also ohne Tabakprodukte) misst den Preisanstieg für einen definierten Waren- und Dienstleistungskorb in der Euro-Zone. Vorteil von Zertifikaten mit diesem Index gegenüber Zertifikaten mit dem Verbraucherpreisindex für Deutschland als Basiswert: Der deutsche Index lag in der Vergangenheit stets unterhalb der durchschnittlichen europäischen Preissteigerungsrate. Entsprechend geringer ist die Ausschüttungserwartung für die betreffenden Zertifikate. Das Risiko: Bleibt der Preisanstieg in der Euro-Zone in den kommenden fünf Jahren moderat, bieten die Papiere gegenüber klassischen Anleihen keine Vorteile. Im Gegenteil: Die hohen Vertriebsaufschläge von bis zu zwei Prozent fressen von vornherein einen Großteil der meist nur für das erste Jahr versprochenen Mindestverzinsung auf. Für kurz- bis mittelfristig orientierte Investoren sind Inflationszertifikate deshalb nicht geeignet.
Tagesgeld Wer sein Geld auf dem Tagesgeldkonto parkt, muss sich bescheiden. Angesichts geringer Leitzinsen sind auch die Zinsen für Tagesgeld im Keller. Den meisten Anlegern, die Kapital dort für eine Weile unterbringen, dürfte es allerdings auch vor allem darum gehen, das Geld sicher - also ohne Kursschwankungen - anzulegen. Zu einer sicheren Anlage gehört aber auch ein vertrauenswürdiger Anbieter mit ausreichendem Einlagenschutz. Spitzenangebote gibt es oft nur mit Beschränkungen, beispielsweise nur für Neukunden oder einen begrenzten Zeiträumen. Im Falle einer schnelleren Geldentwertung dürften die Zinsen zwar steigen; aber wohl nicht so schnell, wie das Geld an Wert verliert. Bei hoher Inflation ist das Tagesgeldkonto also keine gute Wahl.

Mit Sparen im Sinne von Geldanlage hat das alles jedoch nichts zu tun – dazu sind die Beträge zu niedrig. Mit der Inflation verrechnet, verliert der Kunde unter dem Strich Geld. Da sind Tagesgeldkonten schon interessanter, zumal der Bankkunde sein Geld jederzeit abziehen kann.

Das Gros der Banken bietet allerdings nur 1,5 Prozent auf Tagesgeld. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen weiter senken, würden auch hier die Zinsen weiter sinken. Max Herbst rechnet damit, dass es nach einer Leitzinssenkung noch drei bis vier Wochen dauert, bis die Zinssenkung an die Kunden weitergegeben wird. Für die Kontoeröffnung, bevor die Zinssenkungen greifen, bleibt so noch genug Zeit. „Wer höhere als die marktüblichen Zinsen herausholen will, kann Aktionsangebote oder die höheren Zinsen von Anbietern aus anderen europäischen Ländern nutzen. Auch dort sind 100.000 Euro gesetzlich geschützt“, so Herbst. Bei den Zinssätzen orientieren sich die Anbieter dabei an Marktführer ING Diba. Die deutsche Bank mit niederländischer Mutter bietet aktuell 2,25 Prozent für Neukunden und 1,5 Prozent für Bestandskunden auf Tagesgeld.

Wer mehr bietet, ist auf Kundensuche. Damit wollen Banken die kritische Masse in diesen Geschäftssparten steigern oder ihre Bilanzen mit den Kundengeldern aufpeppen. So bietet etwa die französische Gefa-Bank, eine Tochter der angeschlagenen Großbank Société Générale, aktuell für sechs Monate 2,5 Prozent Zinsen für Spareinlagen zwischen 10.000 und 500.000 Euro sowie die zusätzliche Einlagensicherung der privaten Banken über 250.000 Euro. Wichtig ist bei drohenden weiteren Zinssenkungen, dass der Zinssatz sechs Monate oder länger garantiert ist. Dies ist bei vielen Neukunden-Aktionsangeboten der Fall.

Noch mehr bietet etwa der Online-Broker Cortal Consors, ebenfalls deutsche Tochter einer in den Strudel der Euro-Krise geratenen französischen Großbank (BNP Paribas): Satte 4,5 Prozent gibt es dort auf Tagesgeld. Die Sache hat allerdings einen Haken: Kunden müssen auch ihr Wertpapierdepot zu Consors übertragen. Um ein Jahr lang 4,5 Prozent Zinsen zu erhalten, müssen allerdings Wertpapiere im Wert von 6000 übertragen werden und das alte Depotkonto gekündigt werden. So wird die Rückkehr zum alten Anbieter erschwert. FMH führt sie wegen der Bedingung nicht im Vergleich der Tagesgeldkonditionen auf.

