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Umkämpfter Gasmarkt Warum Gaskunden jetzt wechseln sollten

Ein Großteil der Gasversorger plant Preiserhöhungen für Endverbraucher. Dabei gibt es dafür eigentlich keinen Grund. Verbraucher sollten die gewissenhafte Suche nach dem günstigsten Versorger aufnehmen.

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Die Flamme eines Gasherdes Quelle: Picture-Alliance/dpa

In der vorigen Woche gab es in der Essener Konzernzentrale von E.On Ruhrgas etwas zu feiern. „E.On spart Milliarden durch billigeres Gas aus Russland“ lautete die Schlagzeile, der Aktienkurs von E.On und RWE kletterte sofort nach oben. Der Hintergrund: E.On war es gelungen, bei seinem russischen Gaslieferanten Gazprom Preissenkungen durchzusetzen, RWE verhandelt noch. Rückwirkend ab dem vierten Quartal 2010 sollen die niedrigeren Preise gelten. E.On erwartet dadurch einen positiven Effekt auf das Halbjahresergebnis von etwa einer Milliarde Euro.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen forderte E.On umgehend auf, die niedrigeren Einkaufspreise auch durch Preissenkungen an die Gaskunden weiterzureichen. „Nach den Vorschriften zur Gasgrundversorgung müssen Preisvorteile weitergegeben werden. Das haben auch verschiedene Entscheidungen des Bundesgerichtshofs zu Preisanpassungsklauseln in Verträgen mit Gassonderkunden deutlich gemacht“, sagt Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. „Leider finden Versorger immer wieder Argumente, um sich den Vorgaben zu entziehen.“ Gegen RWE läuft noch ein Verfahren der Verbraucherschützer vor dem Europäischen Gerichtshof. Zur hausinternen Preispolitik wollte E.On keinen Kommentar abgeben.

Verbraucher werden enttäuscht

Verbraucher, die nach der Meldung auf niedrigere Gaspreise hoffen, könnten enttäuscht werden. Denn E.On schrieb im Gasgeschäft zuletzt hohe Verluste. Grund dafür waren die langfristigen Verträge mit Gazprom, in denen noch Preise deutlich über dem derzeitigen Marktdurchschnitt vereinbart waren. Die Großkunden von E.On Ruhrgas – vor allem Stadtwerke und regionale Versorger – waren jedoch den Meldungen zufolge nicht bereit, mehr als den zwischenzeitlich gesunkenen Marktpreis zu bezahlen. Gazprom koppelt den Gaspreis an den Ölpreis - und der ist seit April deutlich gefallen. Aber die Verträge laufen lange, die neuen bis 2036. Insofern ist nicht damit zu rechnen, dass Stadtwerke weitere Preisvorteile erhalten, sondern die Ersparnisse primär dafür sorgen, dass E.Ons Gasgeschäft wieder wettbewerbsfähig wird.

Im Gegenteil: Verbraucher müssen sich vielmehr darauf einstellen, dass die Gaspreise zum Beginn der Heizperiode wieder anziehen. Das Energie-Vergleichsportal Verivox hat bereits vor steigenden Gaspreisen gewarnt. „Bislang haben im laufenden Jahr 45 Gasversorger Preiserhöhungen umgesetzt oder angekündigt.“, sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Unter anderem hat RWE bereits erhöht, ein paar Wochen später hat E.On die Preise für Kunden in Nordrhein-Westfalen um 6,5 Prozent angehoben.

Gasversorger: Preisspiegel für alle Bundesländer

Zwar sind 45 von deutschlandweit rund 850 Gasversorgern noch nicht viel, aber setzt sich der Trend fest, werden sich die Preiserhöhungen im gesamten Bundesgebiet fortsetzen. 25 Versorger haben ihre Preise bereits zum Juli erhöht, 20 Gesellschaften Aufschläge für August oder September angekündigt. Die durchschnittliche Preiserhöhung liegt bei 6,2 Prozent. Für einen betroffenen Durchschnittshaushalt, der im Jahr 20.000 Kilowattstunden (kWh) verbraucht – in Kubikmetern sind das etwas weniger als 2000 – kommt somit eine Mehrbelastung von 83 Euro zu.

„Die Tatsache, dass bereits viele Gasversorger Preiserhöhungen für das zweite Halbjahr umgesetzt oder angekündigt haben, spricht für eher steigende Gaspreise im Spätsommer und Herbst – rechtzeitig vor Beginn der Heizperiode. Vor der kalten Jahreszeit steigen die Gaspreise schon traditionell im einstelligen Prozentbereich“, sagt Reese.

