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Verkehrte (Finanz)welt
Quelle: dpa

Das „S“ in ESG: Die (soziale) Chance für Unternehmen und Investoren

ESG ist ein Trend. Das allgemeine Bewusstsein für Umweltaspekte („E“) stieg zuletzt rasant. Doch wie sieht es mit sozialen Faktoren („S“) aus? Können sich Unternehmen darüber profilieren und Anleger davon profitieren?

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Die Covid-19-Pandemie offenbarte, dass der Erfolg von Unternehmen gerade in volatilen Wirtschaftsphasen nicht auf der alleinigen Beachtung von Aktionärsinteressen basieren kann. Entscheidend ist hingegen die Berücksichtigung unterschiedlicher Anspruchsgruppen (Stakeholder). Diese Erkenntnis stellt per se kein Novum dar, jedoch gewinnt unternehmerische Sozialverantwortung in ihrer Tragweite zunehmend an Bedeutung. Dabei beschreibt das „S“ (die „soziale Säule“ in ESG) die Fähigkeit eines Unternehmens, Vertrauen und Loyalität zu schaffen – etwa bei Kunden, Lieferanten und insbesondere bei den eigenen Mitarbeitenden.

In der Bewältigung der Covid-Krise zeigte sich in den vergangenen 20 Monaten: Eine flexible Belegschaft (man denke allein an das Thema „Homeoffice“) sowie vertrauensvolle Lieferantenbeziehungen und ein loyaler Kundenstamm avancierten zu Differenzierungsfaktoren. Die Qualität der Arbeitsbedingungen, das Ansehen in der Gemeinschaft und das Schützen von Menschenrechten sind wichtige (soziale) Werte für die Marktteilnehmer. Allerdings verfügen bislang nur wenige Unternehmen über valide Daten, um ihre sozial-orientierten Maßnahmen zu messen.

Sozial-orientierte Berichterstattung aus Sicht der Unternehmen

Bislang mangelte die Berichterstattung zu sozialen Faktoren vornehmlich an der fehlenden Einheitlichkeit von Berichtskonzepten. Entsprechende Standards (zum Beispiel GRI oder SASB) verbreiten sich langsam und sind meist oberflächlich.



Hinzu kommt, dass sich soziale Indikatoren – im Gegensatz etwa zu Kohlenstoffemissionen, Müllaufkommen oder dem Nutzungsgrad erneuerbarer Energien – nur schwer quantifizieren lassen.

Die Bandbreite sozialer Faktoren umfasst mehrere Gebiete und Gestaltungsdimensionen. Angefangen mit dem Verbraucherschutz über Arbeitsrecht und Arbeitssicherheit, der Bekämpfung von Korruption bis hin zur Einhaltung der Menschenrechte in der gesamten Lieferkette.

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    Diejenigen Unternehmen, die sozial-orientierte Kontroll- und Berichtssysteme bereits einsetzen, versprechen sich davon Wettbewerbsvorteile. Entsprechende Steuerungsmodelle werden vornehmlich genutzt, um Transparenz herzustellen, die intern und extern kommuniziert werden kann. Unternehmen erhoffen sich davon auch Effekte auf übergeordnete Zielgrößen, etwa ihre Performance und die Absicherung finanzieller Risiken. Markante Ansatzpunkte zur Modellierung sozialer Faktoren in Unternehmen finden sich dafür bereits, zum Beispiel wenn es darum geht, physischen oder psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen am Arbeitsplatz vorzubeugen.

    Die Perspektive der Anleger

    Sollten Anleger daher verstärkt auf Titel setzen, die die skizzierten Kriterien berücksichtigen – und dürfen sie von positiven Auswirkungen auf die Portfolio-Rendite ausgehen? Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass Zufriedenheit, Zuspruch und Loyalität der Stakeholder auch ein Teilaspekt zur Optimierung der Börsenperformance sein können. Empirische Evidenz liefert beispielsweise eine Studie der Universität Mailand, die den Einfluss der Umsetzung von ESG-Maßnahmen auf das unternehmerische Risikoprofil im Zeitraum 2002 bis 2016 untersuchte. Befragt wurden, sektorübergreifend, 1063 Unternehmen aus 18 Ländern. Die Studienergebnisse deuteten bei der erfolgreichen Umsetzung von ESG-Aktivitäten insbesondere im Bereich „S“ – im Gegensatz zu „E“ und „G“ – auf ein statistisch relevantes, geringeres Risiko im Bereich der finanziellen Performance dieser Unternehmen hin.

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    Ausblick: Die Implementierung integrierter Berichtskonzepte zur Steuerung sozialer Aktivitäten stellt keinen unternehmerischen Selbstzweck da. Im Gegenteil: Das Vorleben unternehmerischer Sozialverantwortung steigert die Attraktivität für alle beteiligten Stakeholder, mitunter den Investoren. Um die „soziale Chance“ zu nutzen, sollten Anleger daher verstärkt einen Blick auf das „S“ in der ESG-Agenda und verwandter Berichterstattung eines Unternehmens werfen, um ihr Portfolio nicht nur nachhaltiger, sondern auch krisenfester aufzustellen.

    Mehr zum Thema: Künftig sollen kleinere Unternehmen beweisen, wie nachhaltig sie arbeiten. „Green Washing“ soll so besser aufgedeckt werden. Angst vor der grünen Bürokratie.

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