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Übergeswapt
Alarmstufe rot: Dass viele Bankgeschäfte heute digital abgewickelt werden und die Behörden in der Coronakrise manche Auflagen gelockert haben, nutzen kriminelle Hacker aus. Quelle: dpa

Wir brauchen Hygieneauflagen gegen Geldwäsche

Es war gut, wie unbürokratisch staatliche Stellen der Wirtschaft in der Coronakrise geholfen haben. Damit davon aber nicht vor allem Kriminelle profitieren, sollten wir alle einiges beachten.

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Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen und regelmäßiges Händewaschen sind der neue Hygienestandard des öffentlichen Lebens geworden. Wir alle sollten aber auch mehr Umsicht im Blick auf neue Möglichkeiten der Geldwäsche walten lassen, die sich für Kriminelle in der jetzigen Pandemie ergeben haben.

Der Staat hat Milliarden bereitgestellt, um Unternehmen, die durch die Ausbreitung des Coronavirus stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, zu unterstützen und ihnen wieder auf die Beine zu helfen. Die Unternehmen können Kredite beantragen, die zügig und ohne große Prüfung gewährt werden. Das Ausfallrisiko trägt allein der Staat, also der Steuerzahler. So gut die unbürokratische Hilfe ist, Kriminelle finden hier Gelegenheiten, sich Geld zu beschaffen, das nicht für sie gedacht ist. Etwa über Briefkastenfirmen: Dabei beantragen Unternehmen, die es nur auf dem Papier gibt, Kredite oder nicht zurückzahlbare Soforthilfe unter Angabe einer Notlage, die gar nicht besteht.

Wo viel Geld mit wenig Prüfung vergeben wird, entstehen zudem gefährlichere Geldwäschemöglichkeiten.

Einfallstor für Kriminelle

Derlei Machenschaften beschreibt Financial Action Task Force (FATF), das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung von Geldwäsche, sowie der Finanzierung von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen, in einem kürzlich veröffentlichten Bericht. Die FATF warnt eindringlich davor, dass Kriminelle die Pandemie für Finanzbetrug nutzen und sich an den neuen, oft prall gefüllten Töpfen bedienen. So kann etwa eine vereinfachte Geldwäscheprüfung bei der Kreditvergabe, die auch von der BaFin aus pragmatischen Gründen erlaubt wurde, ein Einfallstor für Kriminelle sein.

Auch die Financial Intelligence Unit (FIU), die Zentralstelle ist für die Entgegennahme, Sammlung und Auswertung von Meldungen über ungewöhnliche oder verdächtige Finanztransaktionen, die im Zusammenhang mit Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung stehen könnten, warnt davor, dass in der aktuellen COVID-19-Pandemie Kriminelle vermehrt die Unsicherheit bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen für betrügerische Zwecke ausnutzen. Dazu gehören etwa vorgetäuschte Angebote für Schutzmasken und andere medizinische Produkte und fingierte Spendenaufrufe im Zusammenhang mit angeblichen Hilfsaktionen. Manche versuchen auch, sensible Informationen für spätere Delikte zu sammeln, indem sie zum Beispiel telefonisch oder per E-Mail persönliche Daten zur angeblichen Bearbeitung oder Gewährung finanzieller Soforthilfe abfragen. Mit diesen Daten können sie Zahlungen umleiten, mit fremden Kreditkarten auf Einkaufstour gehen oder die Identitäten auch an andere Kriminelle verkaufen. 

Auch geben sich Kriminelle als Mitarbeiter von Gesundheitsbehörden aus und installieren unter einem Vorwand Schadsoftware auf privaten PCs oder Mobilgeräten, um so an persönliche Daten zu gelangen, mit denen sie später Zahlungen auslösen können. Idealerweise aufs eigene Konto.Um solche Schäden zu vermeiden, sind nicht nur die Banken und die staatlichen Stellen gefordert. Sie müssen aufpassen – und die geltenden Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung genauestens einhalten.  Nur so werden sie die kriminellen Machenschaften im Keim ersticken. Aber auch wir alle sind dazu angehalten, neben dem Händewaschen eine gewisse Datenhygiene einzuhalten, also genau zu schauen, wem wir persönliche Informationen anvertrauen.

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