Verbraucherkredite Wie Sie ihre Kreditgebühren wiederbekommen

Verbraucher können Gebühren für Kredite von ihren Banken zurückfordern, auch für Darlehen, die vor zehn Jahren abgeschlossen wurden. Dafür müssen sie sich allerdings beeilen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gebühren bei Verbraucherkrediten dürfen nicht auf Bankkunden abgewälzt werden. Quelle: dpa

Tausende Bankkunden sind hoffnungsvoll. Denn der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass Bearbeitungsgebühren bei Verbraucherkrediten nicht zulässig sind, Banken dürfen sie nicht verlangen. Kunden können nun solche Gebühren für Ratenkredite etwa zur Finanzierung von Autos oder Fernsehern zurückfordern.

Freuen können sich viele Verbraucher, denn in einem weiteren Urteil hat der BGH entschieden, dass auch für alte Kredite gezahlte Gebühren ungültig sind. Erst nach zehn Jahren verjähren die Ansprüche der Kreditnehmer. Wer ab November 2004 Kreditgebühren gezahlt hat, bekommt diese erstattet. Dafür muss er aber direkt handeln, die vor zehn Jahren gezahlten Gebühren können nur bis zum jeweiligen Datum zurückverlangt werden.

Viele Kreditnehmer fragen sich jetzt, ob auch sie Ansprüche auf Rückzahlungen haben, und was sie dafür tun müssen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Kredite betrifft das Urteil?

Das Urteil betrifft im Prinzip alle privaten Kredite. Es ist ganz gleich, ob damit das Auto finanziert werden sollte, eine Immobilie oder eine neue Küche. Rechtlich betrachtet fallen auch Darlehen für Immobilien wie Häuser oder Wohnungen darunter. Die Laufzeit des Kredits ist nicht von Belang.

Welche Bearbeitungsgebühren betrifft der Richterspruch genau?

Voraussetzung ist, dass die Bank die Art und Höhe der Gebühren festgelegt hat, der Kunde also keinen Einfluss darauf hatte. Die Banken legen solche Gebühren in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis fest. Bisher rechtfertigten die Banken diese Gebühren damit, sie müssten die Bonität des Kreditnehmers prüfen. Mehrere Urteile legten allerdings fest, dass es sich dabei um Interessen der Banken handelt, und nicht des Kunden. Entsprechend müssten die Banken auch die Kosten dafür tragen. Wer unsicher ist, ob er solche Gebühren gezahlt hat, sollte in seinen Kreditunterlagen nach Begriffen wie "Bearbeitungsgebühr" oder "Bearbeitungsentgelt" suchen.

Woran Sie denken sollten, wenn Sie einen Kredit brauchen
Vor Ausbruch der Finanzkrise gaben Banken so gut wie jedem einen Kredit, heute sind sie eher knauserig. Die Vorgaben für die Kreditvergabe, an die sich die Geldinstitute nun strikt halten (müssen), besagen nämlich, dass das geliehene Geld mit einem entsprechenden Prozentsatz Eigenkapital besichert werden muss. Je weniger Eigenkapital der Schuldner hat, desto riskanter ist es für die Bank, ob sie das Darlehen je zurückgezahlt bekommt. Dementsprechend gilt: Je schlechter die Bonität eines Antragsstellers, desto teurer wird der Kredit. Quelle: Fotolia
Völlig egal, ob es sich um einen Unternehmenskredit oder Geld für das neue Auto oder das Häuschen geht: Je ehrlicher der Antragsteller sagt, wofür er das Geld braucht und welche Sicherheiten es gibt und je besser er vorbereitet ist, desto besser sind seine Chancen, das Darlehen auch zu bekommen. Quelle: dpa
Dementsprechend wichtig ist es, dass Kreditnehmer alle ihre Unterlagen beim Gespräch dabei haben und nicht zig Mal entscheidende Papiere nachreichen müssen. Wer gleich mit den Bilanzen der vergangenen drei Jahre oder dem Businessplan zu seiner Bank geht, spart sich nicht nur Rennerei, sondern zeigt auch, wie ernst es ihm mit dem Darlehen ist. Quelle: Fotolia
Grundsätzlich wird jeder, der ein Darlehen beantragt, gründlich unter die Lupe genommen. Je höher der Kredit, desto genauer fällt die Prüfung aus: Zum einen analysiert die Bank die wirtschaftliche Situation des Antragsstellers sowie seine Sicherheiten. Zum anderen ist die Zuverlässigkeit beim Abbezahlen alter Schulden wichtig für eine positive Entscheidung. Handelt es sich um ein Unternehmen, spielt auch die zukünftige Entwicklung in der jeweiligen Branche eine Rolle. Gleiches gilt auch für die Erfolge des Betriebes und die Fluktuationsrate bei Mitarbeitern, Stichwort "Brain Drain". Quelle: Fotolia
Es kommt gerade in einem solchen Gespräch nicht gut an, bei einer Frage nervös herumzustammeln. Bereiten Sie sich im Vorfeld des Gesprächs auf die klassischen Fragen vor: Wofür soll der Kredit sein, wie lange soll er laufen, womit soll er zurückgezahlt werden. Unternehmer sollten auch schlüssige Antworten auf Fragen nach Marktanteilen, Gewinnzone und geplanten Investitionen parat haben. Quelle: Fotolia
Da die Bank auf jeden Fall fragen wird, welche Sicherheiten der Kreditnehmer anbieten kann, sollte man vor dem Gespräch darüber nachdenken, welche Vermögenswerte derzeit verfügbar sind. Und noch viel wichtiger: Welche er auch tatsächlich mit einer Hypothek belegen kann. Es nutzt niemanden etwas, wenn nachher die Eigentumswohnung der Bank gehört oder das gesamte Privatvermögen weg ist. Quelle: Fotolia
Gerade wenn es um hohe Summen geht, beispielsweise für die Anschaffung einer neuen Maschine, kann es ratsam sein, den Steuerberater oder jemand aus dem Unternehmensbeirat (sofern vorhanden), mit zum Gespräch zu nehmen. Natürlich können auch Privatpersonen einen Berater mit zu seiner Bank nehmen. Wichtig ist, dass dieser das Gespräch nicht an sich reißt, sondern nur bei Bedarf seine Meinung äußert. Quelle: Fotolia
Gerade Unternehmer sollten anbieten, auch nach Genehmigung des Darlehens mit der Bank in Kontakt zu bleiben und sie über die aktuellen Entwicklungen der Firma auf dem Laufenden zu halten. Das kann auch bei weiteren Krediten nützlich sein, weil der Betrieb dann kein Unbekannter mehr ist. Ganz wichtig: Nicht nur anbieten, sondern auch wirklich Kontakt halten. Quelle: Fotolia
Besonders kniffelig wird es, wenn der Kredit für ein Unternehmen verwendet werden soll, dass es noch überhaupt nicht gibt. Existenzgründer können selbstverständlich nicht die Bilanzen der letzten drei Jahre vorweisen und haben in der Regel auch noch keine Top-Angestellten, die ständig mit neuen, lukrativen Ideen um die Ecke kommen. Im schlechtesten Fall gibt es noch nicht einmal großartige Sicherheiten. Da heißt es jetzt, richtig überzeugend sein. Die Arbeitsagenturen können Jungunternehmern in einem solchen Fall bei der Erstellung eines Businessplans helfen. Quelle: Fotolia
Zu guter Letzt: Seien Sie vorbereitet, aber lernen Sie Ihre Antworten nicht auswendig. Auch der Bankberater ist ein Mensch und reagiert entsprechend auf eine seltsame Gesprächsatmosphäre. Quelle: Fotolia

