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Verlustreiche Euro-Franken-Wetten Die Tricks der Broker beim Schweizer Börsenchaos

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Kurse waren fehlerhaft

Auch der britische Broker CMC Markets hat Konten im Nachhinein um mehrere Zehntausend Euro angepasst. Aus Guthaben wurden Schulden. Die Kurse, so CMC, seien zuvor „nur Anhaltswerte“ gewesen.

Broker IG Markets hat immerhin versucht zu erklären, was passiert sei: Nach der SNB-Entscheidung hätten Banken sich zurückgezogen und keine An- und Verkaufskurse für Devisen mehr in die Systeme gestellt. Folge: Kurse, die „auf der Handelsplattform oder in den Charts angezeigt wurden“, seien „fehlerhaft, fiktiv und nicht legitim“ gewesen. Versuche, die Banken zu kontaktieren, seien für „zehn Minuten erfolglos“ geblieben, so IG. Erst Zug um Zug konnte der Broker die Aufträge seiner Kunden im Handel zwischen Banken ausführen. Auf dieser Basis hätte IG später einen Durchschnittskurs berechnet, der an alle Kunden weitergegeben worden sei. Fazit: Wird es eng, ziehen Banken sich zurück.

Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa

Thomas Herrmann von JFD zweifelt die Argumente seiner Wettbewerber an: „Es gab nach der Entscheidung der SNB durchgehend Großbanken, die Liquidität angeboten und Geschäfte in dem Währungspaar Schweizer Franken und Euro ausgeführt haben.“ JFD Brokers leitet Kundenaufträge an rund 20 Banken weiter.

Selbst wer richtig lag, verlor

Handelsdaten zeigen, dass der Markt am 15. Januar tatsächlich chaotisch war. Während die eine Bank einen Kurs von 1,1220 anzeigte, lag die andere bei 0,6374. Innerhalb von zwei Sekunden sprangen die Kurse dem Broker FXCM zufolge von 1,1078 auf 0,5696 und dann wieder hoch auf 0,9769. Großbanken, von denen kleinere Broker ihre Kurse einkaufen, weiteten die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen auf bis zu 0,50 Franken aus – normal sind 0,0002 Franken. So konnten auch Kunden, die richtig – auf Aufwertung des Franken – gewettet hatten, massiv Geld verlieren, weil ihre automatischen Verkaufslimits ausgelöst wurden.

Auffällig ist der Widerspruch zwischen Werbung und Realität. Im Internet wirbt Saxo dafür, dass man Kunden Liquidität bis zu 25 Millionen Euro anbiete. Außerdem sei ein Preis ein Preis: „Der Preis, den Sie sehen und auf den Sie klicken, ist immer der gleiche Preis wie in Ihrer Abrechnung“, steht dort auf Englisch. Doch das soll nun wohl nur unter normalen Umständen gelten. Für Ausnahmen gibt es Geschäftsbedingungen. Dort heißt es, Saxo habe das Recht, Preise zu korrigieren.

In Deutschland sind Dutzende Broker aus dem Ausland tätig. Doch wer bei einem solchen handelt, kann doppelt Probleme bekommen. So haben Saxo-Kunden zwar die Unterlagen zur Kontoeröffnung auf Deutsch erhalten – die Geschäftsbedingungen aber gab es nur auf Englisch. Und wer dieser Sprache mächtig ist, liest bei Saxo, dass alleiniger Gerichtsstand Kopenhagen ist. Also müsste, wer sein Guthaben zurück will, in Dänemark klagen.

Geldanlage



Die deutsche Aufsicht BaFin hält sich vornehm zurück. Sie hat einem Anleger geschrieben, dass sie „nicht der richtige Ansprechpartner“ für Beschwerden sei. Saxo Bank sei „eine Online-Investmentbank mit Sitz in Dänemark“ und als „grenzüberschreitender Dienstleister“ befugt, hierzulande tätig zu werden. Zuständig sei die Aufsicht in Dänemark. Freundliche Grüße.

Es gibt leise Hoffnung: Die Kanzlei Peres & Partner meint, Saxo könne mit der Kopenhagen-Klausel bei deutschen Kunden nicht durchkommen. Mehr noch: Gemessen am deutschen Recht, dürfte auch die Klausel zur nachträglichen Preisanpassung unwirksam sein, so die Anwälte, die im Internet um Saxo-Kunden werben.

Zweifel an Anwaltswerbung

Die Saxo Bank ist über derlei Annäherungsversuche wenig erpicht. Sie hat Kunden geschrieben, dass „unter Mitwirkung von Rechtsanwälten“ Rundschreiben zirkulierten, „in welchen die Rechtmäßigkeit der von uns erhobenen Nachschussforderungen in Frage gestellt wird“. Man habe „Zweifel an der Zulässigkeit einer solchen ,Werbung‘“ und prüfe „ein juristisches Vorgehen“ gegen die Anwälte. Denn all das ziele nur darauf ab, Anleger „in gerichtliche Auseinandersetzungen“ zu führen.

Genau die suchen viele Kunden jetzt – und verklagen ihre Banken.

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