Umfrage Deutsche rechnen mit weiter fallenden Zinsen

Schon jetzt sind die Zinsen auf einem Rekordtief, doch ein Teil der Deutschen rechnet mit einem weiteren Zinsrutsch. Das belastet auch das Sparverhalten.

Runde 6: Sollen wir noch sparen?

Am Donnerstag wird im neuen Turm der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder über den Leitzins entschieden. Kaum jemand rechnet allerdings mit einer Aktion des EZB-Rats, schließlich liegen die Zinsen schon jetzt auf einem Rekordtief von 0,05 Prozent und die Notenbank hat gerade erst ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm verkündet. Aber auch ohne eine Reaktion der EZB rechnet ein großer Teil der Deutschen damit, dass die Anlagezinsen noch weiter fallen werden.

Die Mehrheit, 80 Prozent der Bundesbürger, glaubt nicht an ein baldiges Ende der Niedrigzinsphase. 38 Prozent befürchten sogar, dass die Zinsen noch weiter fallen, nur 20 Prozent rechnen damit, dass die Zinsen bald wieder steigen. Das geht aus einer Umfrage der comdirect hervor, die WirtschaftsWoche Online vorab vorliegt. Für die Studie hat die Direktbanktochter der Commerzbank rund 1600 erwachsene Verbraucher zu ihren Einstellungen zur Geldanlage und zum Sparen befragt.

So legen die Deutschen ihre Ersparnisse an

Einfluss auf das Sparverhalten

Die negativen Aussichten wirken sich auch auf das Sparverhalten aus. Demnach legt nur noch jeder Zweite mehr als 100 Euro pro Monat auf die hohe Kante. Insgesamt sparen die Verbraucher nur noch sieben Prozent ihres Nettoeinkommens, rund 14 Prozent wollen ihre Sparanstrengungen in Zukunft noch weiter reduzieren.

Belastend wirkt vor allem, dass es insbesondere die Lieblings-Anlageformen der Deutschen sind, auf die es keine Zinsen mehr gibt. Denn weiterhin landet bei 57 Prozent der Befragten ein Teil der Ersparnisse auf dem Girokonto. Nur 20 Prozent stecken einen Teil in Festgeld, mit nur 14 Prozent investiert der geringste Teil in Aktien. "Die Deutschen gehen den Vermögensaufbau falsch an", sagt Daniel Schneider von der comdirect. Obwohl sie den nötigen finanziellen Spielraum hätten, würden die Sparer chancenreiche Anlageformen wie Aktien verschmähen.

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Nicht nur die Banken warnen regelmäßig vor realen Verlusten für die Sparer und trommeln für mehr Aktieninvestments. Auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die Lobby der Aktie, wirbt regelmäßig für mehr Börsenengagements. Seit dem Einbruch des Neuen Markt nach der Jahrtausendwende sind die Deutschen allerdings zu großen Aktienmuffeln geworden.

Auch in den letzten Monaten, als es an den Börsen rasant nach oben ging und der Dax zwischenzeitlich weit über 12.000 Punkte kletterte, fand die Rally größtenteils ohne den deutschen Sparer statt.

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