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Verbraucherschutz Was die neue Banken-Transparenz bringt

Seit der Finanzkrise 2008 ringt die Bankenbranche um das Vertrauen ihrer Kunden. Neue Vorschriften sollen Verbrauchern zum Durchblick verhelfen. Wie gut die Medizin anschlägt, ist umstritten.

Kundenberatung bei der Sparkasse in Frankfurt. Seit der Finanzkrise stehen die Banken am Pranger. Beipackzettel, Bankberatung und ein Beschwerderegister der Bafin sollen helfen, das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen. Kritiker zweifeln am Nutzen der Transparenzoffensive. Quelle: dpa

Beratungsprotokoll, Beipackzettel, Beraterregister - Bankkunden sollen bei Geldanlagen und ihren oft komplizierten Konditionen endlich besser durchblicken können. Seit der Finanzkrise 2008 steht Die Branche unter verschärfter Beobachtung.

Verbraucher, die sich gegen Beratungsfehler wehren wollen, bekommen nun ein weiteres Instrument zur Hand: Die Finanzaufsicht Bafin registriert vom 1. November an jede Beschwerde. Häufen sich die Fälle, kann die Behörde Sanktionen verhängen.

Mit einer Reihe strengerer Regeln verordnete die Politik Banken und Sparkassen mehr Transparenz. „Um verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen, müssen die Institute noch konsequenter auf die Bedürfnisse der Anleger, Kreditnehmer oder Versicherten eingehen“, lautet die Zwischenbilanz von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU).

Viele hätten das bereits erkannt. „Bei allen Anbietern hat sich dieses Credo aber noch nicht durchgesetzt.“ Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mahnt, zahlreiche Kunden hätten bis heute nicht das Gefühl, dass Produkte auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten würden. Beispiel Beipackzettel: Seit gut einem Jahr sind Infoblätter Pflicht, die Funktionsweise, Risiken und Kosten von Finanzprodukten kompakt zusammenfassen.

Doch das Ministerium für Verbraucherschutz monierte, dass zu viele nicht so verständlich und vergleichbar sind wie verlangt. In einem gemeinsamen Arbeitskreis wird nun nachgebessert. Auch bei den Beratungsprotokolle besteht noch Nachbesserungsbedarf.

Seit zwei Jahren müssen Banken ein die Beratungsgespräche bei Wertpapiergeschäften protokollieren. Doch zum Teil haben Kunden selbst auf Anfrage kein Beratungsprotokoll ausgestellt bekommen, wie die Verbraucherzentralen in einer Stichprobe ermittelten. Angaben zu Risiken wurden dabei nicht treffend notiert

.Manche Banker stöhnen dagegen wegen immer neuer bürokratischer Vorgaben. Emmerich Müller vom Frankfurter Bankhaus Metzler sagt: „Der Overkill an Informationen macht den Verbraucher nicht glücklicher oder hilft ihm in seiner Entscheidungsfindung.“

Der Vertriebsdruck für Bankberater im umkämpften deutschen Markt ist auch nach Einschätzung von Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre Frankfurt School of Finance & Management, unvermindert hoch. Das neue Melderegister der Bafin verunsichere viele Berater, sagt Faust. „Im Grunde sollen die Banken an den Pranger gestellt werden, aber man fängt beim schwächsten Glied an.“
Grundsätzlich hält Faust das Mehr an Transparenz für Kunden für sinnvoll. Fraglich sei aber, ob die Informationsflut den Verbraucher auch erreiche: „Die breite Masse der Anleger im Privatkundenbereich hat nicht das Know-how und nicht das Interesse, sich damit zu beschäftigen.“

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