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Verkehrte (Finanz-)welt
Dokumente, ein Laptop und ein Cloud-Symbol Quelle: Fotolia

Keine Angst vor der digitalen Identität

Geldgeschäfte sind Vertrauenssache: Für Online-Bank- und Börsengeschäfte ist eine zweifelsfreie Identifizierung des Kunden erforderlich - am besten ebenfalls online. Wie das komfortabel ginge, welche Vorteile das hätte.

Kennen Sie das? Sie möchten ein neues Konto eröffnen, geben die Daten auf der Homepage der Bank ein – und müssen dann erst einmal nachweisen, dass Sie auch sind, wer Sie behaupten zu sein. Oft heißt das, persönlich mit Ausweisdokumenten in einer Filiale erscheinen. Alternativ gibt es inzwischen auch zunehmend Post- oder Video-Ident-Verfahren, aber auch die kosten Zeit und Nerven. In einigen Ländern muss auch eine aktuelle „Utility Bill“, also etwa die Strom-, Gas- oder Telefonrechnung beigefügt werden.

Freilich hat das alles seine Berechtigung: Anders als beispielsweise der Einzelhandel (auch online) sind Finanzgeschäfte wesentlich schärfer reguliert. Banken sind zum sogenannten „KYC – Know your customer“ verpflichtet, unter anderem, um Geldwäsche und kriminellen Aktivitäten vorzubeugen. Warum Banken hierauf immer mehr Wert legen müssen (und sollten), zeigt sich nicht zuletzt am aktuellen Beispiel der Deutschen Bank als Korrespondenzbank der Danske Bank. Durch die Identverfahren wird aber auch ein Medienbruch erzeugt, der in der heutigen vernetzten Welt eher unüblich ist.

Online-Identität spart Aufwand

Es könnte jedoch Ansätze geben, die dieses Problem in Zukunft lösen und Anbietern wie auch Kunden das Verfahren erleichtern. Das Ziel dieser Lösungen wäre, Finanzdienstleistungen und andere ausweispflichtige Vorgänge so einfach wie einen Kauf in einem Online-Shop zu gestalten. Den Kern bildet eine (einmalig zu erstellende) Online-Identität, über die man sicher verfügen könnte und die von einer offiziellen Regulierungsbehörde für einen Kontoeröffnungs- oder Zeichnungsprozess freigegeben wäre.

In der Praxis sähe das dann so aus: Nach einmaliger Hinterlegung der persönlichen Daten in besagter Online-Identität, könnten Kunden bei Eröffnung eines Kontos eben diese Daten im Anmeldeprozess freigeben und die Bank könnte direkt, ohne umständliches Post- oder Video-Ident das Konto eröffnen. Kunden erspart das den Stress, zu einer Filiale zu gehen, und die Bank hat nicht unerhebliche Kosten gespart, um den gesetzlichen Auflagen zu genügen.

Was wird mit dieser neuen Technologie möglich?

Vorerst gehen die Wechselkosten für die bekannten Vorgänge (Eröffnung Girokonto, Broker etc.) für Anbieter und Verbraucher runter. Im nächsten Schritt eröffnen sich aber weitere Möglichkeiten: Nehmen wir an, ein Privatkunde möchte eine Immobilie auf den Kanarischen Inseln erwerben, dafür einen lokalen Anwalt für die Prüfung, einen Notar für den Erwerb sowie einen Steuerberater für die Buchhaltung vor Ort beauftragen und die Miete bei einer spanischen Bank vereinnahmen. Bei dem Kaufvorgang, der Konteneröffnung und auch beim Steuerberater muss man sich ausweisen. Zusätzlich zu den Kosten und dem persönlichen Aufwand muss also eine Reise nach Spanien mit eingeplant werden (oder auch mehrere). Mit einer Online-Identifikation dagegen könnten dieser Kauf und die folgende Verwaltung komplett online abgeschlossen werden, wollte man partout auf das Mittelmeerklima verzichten.

Ist das nicht gefährlich?

Klar ist: Es gibt keine risikofreien Anwendungen – schon gar nicht im Internet. In der Vergangenheit wurden bereits hochsichere Server von Kreditkartenunternehmen gehackt und Datenskandale irgendeiner Form gehören heute fast schon zum Alltag. Allerdings: Durch mehrstufige Authentifizierungsverfahren und den immer größeren Einsatz künstlicher Intelligenz wird eine Überwindung der Sicherheitsmaßnahmen zunehmend unwahrscheinlicher. Als Endkunde sieht man dies, wenn man sich von einem anderen Gerät in einen Online-Account einwählt und sofort eine Benachrichtigung per E-Mail darüber erhält oder zusätzlich einen per SMS zugestellten Sicherheitscode eingeben muss. Ebenso wenn die Kreditkarte bei einem ungewöhnlichen Kauf gesperrt wird, und so weiter. Online-Identitäten können zudem auch – wie bei der Passkontrolle am Flughafen – mit biometrischen Daten gesichert werden. 

Grenzübergreifender Komfort – auch bei den Finanzen

Internet und Digitalisierung haben uns völlig neue Dienste und Möglichkeiten eröffnet. So gab es zwar schon vor dem Internet Ferienwohnungen, die telefonisch buchbar waren. Aber ein Geschäftsmodell, mit dem man auf einem anderen Kontinent Ferienwohnungen besichtigen, die Bewertung der vorherigen Gäste lesen, das Zimmer verbindlich buchen und die Zahlungen abwickeln kann, ist ein Beitrag des Internets. Ebenso, wie die Möglichkeit, per Smartphone in vollkommen fremden Städten ein Taxi oder einen privaten Limousinen-Service zu rufen. Kurz gesagt: In vielen Lebensbereichen sind wir einen sehr hohen Grad an überregionalem Komfort längst gewöhnt.

Mit einer digitalen Identität wäre eine solch wesentliche überregionale Entwicklung der Angebote auch in der Finanzdienstleistung erreichbar. Aber wie bei jeder technischen Weiterentwicklung werden Angebote nur dann wahrgenommen, wenn sie einen gewissen Komfortgewinn für den Endverbraucher mitbringen. In Zukunft könnte man beispielsweise seinen Broker weltweit aussuchen, sich auch im Ausland ganz bequem von daheim aus für den Kauf von Assets oder die Anlage in lokale Fonds identifizieren, mit einem stark verringerten Aufwand. Es wird spannend zu sehen, welche Geschäftsmodelle von Banken und FinTech-Unternehmen unter diesen veränderten Voraussetzungen noch geschaffen werden.

Die wesentliche – häufig unterschätzte – Hürde, wird jedoch ein einheitlicher regulatorischer Standard über mehrere Jurisdiktionen hinweg sein. Wir haben schon bei SEPA und PSD2 (der „Payment Services Directive“) gesehen, wie lange eine Umsetzung neuer grenzübergreifender Standards dauern kann. Die Unternehmen, die an Online-Ident-Lösungen arbeiten, sind daher sicher gut beraten, erst einmal die möglichen Anwendungen in nur einer Region zu testen.

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