Verkehrte (Finanz-)Welt
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Warum sich nachhaltiges Investieren lohnt

Auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach ethischen Geldanlagen. Die sind nicht nur öko: Nachhaltige Fonds sind oft teurer, punkten aber mit hohen Renditen, geringen Schwankungen und niedrigen Ausfallraten.

Bei der nachhaltigen Geldanlage sind viele Anleger noch immer misstrauisch. Sie denken dabei an das Graben von Brunnen oder den Bau von Schulen irgendwo im hintersten Winkel unserer Welt. Wie soll damit jemand Geld verdienen können? Dabei beschäftigt sich das sogenannte „Impact Investing“ (zu deutsch: wirkungsorientiertes Investieren) zwar mit Projekten und Unternehmen, die einen sozialen Mehrwert liefern, aber im Unterschied zur reinen Wohltätigkeit sollen die gewählten Projekte auch eine positive Rendite abwerfen. Diese beiden scheinbar konträren Dinge - Gutes tun und gleichzeitig Geld verdienen - versuchen Investoren im Rahmen des Impact Investings zu vereinen.

Traumhafte Zuwachsraten

Impact Investing ist auf dem Vormarsch. Denn die Nachfrage nach ethischen Geldanlagen steigt vor allem in der jüngeren Generation, und so greifen immer mehr Fonds und ETFs dieses Konzept auf. Gemäß der „Annual Impact Investor Survey 2018“ des Global Impact Investing Networks hatten die internationalen Befragten (hauptsächlich Fondsgesellschaften und Stiftungen) im Jahr 2017 mehr als 228 Milliarden US-Dollar nachhaltig angelegt, mit durchschnittlichen jährlichen Zuwachsraten des verwalteten Vermögens von 13 Prozent über die vergangenen fünf Jahre. Von so viel Nachfrage kann manch andere Assetklasse nur träumen.

Martina Bahl

In Deutschland ist der Markt für „Wirkungsorientiertes Investieren“ (WI), wie es hierzulande auch genannt wird, noch deutlich kleiner. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung kam Deutschland in diesem Segment Ende 2015 auf 70 Millionen Euro investierbaren Vermögens. Allerdings hatte sich der Markt damit binnen drei Jahren seit 2012 verdreifacht und zeigte, so Bertelsmann, weiterhin starke Wachstumstendenzen. Auch hierzulande ist also Schwung im Markt für nachhaltige Geldanlagen.

Von Klimaschutz bis Inklusion

Die Themen, die Anleger im Rahmen des Impact Investings unterstützen, sind vielfältig. Zudem müssen die Investitionen nicht zwangsweise in Entwicklungsländern erfolgen, sondern können ebenso vor unserer Haustür zum Wohle der Gesellschaft beitragen. Die Bandbreite möglicher Projekte ist dabei groß, von der Mikrofinanzierung über bezahlbaren Wohnraum, Medizin- und Gesundheitsthemen, neue Technologien, Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeitsprojekte in der Landwirtschaft oder im Konsum, Inklusion, Bildung, Unternehmensgründungen für Randgruppen, und vieles mehr.

Investitionen in solide Unternehmen

Die Unternehmen, in die entweder über Eigenkapital oder in Form von Krediten und Anleihen investiert wird, sollten dabei ein solides Geschäftsmodell aufweisen sowie die realistische Chance auf Gewinne. Meist handelt es sich um bereits etablierte Unternehmen, denn schließlich geht es beim Impact Investing nach wie vor um die Geldanlage und nicht um reine Wohltätigkeit. Zwei Drittel der in der Studie des Global Impact Investing Networks befragten Fonds verfolgten risikoadjustierte, über dem Markt liegende Erträge. Weitere 20 Prozent der Fonds hatten einen Ertrag ähnlich zum Gesamtmarkt als Ziel, lediglich 16 Prozent den reinen Kapitalerhalt als Mindestziel. Letztere Fonds werden großteils von wohltätigen Stiftungen und Organisationen betreut. 

Im Schnitt erzielten Impact Fonds seit ihrer Auflage 5,8 Prozent jährliche Rendite, allerdings mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Fonds. Etwas besser schnitten jene Fonds ab, die hauptsächlich Investitionen in Entwicklungsländern tätigten. Verglichen mit herkömmlichen Fonds müssen sich Impact Investing Fonds also nicht verstecken.

Aufwand in der Recherche

Impact Investing ist jedoch für den Fondsmanager eine komplexe und zeitraubende Angelegenheit. Schließlich müssen die passenden Projekte erst mühsam gefunden und analysiert werden. Da zudem kaum ein Projekt dem anderen gleicht und oft ganz spezielle Themen oder Forschungen im Fokus stehen, kann es von der Planung bis zum tatsächlichen Investment lange dauern. Entsprechend hoch sind die Kosten, die für die Verwaltung, den Handel und die Abwicklung anfallen. Die sogenannte Expense Ratio ist mit durchschnittlich drei Prozent deshalb verhältnismäßig hoch, was auf die Wertentwicklung drückt.

Renditebringer und Problemlöser in einem

Auch für die Anleger bedeutet Impact Investing einen großen Zeitaufwand in der Recherche. Schließlich hat jeder Fonds unterschiedliche Schwerpunkte bei Themen und Produkten, dem Gewicht einzelner Investitionen und damit der Risikostreuung, den Märkten, Währungen, Absicherungsstrategien, der Liquidität und Handelbarkeit. Und schlussendlich gehen auch die Definitionen von Impact Investing bei den Fonds oft weit auseinander. Das macht es schwierig, den individuell passenden Fonds zu finden.
Diese Komplexität dürfte auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Zumindest so lange sich Fonds auf individuelles Stock Picking und die Veranlagung in einzelne Projekte verlassen müssen. Einfacher könnte es werden, sobald Indexanbieter eigene Impact Investing Indizes kreieren, die von ETFs (Exchange Traded Funds) nachgebildet werden können. Da die meisten Projekte und Unternehmen, in die heute investiert wird, nicht öffentlich gelistet sind, ist das bisher kaum möglich.

Was Anleger brauchen

Was könnte man also tun, um Impact Investing in Deutschland zu fördern? Nun, einerseits fehlt es dieser schönen Idee noch an Bekanntheit. Erst sehr wenige Anleger haben davon gehört. Dafür ist mehr Information nötig, idealerweise über Multiplikatoren wie Anlageberater, aber auch Medien und Bildungseinrichtungen. Gleichzeitig müssten sich die Anbieter zusammenschließen, um gemeinsam einheitliche Prinzipien und Leitlinien festzulegen und damit mehr Vertrauen für Impact Investing Produkte zu schaffen.
Am Ende kommt es aber wohl auch auf die praktische Seite an. Ein Fonds kann noch so ideale Ziele verfolgen – wenn Anleger den Fonds nur über komplizierte und teure Umwege handeln können oder steuerliche Nachteile daraus haben, werden sie sich wahrscheinlich für andere Produkte entscheiden.

Wer dennoch zum „Impact Investor“ wird, dürfte allerdings belohnt werden: Impact Portfolien weisen eine vergleichsweise geringe Volatilität und niedrige Ausfallraten ( 0,7 Prozent) auf. Und das gute Gefühl, am Ende nicht nur für sich selbst sondern auch für andere etwas Gutes getan zu haben: unbezahlbar.

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