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Verkehrte (Finanz)welt
Quelle: imago images

So geht nachhaltiges Anlegen in Schwellenländern

Nachhaltiges Investieren wird für Anleger immer wichtiger. Damit die Rendite nicht zu kurz kommt, müssen sie aber ein gewisses Risiko in Kauf nehmen, etwa in Schwellenländern. Das geht zum Beispiel über Förderbanken.

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Beim Thema Geldanlage geht es natürlich in erster Linie um Rendite und Risiko. Doch sukzessive kommt für große und kleine Anleger noch ein weiterer Aspekt dazu: die Frage, ob die getätigten Anlagen auch nachhaltig sind. Neben den durch ihre Satzungen regulierten institutionellen Investoren wie Stiftungen oder Pensionskassen wollen auch immer mehr Privatanleger nicht, dass durch ihre Gelder ökologischer Raubbau, soziale Unterdrückung oder aber Waffenproduktion und Kinderarbeit gefördert werden. Wie also lassen sich Rendite, Risiko und Nachhaltigkeit unter einen Hut bringen?

Auslandsanleihen mit gutem Gewissen?

Im Bereich der Aktieninvestments ist eine Filterung nach nachhaltigen Kriterien in den letzten Jahren bereits zum Standard geworden. Doch inzwischen ist nachhaltiges Investieren auch im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere angekommen. Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen hierzulande suchen Anleihe-Investoren zunehmend in der Ferne, speziell in Schwellenländern, nach attraktiveren Renditen. Neben den oftmals bereits bekannten Anleihen, die in US-Dollar oder Euro ausgestellt sind, wächst mit der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder auch der Anleihemarkt vor Ort in den lokalen Währungen. Die dafür angebotenen Zinssätze liegen meist deutlich über den hiesigen und können es so für ausländische Anleger lohnenswert machen, das dazugehörige Fremdwährungsrisiko einzugehen (also die Gefahr, dass die jeweilige Währung überraschend einbricht und das Investment somit an Wert verliert).

Das Problem: Wie kann man sicherstellen, dass diese Anlagen nicht beispielsweise direkt in die Finanzierung eines autokratischen Regimes fließen? Und wie lässt sich das rein praktisch abwickeln, obwohl die rechtlichen Anforderungen etwa zur Verwahrung (sogenanntes „Clearing“) von Land zu Land unterschiedlich sind?

Anleihen von Förderbanken

Hier bieten Anleihen von bekannten Förderbanken wie etwa der Weltbank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gute Chancen. Diese sind über die üblichen internationalen Lagerstellen Euroclear und Clearstream mit internationalem Rechtsrahmen abwickelbar und zugleich kommen sie Projekten zugute, die der Armutsbekämpfung, ökologischen Zielen und Entwicklung dienen.

Die Weltbank beispielsweise ist dem Primärziel der globalen Armutsbekämpfung verpflichtet. Ihre Anleihen werden von den 189 Mitgliedsstaaten implizit garantiert und verfügen daher über eine erstklassige Bonität von AAA. Das Projektportfolio des Instituts ist über mehr als 170 Länder verteilt und oftmals in lokaler Währung finanziert. Das bedeutet in der Folge, dass die in US-Dollar bilanzierende Weltbank nach Vergabe eines solchen Kredits Handelspartner sucht, die bei Vergütung der Zinsdifferenz bereit sind, das Risiko der lokalen Währung zu übernehmen. Dies geschieht in der Praxis über die Emission von eigenen Anleihen, die nach internationalem Recht begeben werden und über die gängigen Lagerstellen handelbar sind. Als Anleger bekommt man nunmehr dadurch die Möglichkeit, über Anleihen der Weltbank in attraktiv verzinste Währungen zu investieren, ohne gleichzeitig ein Kredit- oder Verwahrrisiko einzugehen. Das Währungsrisiko hingegen bleibt natürlich bestehen.

End Poverty: Anleihen von bekannten Förderbanken wie etwa der Weltbank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bieten gute Chancen. Quelle: imago images

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als bekannteste nationale Förderbank wird dagegen nur vom deutschen Staat explizit garantiert. Da dieser aber ebenfalls die beste Bonitätsnote AAA besitzt, wird das Ausfallrisiko auch bei Anleihen der KfW als sehr gering eingeschätzt. Auch die KfW besitzt ein internationales Kreditportfolio, da sie weltweit einen entwicklungspolitischen Auftrag der Bundesregierung umsetzt. So hat das Institut im Jahr 2017 Entwicklungsfinanzierungen in Höhe von 8,2 Milliarden Euro außerhalb von Deutschland getätigt. Analog zur Weltbank werden zur Finanzierung auch hier oft gleich Anleihen in den betreffenden lokalen Währungen begeben, über die das Währungsrisiko an die Käufer dieser Papiere transferiert wird.

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