Deutsche Banken müssen keine Kunden locken

Banken, die nur einen marktüblichen Zins bieten, sind auf zusätzliche Anreize für Neukunden offenbar nicht angewiesen. In europäischen Nachbarstaaten liegen die Zinsen jedoch generell etwas höher. Dank der Eskalation in der Euro-Krise brachten viele Euro-Sparer ihr Geld in das vermeintlich sichere Deutschland. Die großen Banken können sich also kaum über mangelnde Spareinlagen beklagen und sehen daher keinen Grund mit höheren Zinsen zu locken. „Wer sein Geld zu einer ausländischen Bank in Europa bringt, muss trotz aller Garantien im Fall einer Bankenpleite mit eventuellen Komplikationen rechnen“, mahnt Max Herbst. „Vielleicht gibt es dann von Verbänden Musterschreiben oder der Sparer benötigt im Extremfall einen Anwalt im jeweiligen Land, um die Ansprüche durchzusetzen. Wer sein Geld bei einer deutschen Bank einzahlt, entgeht diesem Risiko, bekommt aber auch etwas weniger Zinsen.“

Alternative Festgeld

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen
Immer reicherDas Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten Quelle: ap
Bargeld und SichteinlagenDen größte Teil des Vermögens der deutschen Privathaushalte liegt noch immer auf dem Konto und in Bargeld vor. Fast zwei Billionen Euro in Geldnoten und Sichteinlagen befindet sich im Besitz der Deutschen. Rund 608 Milliarden Euro davon waren im vergangenen Jahr in Spareinlagen angelegt, berichtet die deutsche Bundesbank. Quelle: gms
TermingelderZugelegt im Bereich der Sichteinlagen haben erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 das Volumen bei Termineinlagen. Mit 280,5 Milliarden Euro haben Deutsche in diesem Jahr 18 Milliarden Euro mehr in den kurz- und mittelfristigen Anlagen bei Banken und Geldinstituten angelegt. Hintergründe sind laut Bundesbank die wieder größere Zinsspanne im Vergleich zu den täglich fälligen Einlagen und die schwindende Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren. Quelle: ap
VersicherungenAuch die Versicherer vom wachsenden Vermögen. Neben den Banken sind sie die größten Verwalter: Mit fast 1,4 Billionen Euro Ansprüchen der Versicherten ist ein Großteil des Geldes bei ihnen angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs 2011 das Vermögen, das insbesondere in langfristigen Produkten wie Lebensversicherungen angelegt ist um 45 Milliarden Euro. Quelle: dpa
AktienAn der Börse hingegen sind die Deutschen vorsichtiger geworden. 2010 lagen noch 243,5 Milliarden Euro des Vermögen der deutschen Privathaushalte in Aktien, ein Jahr später sind es nur noch 221,4 Milliarden Euro - rund 22 Milliarden Euro weniger. Quelle: dapd
ZertifikateZertifikate locken auch wegen des höheren Risikos mit mehr Erträgen im Vergleich zu Aktien. Bei den Deutschen siegte jedoch die Vorsicht: Auch das Vermögen in Zertifikaten ging deutlich zurück. Während 2010 noch rund 435 Milliarden Euro des Vermögens der deutschen Privathaushalte in Investmentzertifikate angelegt war, sind es 2011 nur noch knapp 395 Milliarden Euro (minus 40 Milliarden). Das lässt sich zum Teil auch durch die teils hohen Kursverluste erklären. Quelle: dpa
Festverzinsliche Wertpapiere247 Milliarden Euro befinden sich in festverzinslichen Wertpapieren wie Schuldbriefe oder Anleihen. Ein Jahr zuvor waren das mit 259,6 Milliarden Euro noch ein wenig mehr. Quelle: dpa

Bleibt noch Festgeld. Wer sein Erspartes einer Bank für drei Monate oder länger fest anvertraut, kann etwas höhere Zinsen rauskitzeln – abhängig von der Dauer der Festlegung und der Höhe der Einzahlung. Für drei Monate gibt es derzeit im Schnitt nach FMH-Angaben ein Prozent, maximal 2,4 Prozent für 10.000 Euro. Wer 50.000 Euro für vier Jahre fest anlegen will, kann schon mit maximal 3,6 Prozent rechnen. Wer also Bares entbehren kann, schafft es mit Festgeld sogar, der Inflation ein Schnippchen zu schlagen – falls diese in den nächsten Jahren nicht doch deutlich anzieht. Die Rendite wird auch hier mit dem höheren Risiko einer ungewissen Zukunft erkauft.

