Verkehrte (Finanz-)Welt

Riskante Wette auf sinkende Kurse

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Gehebelt schneller in den Abgrund

Abgesehen von Short-Aktien-ETFs gibt es noch jede Menge anderer Produkte, die auf fallende Kurse setzen. Gerade bei ETNs und ETCs finden sich inverse Strukturen auf Gold, Silber, Erdöl, Erdgas, Industriemetalle, aber auch gerne Währungspaare wie Euro-Dollar oder Dollar-Yen sowie Staatsanleihen-Indizes. Ihre Zahl ist in die Hunderte gestiegen. Doppelte, dreifache oder bis zu fünffache Hebel sind nicht ungewöhnlich. Statt Short-ETF erhalten diese mehrfach gehebelten Produkte dann Bezeichnungen wie Supershort, Ultrashort oder 5-fach-Short.

Inverse Produkte setzen also auf fallende Kurse des Referenzwertes. So weit so gut. Dass viele dieser Produkte tatsächlich mit einem Hebel angeboten werden, erstaunt. Denn gehebelt profitiert man bei inversen Anleihekupons und inversen ETPs nicht nur überproportional von fallenden Kursen, sondern kann sich bei steigenden Referenzwerten auch ganz rasant ins Abseits schießen.

Erst im Februar dieses Jahres erlangte eine Inverse Floater Exchange Traded Note der Credit Suisse auf den Volatilitätsindex VIX traurige Berühmtheit. Denn nach einem plötzlichen Anstieg der Volatilität sank der Wert des Produkts über Nacht um 92 Prozent. Der Handel in der Anleihe, die am Tag zuvor noch gigantische 1,6 Milliarden US-Dollar groß war, wurde daraufhin eingestellt. Der Wert dieser Exchange Traded Note hatte sich in den Jahren davor zwar mehrfach verdoppelt. Dennoch, am Ende ging die Fahrt sehr rasant in den Keller.

Bei Short-, Ultrashort- und Megashort-ETFs und -ETNs mag der schnelle Gewinn, die Spekulation im Vordergrund stehen. Inverse Anleihen hingegen locken mit scheinbar langfristigen, hohen Kupons. Denn der hohe Fixkupon, der zu Beginn der Zinsformel geschrieben steht, sticht ins Auge. Dass dahinter noch ein Faktor kommt, der vom attraktiven Fixkupon abgezogen wird, vergessen Anleger gerne. Denn eine abstrakte Formel oder die Referenz auf irgendeinen Index wird kognitiv anders verarbeitet und erhält nicht den Stellenwert einer schlichten Zahl wie etwa 3,5 Prozent. Gemeinsam haben inverse Anleihen und inverse ETPs, dass sie alles andere als einfache Anlagen sind. Sie sind riskant, ihr Wert kann jederzeit auch sinken, je gehebelter, je schneller.

Wissen, worauf man sich einlässt

Am Ende bleiben Short- oder Inverse-Anlageformen trotzdem eine spannende Sache. Schließlich ermöglichen sie es Anlegern, auch von fallenden Märkten zu profitieren. Wir müssen uns als Anleger aber – wie immer – klarmachen, worauf wir uns mit ihnen einlassen und die korrespondierenden Risiken mit in unsere Anlageentscheidung einfließen lassen.

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