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Umkämpfter Gasmarkt Warum Gaskunden jetzt wechseln sollten

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Wichtige Preisfaktoren und mangelnde Transparenz

Wo die Preise explodieren
Frau in Supermarkt Quelle: dpa
Brot Quelle: dpa
Eine Frau beißt in Schokolade Quelle: dpa
Kaffeebohnen Quelle: dpa
Drehstromzähler Quelle: dpa
Grillwürstchen Quelle: dpa
Jemand tankt Quelle: dpa

Die Entwicklung der Gaspreise ist tatsächlich alles andere als einheitlich oder transparent. Im gleichen Zeitraum gab es nämlich auch neun Versorger mit Preissenkungen,  im Mittel um 2,8 Prozent. Durchschnittliche Ersparnis: 37 Euro.

Entwicklung der Energiepreise Quelle: Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen

Die Spanne zwischen den verteuerten und den verbilligten Tarifen liegt somit bei 120 Euro. Weit größer wird die Spanne jedoch, wenn Verbraucher aus einem teuren in einen günstigen Tarif wechseln. Je nach Verbrauch, Region und Anbieter können sie 500 Euro und mehr pro Jahr sparen.

Dass die Preisunterschiede bei einem doch recht einheitlichen und in großen Mengen verfügbaren Produkt wie Gas derart groß sind, hat gleich mehrere Gründe. Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis aus drei Komponenten zusammen:

  • Netznutzungsentgelte und Konzessionsabgabe: 22,2 Prozent
  • Umsatz- und Gassteuer: 24,5 Prozent (16 Prozent + 8,5 Prozent)
  • Beschaffung, Vertrieb und Gewinnmarge: zusammen 53,4 Prozent

Diese Zahlen hat Verivox ermittelt. Während die beiden erstgenannten Punkte relativ stabil und gut kalkulierbar für die Gasversorger sind, bleibt die Aufteilung innerhalb des letzten Punktes jedoch Betriebsgeheimnis. Die größten Unterschiede dürften im Bereich Beschaffung zu finden sein, je nachdem wie und bei wem die Gasversorger ihren Rohstoff einkaufen. Dort entstehen die Spielräume für eine Erhöhung der Gewinnmarge. „Die großen Preisunterschiede lassen sich eigentlich nur noch durch die unterschiedlichen Einkaufsstrategien der Gasversorger und die Unterschiede in den Beschaffungspreisen erklären. Schließlich können die Gesellschaften auch kurzfristig und ganz ohne Ölpreisbindung auf den Termin- und Spotmärkten ihr Gas kaufen - und so die günstigsten Angebote nutzen“, sagt Reese. Das sehen auch Verbraucherschützer so. „Die Ölpreisbindung spielt im nationalen Wettbewerb der Gasversorger praktisch keine Rolle mehr", sagt Peter Blenkers, Energieexperte bei der Verbraucherschutzzentrale NRW. "International gibt es sie durchaus noch und schlägt sich vor allem in den langfristigen Lieferverträgen nieder – so wie etwa bei der langwierigen Auseinandersetzung zwischen E.On und Gazprom zu beobachten war.“

Dürftige Erklärungen

„Dabei sprechen eigentlich der deutlich gefallene Ölpreis, die bessere Versorgungslage in den USA und deren zurückgehende Gasimporte,  die neuen Verträge zwischen E.On und Gazprom und die generell fehlende Knappheit beim Rohstoff Gas eher dafür, dass die Einkaufspreise der Versorger sinken“, so Verivox-Experte Peter Reese. „Objektive Gründe für eine Preiserhöhung sehe ich nicht“, so Blenkers. „Die Versorger müssen die Gründe für Preiserhöhungen transparent machen. Deren Erklärungen sind jedoch oft dürftig. Für meine Begriffe wollen die Anbieter vor allem ihre Gewinne erhöhen“, kritisiert er.

Die günstigsten Gas-Pakettarife in deutschen Großstädten

Insgesamt sind die internationalen Bezugspreise sehr stabil – von dem kleinen Peak 2008 bis 2009 mal abgesehen. Seit diesem Ausbruch nach oben halten sich Preise für Gas an der Terminbörse EEX in einem Korridor von 20 bis 30 Euro je Megawattstunde, umgerechnet also zwei bis drei Cent je Kilowattstunde. Verbraucher zahlen für ihr Erdgas seit 2009 im Mittel zwischen sechs und sieben Cent je Kilowattstunde – mit langsam ansteigender Tendenz und wachsender Spreizung. Aktuell liegen die kWh-Preise je nach Anbieter zwischen 4,5 und 8,0 Cent für private Haushalte.

Die Versorger haben bei der Preisgestaltung offenbar immer größere Spielräume. „Wir beobachten seit 2009, dass die Schere zwischen den Einkaufspreisen an den Gasmärkten und den Verbraucherpreisen immer weiter aufgeht", so Reese. „Für den Endkunden ergeben sich damit natürlich größere Einsparpotenziale durch einen Anbieterwechsel.“

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