Unstoppable Finance: Wie die Finanzaufsicht den neuesten Krypto-Hype auszubremsen droht
Mit ihrer App wollen die Unstoppable-Finance-Gründer Maximilian von Wallenberg-Pachaly (von links), Peter Grosskopf und Omid Aladini das dezentrale Finanzwesen in den Massenmarkt bringen.
Foto: WirtschaftsWocheHinter einer kryptischen Abkürzung mit vier Buchstaben verbirgt sich der neue Hoffnungsträger der Kryptowelt: DeFi. Das steht für „Decentralized Finance“, Finanzdienstleistungen ohne Intermediäre wie Banken – dezentral eben. Bislang tummeln sich vor allem Krypto-Enthusiasten im DeFi-Bereich, für Otto Normalanleger sind DeFi-Anwendungen noch zu kompliziert. Doch das will ein Berliner Fintech nun ändern.
Die Kryptofirma Unstoppable Finance hat eine neue Smartphone-App gestartet: Über diese sollen Anleger in Deutschland Kryptoassets selbst verwahren, mit ihnen handeln und über Investitionen in ausgewählte DeFi-Protokolle Zinsen verdienen können. Zumindest theoretisch.
Das Problem: Die Wallet – also die digitale Geldbörse – mit den Namen Ultimate ist in Deutschland nur in einer Light-Version erhältlich. Nutzer können zwar Token-Preise in Echtzeit überprüfen und ihre eigenen Coins verwalten. Sie können aber über die App nicht handeln, obwohl das eine der Kernfunktionen sein soll. Die App startet also nach dem Prinzip: Nur gucken, nicht anfassen.
Hintergrund sind Probleme mit der Finanzaufsicht BaFin. Eigentlich war der Launch der Ultimate-App bereits für November vergangenen Jahr geplant gewesen. In den meisten westlichen Ländern ist die App seitdem verfügbar. Doch aus dem Deutschland-Start wurde vorerst nichts.
Laut Finanzkreisen teilte die BaFin Unstoppable Finance kurz vor dem Launch mit, dass das Unternehmen unter die Aufsicht der BaFin falle und zunächst deren Zustimmung benötige. Passiert ist bis heute – über ein halbes Jahr später – nichts. Das Fintech steht weiter im Austausch mit der Aufsicht.
Gründer Peter Grosskopf sträubt sich nicht gegen Regulierung. Mit der BaFin hatte er immer wieder zu tun: Er hat die Solarisbank mit aufgebaut und die Börse Stuttgart Digital Exchange geleitet. Grosskopf wirft der BaFin vor, zu langsam zu handeln – und sein Fintech in eine Regulierung zu pressen, die die Charakteristik des DeFi-Bereichs nicht abbilde.
Deutsche Kryptounternehmen „stark benachteiligt“
Die BaFin prüft, ob das Angebot von Unstoppable Finance aufsichtsrechtlich relevant ist. „Geschäftsmodelle, die nicht nur angeblich, sondern tatsächlich dezentral ablaufen, sind nicht per se erlaubnisfrei“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Grosskopf sieht das anders: Seine App sei vergleichbar mit einem Internetbrowser, über den Nutzer selbstständig verschiedene Webseiten aufrufen können. Sie sei also nur das Werkzeug, kein Vermittler.
Über die Verzögerung ist Grosskopf enttäuscht. Halte die BaFin an ihrer Haltung fest, würde das Unstoppable Finance „gegenüber konkurrierenden Anbietern, die ihre Dienste in Deutschland ohne Lizenz weiter anbieten, stark benachteiligen,“ moniert er. Die BaFin erkennt derweil keine Bevorzugung ausländischer Anbieter. Es gelte die Devise „same risk, same rules“. „Agieren sie ohne eine notwendige Lizenz in Deutschland, dann betreiben sie unerlaubte Geschäfte, die wir verfolgen, untersagen und abwickeln“, so eine BaFin-Sprecherin
Tatsächlich gibt es von Anbietern wie der Kryptowallet Metamask bereits ähnliche Produkte, die ganz ohne BaFin Genehmigung in Deutschland genutzt werden können.Auch die Kryptobörse Binance beispielsweise zählt inzwischen mehrere Millionen deutsche Kunden, obwohl sie noch keine BaFin-Lizenz hat. Solange die Anbieter nicht aktiv um deutsche Kunden werben, intervenieren die Aufseher nicht. Deutsche Unternehmen dagegen unterliegen generell der BaFin-Aufsicht. Eine Einschränkung, die auch andere Fintech-Unternehmer kritisieren.
Nach Angaben von Unstoppable Finance warten 500.000 Interessenten darauf, für die Nutzung der Ultimate-App zugelassen zu werden. Bislang seien erst rund 10.000 Nutzer auf der Plattform aktiv. Der Grund: Die App ist erst seit einigen Wochen fürs Android-Betriebssystem verfügbar, und ein Großteil der Interessenten stammt eben aus Deutschland.
Fintech will Vollbank gründen
Gründer Grosskopf hält an seinem Plan fest, bald eine vollständige Version der App in Deutschland anzubieten. Zeitplan: ungewiss. Grosskopf plant für den Notfall die Flucht nach vorne: „Wenn dafür der Schritt ins Ausland notwendig ist, ist dies eine traurige Konsequenz.“
Operiert Unstoppable Finance von einem anderen Land aus, kann es seine App auch in Deutschland in der Vollversion starten. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass die Notlösung ausgerechnet in einem Schritt liegen könnte, den das Fintech bei anderen kritisiert. Ökonomisch wäre der Gang ins Ausland im Zweifel aber sinnvoll. Schließlich haben Investoren einen zweistelligen Millionenbetrag in das Start-up investiert und wollen Erträge sehen.
Während sich Unstoppable Finance weiter um die Zustimmung der BaFin bemüht, plant das Fintech parallel einen weiteren Schritt: Vergangene Woche verkündete es, eine Vollbank gründen zu wollen. Die Kryptofirma will ein Geldinstitut im dezentralen Finanzwesen eröffnen und damit Bank und Blockchain zusammenführen. Die Blockchain, die Technologie hinter Kryptowährungen wie Bitcoin, ist das digitale Datenprotokoll, auf dem sämtliche Transaktionen gespeichert werden. Geplant ist der Start der Vollbank im kommenden Jahr – falls die Gespräche mit der BaFin gut laufen.
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