Bei derart niedrigen Zinsen und der weiterhin unsicheren Zukunft des Euro erscheint es attraktiv, die Ersparnisse ausgeben – sei es für Konsumartikel wie Autos oder Unterhaltungselektronik oder eine Immobilie. Doch wer denkt, die niedrigen Zinsen machen die Ausgaben in irgendeiner Weise rentabler, sei gewarnt: Der neue Fernseher oder das neue Auto machen kreditfinanziert bestenfalls Sinn, wenn eine Neuanschaffung ohnehin ansteht. Werterhaltend sind sie kaum. Und selbst Sachinvestitionen mit Wertsteigerungspotenzial sind in der Regel nur über Konsumentenkredite ohne Sicherheiten finanzierbar. Dort liegen die Zinsen aber immer noch bei durchschnittlich sieben Prozent – auch wenn bei einzelnen Anbieter bessere Konditionen je nach Laufzeit, Kredithöhe und Bonität bis unter vier Prozent drin sind. Wer kann, sollte noch warten, denn die Anbieter geben sinkende Zinsen wenn überhaupt nur mit großer Verzögerung an die Kreditkunden weiter. Lieber bessern sie ihre Marge auf.

Allenfalls für Konsumenten, die noch einen alten Kredit mit einem Zinssatz von neun Prozent und mehr abbezahlen, könnte sich eine Umschuldung als Möglichkeit erweisen, Geld zu sparen. Dabei sind aber die Vertragsregelungen zu vorzeitiger Tilgung und Vorfälligkeitsentschädigungen unbedingt zu beachten. Genaues kalkulieren ist hier gefragt.

Dass die Zinsen besonders in Deutschland niedrig sind, ist auch an der Entwicklung der Renditen auf Bundesanleihen anzusehen. In der Euro-Zone sind sie die Anleihen mit den niedrigsten Renditen, weil sie das geringste Ausfallrisiko haben. Der Zins auf die deutschen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ist aber auch für viele Langfristzinsen der Banken die Orientierungsgröße schlechthin.

Weiter sinkende Bauzinsen

Viele Sparer haben daher die Gunst der Stunde erkannt und investieren ihre Ersparnisse in eine Immobilie. Und das heißt in den allermeisten Fällen, dass ihre Ersparnisse futsch und noch ein Berg langfristiger Schulden hinzukommt. Die drohende Inflation kann Steinen und Mörtel nichts anhaben, so der Grundgedanke. Sollte die Inflation zudem langfristig steigen, frisst sie die Schulden allmählich auf. Die Voraussetzungen dafür sind günstig: Die günstigsten Baudarlehen mit 10-jähriger Zinsbindungsfrist gibt es derzeit zu einem effektiven Jahreszins von 2,5 bis 2,6 Prozent. Im effektiven Zins sind die Nebenkosten und Gebühren für einen Kredit eingerechnet. Auch Sanierungsmaßnahmen boomen in diesem Umfeld. Wer kann, steckt sein Geld ins Haus.

Robert Haselsteiner, Gründer und Zinsexperte der Interhyp AG, Deutschlands größter Vermittler für Immobilienfinanzierungen mit den Angeboten von mehr als 400 Banken, rechnet nicht mit weiter sinkenden Bauzinsen. „Die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank wirkt sich nur bei den kurzfristigen Refinanzierungszinsen für Staatsanleihen aus. Auf die Langfristzinsen wie etwa für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindungsfrist hat das keinen Effekt“, ist Haselsteiner überzeugt. Der Grund: Die Langfristzinsen kommen durch Angebot und Nachfrage am Anleihenmarkt zustande und richten sich hierzulande vor allem nach der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. „Der Zins für Bundesanleihen hängt aber vor allem von der Rolle Deutschlands in der Euro-Krise ab. Je mehr Zugeständnisse Kanzlerin Angela Merkel zur Rettung der Südeuropäer macht, die die Bonität Deutschlands schwächen, umso mehr werden die Renditen für Bundesanleihen steigen. Die 1,2 Prozent vor einigen Wochen und aktuell gezahlten Zinsen von 1,5 Prozent sind somit übertrieben niedrig und haben mit den Wirtschaftsdaten Deutschlands wenig zu tun. Ohne Euro-Krise müsste das normale Zinsniveau der Bundesanleihen eher bei vier Prozent liegen“. Haselsteiner rechnet daher für die nächsten Monate mit anhaltendem Druck zu steigenden Zinsen, in der Tendenz bis auf rund drei Prozent für die Bundesanleihen. Das sollte sich dann auch in steigenden Hypothekenzinsen niederschlagen.

