Vergessen oder gebunkert Noch 12,9 Milliarden D-Mark im Umlauf

Ob aus Nostalgie, Sammlerleidenschaft oder aus reiner Vergesslichkeit: Mehrere Millionen DM-Scheine und zwei Dutzend Milliarden Mark-Münzen sind noch immer im Umlauf - obwohl die frühere deutschen Währung schon Anfang 2002 dem Euro wich.

Viele Menschen möchten sich aus sentimentalen Gründen nicht von ihren D-Mark Münzen trennen Quelle: dpa

Seit knapp 13 Jahren hat die D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel ausgedient - dennoch horten die Deutschen noch immer Scheine und Münzen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank waren Ende November 2014 noch rund 169 Millionen D-Mark-Scheine und gut 24 Milliarden D-Mark-Münzen im Umlauf. Die Bundesbank betont jedoch: „Die Zahlen zeigen, dass eine große Menge an D-Mark bereits zurückgeflossen ist.“

Allerdings hat das nach wie vor nicht zurückgegebene Bargeld einen durchaus beachtlichen Gesamtwert von 12,9 Milliarden D-Mark (davon 6,1 Mrd. DM in Banknoten) oder umgerechnet 6,6 Milliarden Euro. Damit hortet rein rechnerisch jeder der fast 81 Millionen Menschen in Deutschland alte Scheine und Münzen im Wert von 160 D-Mark.

Vor allem von den Münzen wollen sich die Menschen nicht trennen: Bezogen auf den Wert des D-Mark-Bargelds zur Euro-Bargeldumstellung Ende 2001 befanden sich im November 2013 zwar nur noch rund vier Prozent der Banknoten im Umlauf - dagegen wurden 55 Prozent der Münzen bis heute nicht umgetauscht.

Welche Geldsünden Deutsche am meisten bereuen
Platz 5:Geld auf einem schlecht verzinsten Sparbuch oder Tagesgeldkonto liegen gelassen? Da kann man es auch gleich unter die Matratze oder in den Sparstrumpf stecken. Im Durchschnitt bereuen 8,9 Prozent der Befragten solche Schludereien. Vor allem Männer "vergessen" ihr Geld: 10,6 Prozent gaben an, ungenutzte Zinschancen zu bereuen. Bei Frauen waren es nur 6,9 Prozent, die sich nicht darum gekümmert hatten. Datenquelle: Die GfK-Marktforschung hat im Auftrag der Gothaer Versicherung über 1000 Menschen gefragt, was die Deutschen als ihre größten Sünden im Jahr 2013 betrachten. Quelle: dpa
Platz 4:Wird die Rente später reichen? Dafür muss man schon privat vorsorgen. 13,1 Prozent der Deutschen plagen sich mit Selbstvorwürfen, im vergangenen Jahr zu wenig für die eigene Altersvorsorge getan zu haben. Frauen und Männer liegen bei dieser Sorge fast gleich auf. Dieser Punkt wurde auch genauer nach Berufsgruppen aufgeschlüsselt. Demnach sind Selbstständige bei der verpennten Altersvorsorge mit 19,5 Prozent ganz vorne dabei, dicht gefolgt von Arbeitern (19,2 Prozent). Beamte sorgten sich am wenigsten darum, zu wenig für das Alter getan zu haben (10,1 Prozent). Quelle: dpa
Platz 3:Immer wieder saftige Preiserhöhungen - beim Wechsel des Strom- oder Gasanbieters lässt sich bares Geld sparen. Dass sie einfach zu faul waren, solche Chancen zu nutzen, bereuen im Nachhinein 14,8 Prozent der Befragten. Frauen fuchst das allerdings weniger (10,8 Prozent) als Männer (18,0 Prozent). Quelle: AP
Platz 2:Rauscht das Konto in die roten Zahlen, fallen deftige Überziehungszinsen an. Grund genug, sich über die mangelnde Selbstkontrolle zu ärgern ist das für 17,7 Prozent der Befragten. Männer ärgern sich häufiger darüber, dass sie ihr Konto überzogen haben (18,4 Prozent, Frauen: 16,8 Prozent). Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz 1:Das 40. Paar Schuhe, dekadente Restaurant-Besuche, ein Urlaub, der eigentlich zu teuer war - darüber ärgern sich die Deutschen am meisten. Im Schnitt ärgern sich 27,3 Prozent der Befragten im Nachhinein über diese Ausgaben. Vor allem Frauen bereiten Shopping-Exzesse und Co. Sorgen (28,4 Prozent), bei Männern ist der Anteil etwas geringer (26,3 Prozent). Quelle: Reuters

Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank möchten sich die meisten Menschen aus sentimentalen Gründen nicht von den alten Münzen und Banknoten trennen: 74 Prozent der Befragten halten das ausgediente Bargeld demnach als Erinnerungsstück in Ehre, 24 Prozent sammeln es als Wertanlage. Und 22 Prozent der Deutschen haben schlicht vergessen, die alte Währung umzutauschen.

Die Deutsche Bundesbank kann das nicht definitiv bestätigen: „Wir können nur Vermutungen anstellen. Sicherlich spielt auch das Sammlermotiv oder das schlichte Vergessen beziehungsweise der Verlust des deponierten D-Mark-Bargeldes eine große Rolle.“

Denn immer wieder tauchen DM-Banknoten per Zufall auf, wie die Bundesbank berichtet. So konnten Erben ihr Glück kaum fassen, als sie im Kohlenkeller der geerbten Immobilie auf D-Mark-Bargeld stießen. Ebenfalls lange Zeit gut versteckt waren die Scheine, die bei einer Sanierung des Badezimmers auftauchten, als die Badewanne entfernt wurde.

Für Sammlerleidenschaft oder Nostalgie spricht, dass bei den Banknoten insbesondere die kleinen Stückelungen noch im Umlauf sind: Gut 17 Prozent der 10-Mark-Scheine und mehr als die Hälfte der Fünfer (51 Prozent). Und für Münzen gilt: Gerade jene mit einem Nennwert von 10 Pfennig und darunter würden wahrscheinlich wegen ihres geringen Wertes nicht umgetauscht oder seien unwiederbringlich verloren gegangen. Zudem vermutet die Notenbank Gedenkmünzen in Sammlerhänden.

Größere Mengen Bares dürften nach Schätzung der Bundesbank aber auch im Ausland verschollen sein. Vor allem im damaligen Jugoslawien sowie seinen Nachfolgestaaten und in anderen Teilen Osteuropas sei die deutsche Währung zum Teil als Zweitwährung verwendet worden. Zudem sei die D-Mark weltweit als Transaktions- und Wertaufbewahrungsmittel genutzt worden.

Die Bundesbank wechselt das alte Geld weiterhin und unbefristet kostenlos in Euro - entweder direkt in einer ihrer Filialen oder - in Ausnahmefällen - postalisch über die Filiale Mainz. Der Versand geschieht allerdings auf Risiko des Kunden.

Von Januar bis November 2014 wurde vom Umtausch-Angebot gut 188.000 Mal Gebrauch gemacht - 818 Mal pro Geschäftstag. Dabei wurden Scheine und Münzen im Wert von 101,9 Millionen D-Mark (52,1 Mio. Euro) aus dem Verkehr gezogen - pro Geschäft gingen bei der Bundesbank im Schnitt etwa 542 D-Mark ein.

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