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Vermögensverwalter Deutschlands beste Geldvermehrer

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Abgestrafte Aktien

Die Anlage-Empfehlung von Bert Flossbach (Flossbach & von Storch)

Flossbach hat ausgerechnet, dass die Dividendenrendite von 40 soliden Großkonzernen um gut 3,5 Prozentpunkte über der Durchschnittsrendite halbwegs sicherer Staatsanleihen liegt. „Auch Pensionsfonds werden in den kommenden Jahren wieder mehr in Aktien investieren, weil sie anders keine Renditen erzielen; damit werden sie die Bewertungen an der Börse anheben“, glaubt Flossbach. Zumal diese Bewertung heute, trotz eines Dax-Stands von fast 6800 Punkten, noch immer niedrig sei. „Solange Anleger Kursschwankungen mit Risiko verwechseln, werden Aktien abgestraft und Immobilien oder Tagesgeld profitieren“, sagt Flossbach. Deren Risiken seien aber nicht kleiner, nur weil es kaum Preisschwankungen gebe. „Wer viel Geld auf Festgeldkonten liegen lässt, läuft Gefahr, dass seine Kaufkraft über die zinslose Inflation der kommenden Jahre zersetzt wird, ohne dass er es merkt“, findet Flossbach. „Und eine Immobilie erleidet beim Kauf sofort zehn bis elf Prozent Wertverlust, denn die Nebenkosten sind weg.“

Gold fällt vorerst nicht

Was Flossbach von den meisten Kundenbetreuern in Banken unterscheidet, sind Unabhängigkeit und Fähigkeit zum Zweifel: „Die meisten Leute wollen immer nur das hören und lesen, was sie schon zu wissen glauben“, sagt er. Sich einzugestehen, dass man oft danebenliegt, gerade dann tiefer nachzuforschen, wenn Fakten der eigenen Meinung widersprechen, ist da schon anstrengender.

Martin Wirth (links) und Manfred Piontke von der Vermögensverwaltung FPM Quelle: Klaus Weddig für WirtschaftsWoche

Banker würden privat fast nie so investieren, wie sie es Kunden empfehlen. „Wie auch? Wie kann eine Bank von italienischen Staatsanleihen abraten, wenn sie selbst an deren Emission verdient?“ Viele Banker hätten zudem privat „viel mehr Gold als die fünf Prozent, die sie Kunden als Beimischung empfehlen“, beobachtet Flossbach. Er selbst packt 20 bis 25 Prozent Gold ins Depot, „nur physisch“. Seit 2002 kauft er Gold. „Die Kunden sind happy darüber“, sagt er und marschiert in Ausfallschritten zum Tisch, auf dem eine Batterie aus Flachbildschirmen steht: „Gold hat seit 2007 in Euro 157 Prozent zugelegt.“

Kann es nicht auch wieder fallen? So wie Anfang der Achtziger, als das gelbe Metall in kurzer Zeit mehr als zwei Drittel seines Wertes verlor? Flossbach lugt leicht irritiert über die Monitorwand; schüttelt dann aber energisch den Kopf: „Bis das passiert, wird es noch lange dauern.“ Alle Faktoren, die den Goldpreis seit 2002 befeuert haben, hätten sich sogar noch verstärkt: exzessive Geldschöpfung, hohe Nachfrage aus Asien und nackte Angst in Europa. Die Südländer kaufen Gold und bringen ihr Geld nach Deutschland. Die EZB müsse das ständig ausgleichen, den Zentralbanken der Krisenländer Hunderte von Milliarden geben, um deren Banken zu retten. „Da wirken enorme Spaltkräfte, die der Euro nicht aushalten kann.“ Flossbach sieht nur eine Lösung: Griechenland muss raus aus dem Euro, Portugal wohl auch. „Sind diese beiden Brandherde gelöscht, kann man versuchen, die Brandmauer um Spanien, Italien, Belgien stabiler zu bauen, sodass sie, so Gott will, hält.“

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