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Verkehrte (Finanz-)welt
Rentendepot: So sichern Sie sich jetzt ab Quelle: imago images

Rentendepots rechtzeitig absichern

Mit Rentenfonds profitierten Anleger zuletzt nicht nur von Zinserträgen, sondern vor allem von den erheblichen Kursgewinnen der Anleihen. Steigende Zinsen könnten das bald ändern.

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Kaum Zinserträge bei Sparbüchern und Tagesgeldkonten der Banken und Sparkassen – daran haben sich die meisten Anleger mittlerweile gewöhnt. Doch es gab auch Nutznießer des nunmehr über 30 Jahre andauernden Rückgangs der Kapitalmarktzinsen: Anleger von Rentenfonds.

Diese profitierten nämlich neben den jährlich auflaufenden Zinserträgen von teils erheblichen Kursgewinnen der in den Fonds enthaltenen Wertpapiere. Nun aber könnte sich die schöne Party langsam ihrem Ende nähern.

Denn irgendwann werden die Kapitalmarktzinsen im Zuge der wirtschaftlichen Erholung wieder steigen. Und dann reichen die aktuell noch niedrigen Zinseinnahmen nicht mehr, um die fallenden Anleihekurse zu kompensieren. So sind etwa die Renditen von Bundesanleihen in den vergangenen Jahren immer wieder in den negativen Bereich gesunken. Nur längere Laufzeiten von mitunter über zehn Jahren haben noch einen minimal positiven Ertrag gebracht. Die als eher sicherer Hafen geltenden Rentenfonds werden also mit großer Wahrscheinlichkeit Kursrückgänge verzeichnen. Sind für Anleger nun Verluste vorprogrammiert?

Lutz Röhmeyer, CFA, ist engagiertes Mitglied der CFA Society Germany und geschäftsführender Portfoliomanager bei der Capitulum Asset Management GmbH. Quelle: PR

Lange Laufzeiten meiden

Natürlich kommt ein Umfeld steigender Zinsen für die Kapitalmarktexperten nicht ganz überraschend. Trotzdem gehen die Meinungen über den Zeitpunkt und den Umfang der Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), mit denen sie den Zins treiben könnte, seit Jahren recht weit auseinander. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Entscheidung der EZB, die Anleihekäufe noch in diesem Jahr beenden zu wollen.

Eines steht jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit fest: Der nächste Trend wird wieder steigende Zinsen mit sich bringen. Spätestens dann sollten die Fondsmanager, die in ihren Fonds die Freiheiten dazu haben, die sogenannte Zinssensitivität, auch Duration genannt, deutlich reduziert haben. Übersetzt bedeutet das, dass Anleihen mit langen Restlaufzeiten entweder aus den Portfolien verbannt oder aber zumindest über Derivate abgesichert werden. Damit kann man sich zumindest vor drohenden Kursverlusten abschirmen. Doch müssen Anleger dabei auch komplett auf Erträge verzichten?

Bonitätsaufschläge machen den Unterschied

Jede am Markt notierte Anleihe bietet neben dem für ihre Laufzeit entsprechenden Kapitalmarktzins noch einen Aufschlag für das Risiko, falls der Emittent des Papiers in Schwierigkeiten gerät und vereinbarte Zahlungen nicht mehr leisten kann. Dieser sogenannte Bonitätsaufschlag wird maßgeblich durch das Rating des Schuldners bestimmt, welches wiederum von Ratingagenturen vergeben wird. Je schlechter das Rating, desto höher der Bonitätsaufschlag und damit die Rendite der Anleihe.
Für die meisten Anleger ist es jedoch nur bedingt sinnvoll, einzelne Anleihen im Rahmen ihrer privaten Geldanlage zu erwerben. Auch hier bietet sich ein solches Investment vielmehr über die extrem breite Streuung an, die ein Fonds mitbringt. Somit kann man kontinuierlich die Bonitätsaufschläge vereinnahmen, während man auf der anderen Seite weitestgehend gegen Kursverluste bei steigenden Kapitalmarktzinsen abgesichert ist.

Risiken nicht außer Acht lassen

Nun ist leider auch hier die Realität nicht ganz so einfach wie die Theorie. In dem guten wirtschaftlichen Umfeld, das nicht nur die Aktienmärkte berechtigt steigen ließ, sind auch die zu erzielenden Bonitätsaufschläge am Anleihemarkt bereits sehr beachtlich geschrumpft. Keinesfalls sollte man sich außerdem als Anleger dazu hinreißen lassen, Risiken einzugehen, die nicht mehr im Einklang mit der eigenen Anlegermentalität stehen, nur um noch vermeintlich attraktive Renditen zu erzielen.

Kapitalmarktprofis – wie etwa Fondsmanager – wissen die Risiken der einzelnen Anlagen recht gut einzuschätzen. Sollte man sich für ein Investment in einen Rentenfonds entscheiden, ist es wiederum sehr ratsam, sich die Fondsmanager unter anderem dahingehend anzuschauen, ob ihre Fonds ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis im Sinne der eigenen Anlagementalität aufweisen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dabei diejenigen auch in zukünftig schwierigeren Phasen ein gutes Händchen haben werden, die dieses auch schon in der Vergangenheit bewiesen haben.

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