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Vermögensverwalter Deutschlands beste Geldvermehrer

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Flossbach: Der Zweifler

Bert Flossbach von der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Flossbach hat da sehr konkrete Vorstellungen: schwaches Wachstum, extrem niedrige Zinsen, höhere Inflation. Diese Konstellation heißt im Fachjargon „Financial Repression“ und spukt seit einigen Monaten vermehrt in den Köpfen der Wirtschaftsgelehrten herum. Dahinter steckt die Einsicht, dass den Schulden der Staaten mit normalen Mitteln nicht mehr beizukommen sei. Schulden streichen? „Bei kleinen Ländern wie Griechenland kann man das machen. Aber allein in den drei Industriestaaten USA, Japan und Italien müsste man so viel streichen, dass sofort das globale Bankensystem zusammenbräche, die Wirtschaft erstarrte und wir eine schlimmere Depression als 1930 bekämen“, meint Flossbach. Sparprogramme? „Die würgen die Wirtschaft schneller ab, als Sie Schulden zurückzahlen können.“

Staaten können sich entschulden

Flossbach glaubt, dass die Lösung so aussieht: „Für ein paar Jahre werden wir hohe Inflationsraten bekommen, sieben oder acht Prozent“, meint er, „vielleicht auch zehn. Solange aber die Zinsen für Staatsanleihen deutlich darunter bleiben und Banken und Versicherungen mit sanftem Druck manipuliert werden, trotzdem Staatsanleihen zu kaufen, werden die Staaten sich darüber entschulden können.“

Die Entwicklung sei bereits im Gang. Am 5. Dezember gab Deutschland eine Bundesschatzanweisung mit einer Laufzeit von sechs Monaten heraus, die mit 0,0005 Prozent verzinst ist; für die 2,68 Milliarden Euro, die der Staat sich damit lieh, wird er 6700 Euro Zinsen zahlen. Auch der „Repressalien-Werkzeugkasten“ sei schon zu sehen: Finanztransaktions- und höhere Abgeltungsteuer für Aktien, Fonds, Derivate – nicht aber für Staatsanleihen.

Keine Hoffnung auf Renditen

Privatanleger müssten radikal umdenken, meint Flossbach. „Staatsanleihen, Tagesgeld und auch die meisten Unternehmensanleihen fungieren nur noch als Sicherheitskomponente im Depot, als flexible Parkstation; eine Rendite nach Inflation sollte sich von halbwegs ausfallsicheren Zinspapieren in den nächsten Jahren aber niemand mehr erwarten.“ Daher müssten Anleger bei Anleihen vor allem auf die Qualität der Schuldner achten, nicht mehr auf die Höhe der Kupons. Und die sei bei Unternehmen wie Nestlé, Siemens oder BASF besser als bei vielen Staaten.

„Der Anteil der Zinspapiere im Depot sollte auf ein Mindestmaß sinken“, folgert Flossbach. Dem durchschnittlichen Anleger würde er nur noch 30 Prozent Tagesgeld und Zinspapiere ins Depot legen. Den größten Teil steckt er in Aktien. Aktien seien, trotz des schwachen Wachstums in Europa, „am Ende des Tages noch die beste Idee“, meint er. „Weltweit tätige Unternehmen mit guten Produkten und wenig Schulden wird es auch noch geben, wenn Griechenland längst pleite und der Euro vielleicht Geschichte ist“, sagt er.

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