Wichtige Preisfaktoren und mangelnde Transparenz

Wo die Preise explodieren
Frau in Supermarkt Quelle: dpa
Brot Quelle: dpa
Eine Frau beißt in Schokolade Quelle: dpa
Kaffeebohnen Quelle: dpa
Drehstromzähler Quelle: dpa
Grillwürstchen Quelle: dpa
Jemand tankt Quelle: dpa

Die Entwicklung der Gaspreise ist tatsächlich alles andere als einheitlich oder transparent. Im gleichen Zeitraum gab es nämlich auch neun Versorger mit Preissenkungen,  im Mittel um 2,8 Prozent. Durchschnittliche Ersparnis: 37 Euro.

Entwicklung der Energiepreise Quelle: Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen

Die Spanne zwischen den verteuerten und den verbilligten Tarifen liegt somit bei 120 Euro. Weit größer wird die Spanne jedoch, wenn Verbraucher aus einem teuren in einen günstigen Tarif wechseln. Je nach Verbrauch, Region und Anbieter können sie 500 Euro und mehr pro Jahr sparen.

Dass die Preisunterschiede bei einem doch recht einheitlichen und in großen Mengen verfügbaren Produkt wie Gas derart groß sind, hat gleich mehrere Gründe. Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis aus drei Komponenten zusammen:

  • Netznutzungsentgelte und Konzessionsabgabe: 22,2 Prozent
  • Umsatz- und Gassteuer: 24,5 Prozent (16 Prozent + 8,5 Prozent)
  • Beschaffung, Vertrieb und Gewinnmarge: zusammen 53,4 Prozent

Diese Zahlen hat Verivox ermittelt. Während die beiden erstgenannten Punkte relativ stabil und gut kalkulierbar für die Gasversorger sind, bleibt die Aufteilung innerhalb des letzten Punktes jedoch Betriebsgeheimnis. Die größten Unterschiede dürften im Bereich Beschaffung zu finden sein, je nachdem wie und bei wem die Gasversorger ihren Rohstoff einkaufen. Dort entstehen die Spielräume für eine Erhöhung der Gewinnmarge. „Die großen Preisunterschiede lassen sich eigentlich nur noch durch die unterschiedlichen Einkaufsstrategien der Gasversorger und die Unterschiede in den Beschaffungspreisen erklären. Schließlich können die Gesellschaften auch kurzfristig und ganz ohne Ölpreisbindung auf den Termin- und Spotmärkten ihr Gas kaufen - und so die günstigsten Angebote nutzen“, sagt Reese. Das sehen auch Verbraucherschützer so. „Die Ölpreisbindung spielt im nationalen Wettbewerb der Gasversorger praktisch keine Rolle mehr", sagt Peter Blenkers, Energieexperte bei der Verbraucherschutzzentrale NRW. "International gibt es sie durchaus noch und schlägt sich vor allem in den langfristigen Lieferverträgen nieder – so wie etwa bei der langwierigen Auseinandersetzung zwischen E.On und Gazprom zu beobachten war.“

Dürftige Erklärungen

„Dabei sprechen eigentlich der deutlich gefallene Ölpreis, die bessere Versorgungslage in den USA und deren zurückgehende Gasimporte,  die neuen Verträge zwischen E.On und Gazprom und die generell fehlende Knappheit beim Rohstoff Gas eher dafür, dass die Einkaufspreise der Versorger sinken“, so Verivox-Experte Peter Reese. „Objektive Gründe für eine Preiserhöhung sehe ich nicht“, so Blenkers. „Die Versorger müssen die Gründe für Preiserhöhungen transparent machen. Deren Erklärungen sind jedoch oft dürftig. Für meine Begriffe wollen die Anbieter vor allem ihre Gewinne erhöhen“, kritisiert er.

Die günstigsten Gas-Pakettarife in deutschen Großstädten

Insgesamt sind die internationalen Bezugspreise sehr stabil – von dem kleinen Peak 2008 bis 2009 mal abgesehen. Seit diesem Ausbruch nach oben halten sich Preise für Gas an der Terminbörse EEX in einem Korridor von 20 bis 30 Euro je Megawattstunde, umgerechnet also zwei bis drei Cent je Kilowattstunde. Verbraucher zahlen für ihr Erdgas seit 2009 im Mittel zwischen sechs und sieben Cent je Kilowattstunde – mit langsam ansteigender Tendenz und wachsender Spreizung. Aktuell liegen die kWh-Preise je nach Anbieter zwischen 4,5 und 8,0 Cent für private Haushalte.

