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Verkehrte (Finanz-)Welt

Vom Kapitalismus zum Dataismus: Was Anleger beachten müssen

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An der Schwelle zum Dataismus

Doch nicht nur die Abschätzung technologischer Entwicklungen und zukünftiger Bedürfnisse der Konsumenten ist eine Herausforderung. Für neuartige Geschäftsmodelle müssen bestehende Bewertungsmethoden überarbeitet werden. Wenn die Wertschöpfung eines Unternehmens daraus besteht, die eigentliche Dienstleistung – zum Beispiel soziales Netzwerken – auf den ersten Blick unentgeltlich anzubieten, über die Nutzung der Daten bzw. die Bezahlung durch Werbepartner aber enorme Einnahmen zu erzielen, kann man mit herkömmlichen Ansätzen, die sich beispielsweise auf Industrie, Handel oder Finanzen fokussieren, nicht adäquat analysieren.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht bedeutet die Digitalisierung die Möglichkeit eines enormen Produktivitätsschubs, der mit der Entwicklung der industriellen Revolution vergleichbar ist. Dadurch könnten die seit Jahren fallenden Wachstumspotenziale sowohl der entwickelten Industrienationen als auch der Schwellenländer nach oben verschoben werden. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob wir bisher wichtige volkswirtschaftliche Kennziffern, wie Wachstum, Inflation oder Produktivität heute überhaupt noch richtig rechnen und inwiefern sich gewohnte Zusammenhänge verschieben.

Bis vor wenigen Jahren schien beispielsweise der Zusammenhang zwischen niedriger Arbeitslosigkeit, steigenden Löhnen und daraus resultierend steigender Inflation noch unumstößlich. Dass die in Deutschland und den USA aktuell nahezu erreichte Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt bisher nur zu verhältnismäßig geringen Lohnsteigerungen geführt hat, liegt möglicherweise auch daran, dass zunehmend digitalisierte Volkswirtschaften anders funktionieren.

Der wichtigste Rohstoff der digitalisierten Zukunft wird nicht wie in den vergangenen Jahrhunderten Grund und Boden, menschliche Arbeitskraft oder Kapital sein. Schon heute sind Daten der eigentlich wesentliche Produktionsfaktor. Denn sie sind branchenübergreifend und in jeder Hinsicht zur Optimierung der Dienstleistungs- und Produktionsprozesse notwendig (zum Beispiel zur Optimierung von Transport- und Wartezeiten im Logistiksektor, zur Eruierung von Anlagestrategien im Finanzbereich, zum automatisierten Erkennen von Markierungen und Hindernissen im Straßenverkehr etc.). Wir stehen an der Schwelle vom Kapitalismus zum Dataismus.

Aktives Portfoliomanagement gewinnt an Bedeutung

Die digitale Zukunft verändert bereits jetzt nahezu jeden Winkel unseres Lebens – auch die Kapitalanlage. Und, ähnlich wie beim iPhone, haben wir möglicherweise heute noch keine Vorstellung davon, was in zehn Jahren als unverzichtbares Produkt oder selbstverständliche Dienstleistung gelten wird. Das macht es Analysten und Anlegern schwer, bietet aber auch attraktive neue Investmentmöglichkeiten. Das aktive Management von Aktienportfolien gewinnt in Zeiten extremen Wandels an Bedeutung. Voraussetzung dafür ist jedoch eine vorab klar definierte Anlagestrategie inklusive einer stringenten Systematik zur Begrenzung von Verlusten. Denn ohne zwischenzeitliche Übertreibungen und darauf folgende Enttäuschungen wird auch dieser technologische Wandel nicht von statten gehen.

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