Investitionen in Immobilien

Für Baufinanzierer, Hauskäufer und Eigentümer, die ihre Hypothek umschulden möchten, sind aber auch drei Prozent noch historisch niedrig. Derzeit herrscht eine günstige Sonderkonstellation niedriger Zinsniveaus, ohne dass die Immobilienpreise bereits davon galoppiert seien. Übertriebene Eile sei jedoch nicht geboten. „Es besteht da kein Grund zur Panik. Die Zinsbedingungen sind zwar derzeit ideal, aber wichtiger sollte Immobilienkäufern zunächst die Wahl eines werthaltigen Objekts und eine auf die eigenen Bedürfnisse passende Finanzierungsstruktur sein“, empfiehlt Haselsteiner. „Der deutsche Immobilienkunde ist seit zwei Jahren der Profiteur der Euro-Krise.“

Nach den Daten von Interhyp ist bei Immobilienfinanzierungen noch immer die zehnjährige Festschreibung der Zinshöhe die gefragteste Finanzierungsvariante. Dabei würde sich eine Zinsbindung über 15 Jahre eigentlich aufdrängen. „Eine Finanzierung über 15 Jahre ist nur geringfügig teurer, bietet mehr Planungssicherheit und bietet dennoch nach zehn Jahren immer die Möglichkeit, das Baudarlehen vorzeitig abzulösen oder in einen neuen Kredit zu den dann gültigen Konditionen umzuschulden – ohne Nachteil für den Schuldner“, argumentiert Haselsteiner.

Gute Chancen auf steigende Immobilienpreise

Ein weiterer Vorteil: Die Voraussetzungen für einen Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland sind derzeit so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Profitieren werden dabei vor allem die Ballungsgebiete. Dort ziehen auch die Mieten deutlich an. Wer also anstatt zu sparen und Mickerzinsen einzustreichen in einen langlebigen Sachwert wie eine Immobilie investiert, baut derzeit weit schneller Vermögen auf, als dies bei einem Hypothekenzins von fünf bis sechs Prozent möglich wäre. Voraussetzung ist allerdings, dass die nicht aufgrund marodierender Bausubstanz oder ungünstiger Lage mit den Jahren an Wert verliert. Angehende Eigenheimbesitzer und Vermieter, die das beherzigen und solide finanzieren, finden derzeit also ideale Bedingungen vor.

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Einziger Wermutstropfen für Hauskäufer: Es mangelt an geeigneten Objekten, so dass es in einzelnen Großstadtvierteln bereits zu Preisübertreibungen kommen kann. Dass die Banken und Hausfinanzierer derzeit zu einer allzu laxen Vergabe von Krediten neigen, kann Haselsteiner indes nicht erkennen. „Das Kreditverhalten der deutschen Banken ist weiterhin sehr vernünftig und eher konservativ. Sonst wäre die Nachfrage nach Finanzierungen noch viel höher.“ Die Gefahr einer Immobilienblase, wie sie in Spanien geplatzt ist und bei einzelnen Objekten zu Preisrückgängen von 30 oder 40 Prozent geführt hat, sieht er daher nicht heraufziehen.

Anschlussfinanzierer haben dieses Problem ohnehin nicht, für sie ist das aktuelle Zinsniveau optimal. Wer dann noch Ersparnisse nutzen kann, um seine Schuldenlast in der Umschuldungsphase zu senken, spart weit mehr, als er durch Festgeld oder sichere Rentenpapiere verdienen könnte. Es gilt die alte Faustregel, dass eine Senkung der Schulden einer renditeträchtigen Geldanlage vorzuziehen ist. Angesichts der niedrigen Sparzinsen und den Risiken, die mit renditeträchtigeren Geldanlagen verbunden sind, eigentlich eine Binsenweisheit. Aber selten war sie so nützlich wie heute.

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