Die Versorger haben bei der Preisgestaltung offenbar immer größere Spielräume. „Wir beobachten seit 2009, dass die Schere zwischen den Einkaufspreisen an den Gasmärkten und den Verbraucherpreisen immer weiter aufgeht", so Reese. „Für den Endkunden ergeben sich damit natürlich größere Einsparpotenziale durch einen Anbieterwechsel.“

Wechselmöglichkeit für Verbraucher

Warum die Energiepreise steigen
Euroscheine stecken an einer Steckdose Quelle: dpa
Logos der vier großen Engergiekonzerne EnBW (l, oben), RWE (r, oben), Vattenfall (l, unten) und Eon (r, unten) Quelle: dpa
Ölpumpen stehen im Sonnenuntergang auf einem Ölfeld bei Los Angeles Quelle: dpa
Bild einer Raffinerie auf einem Bildschirm der Firma Gazprom Quelle: REUTERS
Ein Mitarbeiter eines Heizöllieferanten bereitet die Betankung eines Mehrfamilienhauses mit Heizöl vor Quelle: dpa
Ein Tankwagenfahrer beliefert einen Privathaushalt mit Heizöl Quelle: AP
Ein Monteur verkabelt einen Strommast Quelle: dapd

Dabei profitieren Verbraucher zumindest von der zunehmenden Konkurrenz. Der Wettbewerb der Gasversorger steckt nicht mehr in den Kinderschuhen“, ist Reese überzeugt. „Allein in diesem Jahr sind 57 neue Anbieter auf dem Markt aktiv – viele mit einem bundesweiten Angebot. Im Schnitt gibt es pro Postleitzahlengebiet mittlerweile 68 Gasanbieter für Endverbraucher – Tendenz steigend.“

Für Haushalte, die anders als Bewohner von Mietshäusern mit Gaszentralheizung ihren Gasvertrag selbst auswählen können – das sind immerhin mehr als elf Millionen in Deutschland – ergeben sich durch einen rechtzeitigen Wechsel zu einem anderen Anbieter gute Chancen, ihre Energiekosten zu senken. Der Clou: Will ein Gasversorger die Preise erhöhen, muss er dies dem Kunden in einem Brief mindestens sechs Wochen im Voraus mitteilen und dabei auch auf das Kündigungsrecht des Kunden hinweisen. So bleibt ausreichend Zeit, einen neuen Gasvertrag abzuschließen.

Viele Gaskunden üben dennoch Zurückhaltung – wenn sie überhaupt von den Wechselmöglichkeiten wissen. Der deutsche Gaskunde ist eher wechselunwillig. „Wenn die Gaspreise steigen, erhöht sich zwar auch die Wechselquote“, weiß Energieexperte Reese. „Aber in 2010 haben erst sieben Prozent derjenigen, die ihren Gasvertrag überhaupt wechseln können, ihren Vertrag auf einen anderen Anbieter umgestellt. Im Strommarkt befinden sich immerhin schon 15,5 Prozent der Haushalte in Belieferung durch einen neuen Anbieter.“ Dabei muss aber kein Gaskunde befürchten, im Winter ohne Gaslieferung da zu stehen. Klappt der Wechsel nicht, fallen sie automatisch zurück in die Grundversorgung. Und die ist monatlich kündbar.

Die günstigsten Gastarife in deutschen Großstädten (ohne Pakettarife)

Zudem machen es die inzwischen zahlreichen Vergleichsportale im Internet den Verbrauchern schon recht einfach, den günstigsten Tarif zu finden (siehe Gaspreisrechner in der linken Spalte). In der Regel genügt die Eingabe der Postleitzahl und des geschätzten Jahresverbrauchs, um einen ersten Überblick über die Angebote der regional aktiven Gaslieferanten zu erhalten.

Enorme Preisunterschiede

Die Preisunterschiede sind dabei enorm. Im Vergleich zum Standardtarif des örtlichen Grundversorgers – der eine Belieferung nicht ablehnen kann – ergeben sich etwa bei einem freistehenden Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von rund 30.000 kWh schnell Ersparnismöglichkeiten von 500 Euro und mehr.

