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Verkehrte (Finanz)welt
Quelle: imago images

ETFs: Anleger sollten Liquidität im Blick haben

ETFs sind eine Wachstumsstory – nicht zuletzt wegen ihrer flexiblen Handelbarkeit an der Börse. Dafür spielen Angebot und Nachfrage nur eine indirekte Rolle: Entscheidend sind sogenannte „Market Maker“.

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An der Börse kommt der Preis durch Angebot und Nachfrage zustande. Lassen Sie uns daher einen Blick darauf werfen, woraus Angebot und Nachfrage bestehen: Die liquideste Börse für deutsche Aktien ist zweifelsohne Xetra. Zwischen 09:00 und 17:30 Uhr sind hier täglich tausende von Anlegern aktiv, um Aktien zu kaufen und zu verkaufen. Handelsteilnehmer sind zudem sogenannte Market Maker. Allein für einen Dax-Wert können parallel durchaus zehn oder mehr von ihnen mit Aufträgen im elektronischen Xetra-Orderbuch aktiv sein. Ihr Ziel ist es, auf Verkäufer und Käufer zu treffen und bei den Transaktionen Geld zu verdienen.

Besonderheiten bei ETFs

Bei Exchange-Traded Funds (ETFs) kann es dagegen sein, dass in einem elektronischen Orderbuch auch einmal Leere besteht. Es gibt sogar Situationen, in denen tatsächlich jeweils nur ein Käufer und ein Verkäufer präsent sind. Wie soll man als Anleger so einen Gegenpart finden und schnell traden können? In der Regel stellen daher bei ETFs sogenannte Authorized Participants (AP), eine Spezialform der Market Maker, An- und Verkaufspreise. Ein AP hat die besondere Möglichkeit, neue ETF-Anteile zu kreieren. Hier kommt die hohe Transparenz von ETFs zum Tragen: Da der Emittent eines Aktien-ETFs täglich Informationen veröffentlicht, wie sich das Portfolio des Indexfonds zusammensetzt, ist auch der faire Wert laufend berechenbar. Ein AP kann daher im Markt die erforderlichen Aktien in der richtigen Größenordnung kaufen und diesen Aktienkorb beim Emittenten gegen neue Anteile des ETFs eintauschen.

Welche Konsequenzen hat dies mit Blick auf unsere eingangs gestellte Frage nach Angebot und Nachfrage? Authorized Participants bündeln die Aktienpositionen von sämtlichen ETF-Beständen in einem Topf. Hat ein Anleger beispielsweise einen Dax-ETF gekauft und ein anderer einen EuroStoxx50-ETF verkauft, so gleichen sich die resultierenden Positionen in den Aktien von Allianz und SAP möglicherweise aus und er muss diese Aktien gar nicht erst handeln. Der Preis eines ETF wird somit selten von der direkten Nachfrage nach einem spezifischen ETF getrieben, sondern basiert weitgehend auf dem Wert und der Verfügbarkeit des zugrundeliegenden Aktienkorbes.

Wenn es dennoch an Handelbarkeit mangelt

Der ETF-Markt ist sehr kompetitiv. Hohe Volumina zu engen Preisspannen (Spreads) sind dabei keine Seltenheit. Authorized Participants spielen eine nicht unerhebliche Rolle dafür, dass ETFs zu fairen Preisen abgebildet werden: Solange einer oder gar mehrere Market Maker auf elektronischen Handelsplätzen präsent sind und konkurrieren, sollte dies zu einem effektiven und attraktiven Handel mit ETFs führen.

Jedoch kann es auch an vollelektronischen Börsen punktuell zu Momenten mit nur eingeschränkter Liquidität kommen. Dies könnte zum Beispiel morgens während der ersten Minuten des Handels der Fall sein oder wenn die ersten Kurse in den USA ermittelt werden. Auch nach der Veröffentlichung aktueller Wirtschaftsdaten könnte solch eine Situation eintreten. Oder in besonders schnellen Märkten, wenn die Sorge vor Hochfrequenzhändlern die Market Maker zur Defensive zwingt und die angebotenen Stückzahlen reduzieren lässt, oder einfach nur, wenn die Ordergröße das Angebot überschreitet. Wenn ein Anleger hier nicht aufmerksam ist und im falschen Moment zugreift, kann es ihm passieren, dass er einen deutlich schlechteren Ausführungspreis erwischt.

Liquidität ist Trumpf: Darauf sollten Anleger achten

Empfehlenswert für Anleger ist es, einen Handelsplatz auszuwählen, der enge Preisspannen und hohe verfügbare Stückzahlen bietet sowie Kunden- und Market Maker-Orders transparent zusammenführt. Mittlerweile haben Privatanleger viele Optionen für den Handel: Über Parkettbörsen (etwa Frankfurt oder Stuttgart) und elektronische Börsenplätze wie Xetra oder über außerbörsliche Handelspartner. Diese haben jeweils ihre spezifischen Differenzierungsmerkmale. Wenn die sofortige Ausführung einer ETF-Order in einer aktuellen Marktlage zu Verwerfungen oder höheren Abweichungen führen würde, können Parkettbörsen ihre Vorteile ausspielen. Hier wird nicht schnellstmöglich ausgeführt, sondern erst Liquidität gesammelt. Angeschlossene Market Maker werden nach Preisen angefragt und die Angebote anderer Handelsplätze mit einbezogen. Notfalls kann der Börsenhändler auch selbst einspringen und Liquidität spenden.

Mehr zum Thema: Indexfonds sind ein einfaches und risikoarmes Rezept gegen die niedrigen Zinsen. Alles, was Börsenneulinge über eine der beliebtesten Anlageformen wissen müssen, erfahren Sie in diesem Dossier zum Download: Das 1x1 des ETF-Sparens

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