Wie streng sind die Fristen?

Die Fristen sind sehr streng. Wer am 10. November 2004 einen Kredit abgeschlossen hat und dafür Gebühren gezahlt hat, kann diese genau bis zum 10. November 2014 zurückverlangen, der BGH hat die Verjährung auf zehn Jahre festgelegt. Diese tagesgenauen Fristen gelten für Kredite, die im November und Dezember 2004 abgeschlossen wurden. Für alle zwischen 2005 und 2011 geschlossenen Verträge gilt der 31.12. dieses Jahres als letztmögliches Klagedatum.

Wie fordere ich die Rückzahlung an?

Grundsätzlich reicht zunächst ein förmliches Schreiben. Das finden Sie unter anderem auf der Internetseite der Stiftung Warentest oder bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Wer kein Geld für den Musterbrief ausgeben will, sollte sich in seinem Anschreiben auf die Urteile des BGH berufen, XI ZR 405/12 und XI ZR 170/13.

Was passiert, wenn die Bank sich weigert?

Will die Bank die Gebühren nicht erstatten, können sich Verbraucher an die jeweiligen Ombudsmänner der Banken oder Sparkassen wenden. Die Schlichtungsstellen bearbeiten die Klagen dann gebührenfrei weiter.

Wann muss ich die Verjährung stoppen?

Kritisch wird es, wenn die Frist für die Verjährung schon in wenigen Tagen ausläuft und die Bank sich noch nicht gemeldet hat. Wer bereits ein Musterschreiben an die Bank gesendet und noch keine Erstattung bekommen hat, oder es noch gar nicht versucht hat, dem rät die Stiftung Warentest, schnellstmöglich die Verjährung zu stoppen. Dafür können Verbraucher entweder selber einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen, einen Rechtsanwalt beauftragen oder den Ombudsmann der jeweiligen Bank einschalten. Allerdings: erkennt die Bank die Forderung sofort an, fallen Anwaltshonorare beziehungsweise Gerichtskosten an.

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Kann man seine Gebühren auch zurückverlangen, wenn der Kredit schon abbezahlt ist?

Ja, sagt der Anwalt der Schutzgemeinschaft der Bankkunden, Wolfgang Benedikt-Jansen. Wegen der ungeklärten Verjährungsfrage gilt jedoch auch hier: Derzeit ist nur auf der sicheren Seite, wer seinen Vertrag ab 2011 geschlossen hat.

Was bedeutet das Urteil für die Banken?

Sie werden sich wohl mit tausenden von Rückforderungen auseinandersetzen müssen - sei es durch direkte Aufforderung der Kunden, sei es in bereits laufenden Gerichtsverfahren. Verbraucherschützer erwarten daher, dass Verbraucher im Zweifel länger auf eine Reaktion der Bank warten müssen. Umso wichtiger ist es, im Zweifel die Verjährung zu stoppen, denn reagiert die Bank bis zur Frist nicht auf das Musterschreiben, gilt die Verjährung noch nicht als "durchbrochen", der Kunde könnte seine Gebühren nicht zurückverlangen.

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