Generell gilt: Wer sparen will, muss wechseln. Allerdings ist genaues Hinschauen gefragt. „Gaskunden sollten sich von den verlockenden Angeboten besonders preiswerter Anbieter nicht treiben lassen“, rät Blenkers. „Vorauskasse, Kautionen und intransparente Bonusregelungen sollten Verbraucher meiden und beim Preisvergleich in Tarifrechnern ausblenden.“ Spätestens der Fall des Billig-Energieanbieters Teldafax hat deutlich gemacht, dass große Vorauszahlungen bei einer Unternehmenspleite verloren sein können. Gleiches gilt für hohe hinterlegte Kautionen. Verbraucher sollten zudem Vertragsbindungen von mehr als zwölf Monaten vermeiden. Denn in einem Jahr können die Gaspreise schon wieder gestiegen und die günstigen Angebote bei anderen Anbietern zu finden sein.

Bonuszahlungen genau prüfen

Die Sparpläne der Versorger
Wie die Energiekonzerne sparen wollen Quelle: dpa
RWE will jetzt auch bei den Gehältern seiner leitenden und außertariflichen Angestellten sparen. Das Unternehmen strebe für 2014 eine Nullrunde bei dieser Personengruppe an, sagte eine Unternehmenssprecherin am 29. November. Betroffen seien über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, europaweit sogar 16.000 Beschäftigte. In einem internen Schreiben kündigte der RWE-Vorstand nach Angaben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ an, diesem Mitarbeiterkreis 2014 „keine generelle Gehaltserhöhung zu gewähren“. Hintergrund sei die schwache Ertragskraft des Konzerns, die 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang führen werde. Neben den Aktionären, die für 2013 eine halbierte Dividende hinnehmen müssen, sollten alle Beschäftigten „ihren Beitrag zur langfristigen Sicherungen der Finanzkraft leisten“. Durch die Maßnahme will der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag sparen. Quelle: dpa
Angesichts der düsteren Aussichten auf dem deutschen Energiemarkt sollen bis 2016 weitere 6750 Stellen wegfallen oder durch Verkauf abgegeben werde, 4750 davon in Deutschland. Terium will auch auf Management-Ebene über Gehaltskürzungen sprechen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es soweit möglich nicht geben. RWE setzte auf die konzerninterne Jobbörse, Altersteilzeit und die natürliche Fluktuation. Den bis Ende 2014 garantierten tariflichen Kündigungsschutz will Terium angesichts der Lage nicht verlängern. Von 2011 bis Ende 2013 hat RWE bereits 6200 Stellen abgebaut oder durch Verkauf abgegeben. Der neue Abbau trifft vor allem die Kraftwerkssparte mit 2300 Stellen. Im Rahmen des Effizienzprogramms „RWE 2015“ fallen 2400 Stellen weg, und durch den geplanten Verkauf der Ölfördertochter Dea weitere 1400 Stellen. Auch die Tochter für erneuerbare Energien RWE Innogy speckt ab - 250 Stellen gehen verloren. Zum Jahresende 2013 verringert sich die Zahl der Stellen von 67.400 auf knapp 61.000. Ende 2011 arbeiteten noch 72.000 Menschen für RWE. Quelle: dpa
Bei RWE greifen mittlerweile mehrere Spar- und Effizienzprogramme ineinander. Im Rahmen des Programms RWE 2015 will Terium bis Ende des kommenden Jahres 1 Milliarde Euro einsparen. Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken, mittlerweile ist von über 10.000 Stellen die Rede. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Nun legte Chef Peter Terium nochmals nach (siehe vorangegangenes Bild). Quelle: dpa
Besonders betroffen ist die Kraftwerkstochter RWE Generation. Im Rahmen des Programms NEO sollen die Kosten hier jährlich um 750 Millionen Euro gesenkt werden. Die Kraftwerkstochter soll 3000 Stellen streichen. Die Sparte hat derzeit 18.000 Beschäftigte. Im Rahmen des Atomausstiegs hat RWE bereits das Kernkraftwerk Bibilis stillgelegt, Lingen, und Mülheim-Kärlich befinden sich im Rückbau. In Betrieb sind noch Emsland, Gundremmingen (75% Beteiligung) und Borssele (Niederlande, 30 % Beteiligung) Quelle: dapd
EnBWDer baden-württembergisch Energieversorger zieht aus seiner Ertragskrise weitere Konsequenzen und verkleinert den Vorstand von fünf auf vier Personen. Vorstand Dirk Mausbeck, bisher für Vertrieb und Marketing verantwortlich, wird mit Ablauf seines Vertrages am 30. September 2014 das Unternehmen verlassen. Seine Aufgaben übernimmt zum Teil Vorstandschef Frank Mastiaux (Foto). Die Sparten Handel und Verteilnetze sollen noch verteilt werden. EnBW kämpft in Folge der Energiewende mit schrumpfenden Erträgen. Mastiaux will den einst stark auf Atomkraft setzenden Konzern auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie und auf neue Serviceangebote für die Strom- und Gaskunden trimmen. Dazu ist bereits ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt worden... Quelle: dpa
Um den Konzern effizienter zu machen, sollen Kerngesellschaften auf die EnBW AG verschmolzen und Tochtergesellschaften verkauft werden. Das im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Entlastung von 750 Millionen Euro bringen. Bis Ende 2014 werden 1350 Stellen bei EnBW gestrichen - das soll Einsparungen von rund 200 Millionen Euro bringen. Der Umbau soll sozialverträglich organisiert werden. Freie Stellen - vor allem in der Verwaltung - werden nicht neu besetzt, Altersteilzeitangebote umgesetzt und Abfindungen gezahlt. Vor dem Sparprogramm arbeiteten 21.000 Menschen für EnBW. EnBW hat im Zuge der Energiewende das Kernkraft Neckarwestheim bereits teilweise stillgelegt, das Werk Obrigheim befindet sich im Rückbau. Am Netz sind noch Philippsburg und Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung). Quelle: dpa

