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Verkehrte (Finanz)welt
Quelle: imago images

Was die Blockchain für Kapitalmärkte bedeutet

So mancher Finanzexperte sieht in der Blockchain die größte „wohlstandsschaffende Technologie“ unserer Generation. Nun hat die Bundesregierung mit ihrer Blockchain-Strategie die Weichen dafür gestellt, diese Technologie in und von Deutschland aus gezielt zu fördern, mit dem Ziel, Innovationen zu erleichtern. Doch wie sehr kann die Blockchain die Kapitalmärkte umwälzen? Und was bedeutet das für Banken, Unternehmen und die Finanzmarktaufsicht?

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Im September verabschiedete die Bundesregierung nach einem umfangreichen Konsultationsprozess erstmals eine Blockchain-Strategie. Damit setzt Deutschland sich aktiv an die Spitze der Bewegung, nachdem sich bereits Frankreich, Luxemburg und Irland positionieren und Liechtenstein im Sommer ein Blockchain-Gesetz beschlossen hat.

Insbesondere im Finanzsektor sollen dadurch Innovationen und regulatorische Rahmenbedingungen gleichermaßen gesichert werden. Denn möglich ist, dass innovative Finanzierungsformen, basierend auf der Blockchain-Technologie, für Umwälzungen an den Kapitalmärkten sorgen. Dabei geht es nicht nur um die vieldiskutierten Kryptowährungen wie Bitcoin, sondern insbesondere auch um die Einführung von elektronischen Wertpapieren sowie Unternehmensbeteiligungen basierend auf Security Tokens.

Banken unter Druck

Die üblichen Intermediäre, die den Zugang zum Kapitalmarkt zur Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital sichern, nämlich (Investment-)Banken, geraten durch die Technologie unter Druck.

Schon heute sucht das Silicon Valley nach alternativen Zugängen zur Börse. Der Musik-Streamingdienst Spotify beispielsweise wählte den Weg der Direktplatzierung, um existierende Aktien ohne Einbindung der Wall-Street-Banken an der Börse zu platzieren. Bei dieser Platzierungsform findet kein „Bookbuilding“-Verfahren im klassischen Sinne statt, sondern der Preis der Aktien bildet sich direkt durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Für den Emittenten kann das einen höheren Preis ermöglichen. Die Aktien werden sofort einem großen Kreis an Marktteilnehmern und nicht über das Emissionsverfahren zunächst nur einem ausgewählten Kundenkreis der Investmentbanken zugänglich gemacht.

Im gleichen Sinne könnte durch die Ausgabe von Wertpapieren basierend auf der Blockchain die Bedeutung von Investmentbanken schwinden. Viele Prozessschritte würden elektronisch schneller und vor allem deutlich kostengünstiger umzusetzen sein, als das bisher der Fall war.

Mit der Plattform neufund.org gibt es beispielsweise einen Anbieter, der Unternehmensbeteiligungen an Start-ups über sogenannte „Equity Tokens“ für Venture Capital- und Angel-Investoren ermöglicht. Equity Tokens (digitalisiertes Wertpapier) sind leichter handelbar als eine direkte Unternehmensbeteiligung, das erhöht also die Marktliquidität. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, wann auch reifere Unternehmen auf diesem Wege Eigenkapital im Rahmen einer Kapitalerhöhung aufnehmen.

Gleiches gilt für die Aufnahme von Fremdkapital. Daimler beispielsweise hat (noch) gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ein Schuldscheindarlehen basierend auf der Blockchain aufgenommen. Diese Vorgehensweise hat das Potenzial, die Unternehmensfinanzierung zu revolutionieren. Denn wenn zukünftig Emittenten direkt Anleihen platzieren können, wird dies nicht nur Bankkredite verdrängen, sondern auch zu einer weiteren Erosion der Provisionen im Bankenbereich führen, was den Unternehmen entgegenkommt aber die Banken weiter unter Druck setzt.

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