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Verkehrte (Finanz)weltJetzt sortieren vermögende Anleger ihre Portfolios neu

Sie investieren hohe Summen: vermögende Kunden und sogenannte High Net Worth Individuals. Wie sie mit der Inflation umgehen und wohin sie Gelder umschichten, könnte für Privatanleger ein Fingerzeig sein.Peter Jakobus 01.08.2023 - 06:23 Uhr
Foto: imago images

Das Jahr 2022 war geprägt von beispielloser Instabilität. Die Welt – die sich immer noch von der Corona-Pandemie erholt – wurde durch Krieg, Unterbrechungen der Lieferketten, Inflation, Zinswende sowie eine Energie- und Bankenkrise erschüttert. Selbst Anleger mit einem gut diversifizierten Portfolio fuhren durch den gleichzeitigen Druck auf die Aktien- und Anleihemärkte Verluste ein.

Wie hat dies das Investitionsverhalten vermögender Anleger verändert? Eine aktuelle EY-Studie, für die weltweit mehr als 2.600 Kunden von Wealth Managern und Privatbanken, davon 600 in Europa und 147 in Deutschland befragt wurden, legt nun nahe: Getrieben von dem Wunsch, Risiken über mehrere Anbieter hinweg zu diversifizieren und auf die gestiegene Volatilität zu reagieren, wollen die vermögenden Investoren im Schnitt ein Drittel (33 Prozent) ihres Portfoliowerts in den nächsten drei Jahren reallokieren.

Unterschiedliche taktische Ansätze

Bei den Strategien, die dabei zum Einsatz kommen (und an denen sich Privatanleger grob orientieren können), lassen sich für den deutschen Markt drei Stoßrichtungen ausmachen. Erstens ist fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) bereit, innerhalb der nächsten drei Jahre ihren Vermögensverwalter zu wechseln. Besonders wechselwillig ist die Generation der Millennials (76 Prozent). Hier spielen die Suche nach Rendite, aber auch Kostentransparenz und Produktauswahl eine Rolle.

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Zweitens greifen drei von vier Anlegern (77 Prozent) selbst aktiv ein und ändern das Anlageverhalten, wenn ihr Portfolio an Wert verliert. Einher geht damit, drittens, eine selektive Verlagerung der langfristig ausgerichteten strategischen Asset Allokation (Buy & Hold) hin zu einem taktischen Ansatz.

So hat jeder dritte Anleger (34 Prozent) sein Engagement in aktiv gemanagte Produkte erhöht. Um sich gegen künftige Kurseinbrüche abzusichern, würde fast die Hälfte der Anleger zusätzliches Vermögen in aktive Anlagestrategien umschichten. Auch hier sind die Millennials, also die circa zwischen 1980 und 1996 geborenen, aktiver als die Generation X (circa Mitte der 1960er bis frühe 1980er Jahre geboren) und die Babyboomer (circa zwischen 1945 und 1964 geboren).

Von Ebitda bis US-GAAP: Kürzel, die Anleger kennen sollten
United States Generally Accepted Accounting Principles, der Bilanzstandard der Vereinigten Staaten.
International Financial Reporting Standards. Internationaler Bilanzstandard (Anwendung in 144 Ländern). Seit 2005 in Deutschland Pflicht für den Konzernabschluss aller Unternehmen, die Anleihen oder Aktien öffentlich notiert haben.
Handelsgesetzbuch. Nach wie vor Bilanzstandard für den Einzelabschluss aller Unternehmen in Deutschland. Der Einzelabschluss umfasst weniger Töchter als der Konzernabschluss, ist aber Bemessungsgrundlage für Ausschüttungen wie Dividenden.
Geschäfts- und Firmenwerte (Goodwill) sind eine Vermögensposition in der Bilanz, die die Prämie auf die erworbenen Vermögen übernommener Unternehmen widerspiegeln
Ergebnis vor Steuern, Zinsen, regelmäßigen Abschreibungen und Sonderabschreibungen auf aufgekaufte Unternehmen (Firmenwerte/Goodwill). Schönwetterkennzahl, die keinem Bilanzstandard unterliegt. Wird von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich errechnet. Wird zudem oft auch noch bereinigt. Gewisse Aussagekraft im Verhältnis zum Schuldenstand (je geringer die Relation zwischen Ebitda zu Schulden, desto besser steht das Unternehmen da).
Ergebnis vor Steuern, Zinsen, regelmäßigen Abschreibungen. Ebenfalls eine Schönwetterkennzahl (siehe Ebitda).
Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Kann als operatives Ergebnis (Betriebsergebnis) herhalten, falls keine außerordentlichen Zinsausgaben oder -einnahmen anfallen. Auch hier bereinigen Unternehmen gerne.
Ergebnis vor Steuern, nach Steuern ergibt sich der Nettogewinn (Jahresüberschuss) als Kernkennzahl für den Aktionär. Aus dem Jahresüberschuss errechnet sich das EPS: Ergebnis je Aktie (Earnings per Share), wenn die Anzahl der Aktien eines Unternehmens durch den Nettogewinn geteilt wird. Der aktuelle Aktienkurs geteilt durch das EPS wiederum ergibt das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis). Irrelevant, weil oft schwierig nachvollziehbar und/oder gewinnpolitisch motiviert, sind für Aktionäre sogenannte Pro-forma-, bereinigte Gewinne oder Pro-forma-, bereinigte EPS.

Im Zusammenhang mit den eingangs skizzierten Marktereignissen verloren viele Wertpapiere weltweit erheblich an Wert. Bei vielen (offensiv ausgerichteten) Anlegern steigt der Bedarf nach Depot-Absicherung. Sie wollen vermeiden, ihre Renditeerwartungen bei neuerlichen Schwankungen oder sogar Kursrutschen zu verfehlen. Entsprechend deuten die Umfrageergebnisse bei der Frage nach den übergeordneten Anlagezielen auf einen künftig etwas defensiveren Fokus hin. Die drei Top-Ziele sind nun (1.) Schutz vor Inflation, (2.) Werterhalt/Absicherung von Einnahmen und (3.) finanzielle Sicherheit.

Ausblick

Ist die zunehmende Palette neuer Investmentprodukte und Anlageklassen förderlich, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen? Fakt ist: Anlegern stehen – mehr denn je – vielfältige Vermögenswerte zur Verfügung, neben klassischen Spareinlagen, Fonds und ETFs etwa auch private Assets, Kryptowährungen und ESG-Investments. Dazu kommen neue Anbieter mit disruptiven Geschäftsmodellen wie FinTechs. Vier von zehn Umfrageteilnehmern sind der Meinung, dass mit dieser Produktkomplexität auch die Verwaltung der Vermögen komplexer geworden ist. Am Ende ist für institutionelle Anleger wie für vermögende Privatkunden und Kleinanleger entscheidend, welchen Wertbeitrag die breiteren Investitionsmöglichkeiten leisten und ob sie auf die Erreichung der geschilderten Ziele einzahlen.

Zusammenfassend lässt sich zwar sagen, dass Anleger die Themen Diversifikation und Umschichtungen mehr auf dem Schirm haben. Ob der Zugang zu neuen Anlageprodukten dabei die Risikostreuung verbessert oder ob mit neuen Geschäftsmodellen und erhöhter Vielfalt auch mehr Wertschwankungen in Kauf genommen werden müssen, dies muss jeder Anleger individuell für sich beantworten.

Lesen Sie auch: Anleihen, Aktien, Gold – was Anleger jetzt wissen müssen

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