Gegen die branchenüblichen Bonuszahlungen ist generell nichts zu sagen. Sie machen die Tarife für Wechselwillige deutlich attraktiver, da sie schnell mit 100 Euro und deutlich mehr locken. Einzelne Anbieter bieten sogar 25 Prozent Nachlass oder maximal 489 Euro als Willkommensgeschenk für Neukunden. Allerdings drohen auch ein paar Fallstricke. So wird der Bonus etwa am Jahresende gegen den Rechnungsbeitrag verrechnet. Die Abschlagszahlungen senkt er jedoch zuvor nicht. Die genauen Regelungen zu den Bonuszahlungen müssen in den AGBs ausgeführt sein, daher empfiehlt sich dringend die Lektüre des Kleingedruckten.

Erfahrungsberichte untersuchen

Um neue Gaskunden wird auf dem Markt hart gekämpft. Daher ist auch Skepsis angebracht, wenn das Angebot allzu deutlich unter Vergleichsangeboten liegt. Dabei handelt es sich häufig um Tarife, die Vorkasse verlangen und somit per se schon ein gewisses Risiko für Verbraucher bergen.

Auch kann es sein, dass an Kundenbetreuung und sonstigen Serviceleistungen rigoros gespart wird. Im Zweifel hilft das Stöbern in Internetforen. Dort finden sich nach der Suche des Anbieternamens nicht selten haufenweise Erfahrungsberichte von unzufriedenen Kunden. Zwar ist das noch kein Beweis dafür, ob ein Anbieter seriös ist oder nicht – schließlich ist das Internet kein Gerichtsprotokoll. Im Zweifelsfall sollten Gaskunden aber lieber etwas mehr für einen nachweislich kundenfreundlichen Anbieter zahlen, als sich nachher zu ärgern.

Geldanlage



Problematisch können auch Paketpreise sein. Die in der Regel günstigeren Tarife erfordern nämlich die Abnahme einer bestimmten Kilowattstundenzahl. Verbraucht der Kunde in einem Jahr jedoch weniger als die beispielsweise vereinbarten 20.000 kWh, wird in der Regel nichts zurückerstattet. Verbraucht der Kunde hingegen mehr, schlagen gleich erhöhte kWh-Preise zu Buche und machen die vermeintliche Ersparnis schnell zunichte. Pakettarife sind daher nur etwas für Gaskunden, die ihren Verbrauch ziemlich genau schätzen können und relativ konstant halten. Bei erhöhtem Heizbedarf wie etwa im Winter 2010/2011 drohen empfindliche Nachzahlungen.

Hoher Aufklärungsbedarf

Verbraucherschützer Schröder sieht im Gasmarkt für Endkunden noch immer viel Rechtsunsicherheit. „So großen Aufklärungsbedarf wie in der Energiebranche gibt es sonst höchstens noch im Telekommunikationsbereich. Ich habe so etwas jedenfalls in meiner langjährigen Tätigkeit noch nicht erlebt“, so der Jurist. „Obwohl es vorgeschrieben ist, gibt es zum Beispiel noch immer Anbieter, die ihre Preiserhöhungen nicht wie verlangt sechs Wochen vorher korrekt ankündigen.“

Mitte August müssen die Gasanbieter ihre Preiserhöhungen angekündigt haben, wenn sie die Preise zum Beginn der kalten Jahreszeit im Oktober anheben wollen. Kunden, die davon betroffen sind, sollten sich jetzt schon langsam auf die Suche nach dem besten Angebot machen. Und vor allem gründlich vergleichen.

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