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Vermögensverwalter Die besten Börsenbändiger

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Nachhaltig und vorsichtig

Einen Trend pflegen sie in Grasbrunn seit 2009: Nachhaltigkeit. Investments in Atomkraft, Waffen oder Wetten sind in Märzlufts Depot ausgeschlossen. Den europäischen Kapitalmarkt sortiert der Münchner Nachhaltigkeitsspezialist Oekom für sie vor. Aus einer Liste mit 800, von Oekom als unbedenklich eingestuften Unternehmen, wählt Märzluft etwa 50 Aktien und 100 Anleihen aus. Dass sie nicht nur in ihrem Alltag mit dem Einkauf im Bioladen und der Müllvermeidung, sondern auch als Investor Akzente setzen kann, gefällt ihr. Zuletzt nahm sie Aktien der spanischen Banco Santander und die Metro-Abspaltung Ceconomy in ihr Depot auf. In Aktien oder Anleihen der Mutter Deutsche Bank darf sie nicht investieren. Die Bank ist im Wettgeschäft – als Eigentümerin eines Casinos in Las Vegas. Ein Kredit war geplatzt, und der Vergnügungstempel diente als Sicherheit. Grasbrunn kommt auch gut ohne die Mutterbank klar.

20 Prozent statt maximal 50 Prozent Aktien

Am Rosenmontag sieht es so aus, als hätten die Märkte das Schlimmste hinter sich. Die Dax-Aktien starteten stark, aber für Entwarnung ist es morgens immer zu früh. Wais Samadzada bleibt skeptisch. „Nach den Turbulenzen ist eine schnelle Rückkehr zur Normalität nicht zu erwarten.“ Der Kursschock setzte meist ein, wenn es vorbörsliche Kurse aus den USA gab. Zu Fasching blieb es ruhig. Samadzada, geboren in Afghanistan, lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland und bezeichnet Börse und Fußball als seine Leidenschaften. Seit 2014 ist er der Stürmer und sein Partner Lars Rosenfeld der Verteidiger im Team, das den IP White-Fonds der Freien Internationalen Sparkasse lenkt. Die Tochter der Sparkasse Bremen gewann zum wiederholten Male einen Spitzenplatz im Vermögensverwalter-Ranking.

Krawatte und offenes Hemd: Mit Diversity machen Rosenfeld (l.) und Samadzada Rendite. Quelle: Sandra Stein für WirtschaftsWoche

Rosenfeld ist in der DDR aufgewachsen und hat eine Lehre zum Schifffahrtskaufmann absolviert. Mit dem ersten Geld nach der Wende hatte er Aktien gekauft: Bayer, BASF, Daimler. Die DM-Kurse von damals kennt er noch heute. Klar, dass es ihn in die Finanzbranche zog. Nach einer Ausbildung bei der Bremer Sparkasse blieb er gleich dort und stieg in die Vermögensverwaltung ein. Seit 1997 arbeitet er in Luxemburg, gleicher Arbeitgeber, gleiches Büro, gleicher Arbeitsweg von Trier ins Großherzogtum. Weil die Abstände zwischen großen Krisen immer kleiner wurden, hat das Duo das Konzept des IP White konsequent auf Risikovermeidung ausgerichtet. Im Rosenfeld-Slang klingt das so: „Mit strategischer Asset- Allocation das Chance-Risiko-Profil optimieren.“ Vereinfacht geht es darum, ein Vermögen stabil anzulegen.

Die Ergebnisse der besten Geldmanager der Risikoklasse "Ausgewogen"
(max. 60 Prozent Aktien), 400 Portfolios im Ranking, (maximal 400 Punkte)
Wertzuwachs in ProzentRisiko
RangVermögens-
verwalter
Fonds
(ISIN)
3
Jahre
1
Jahr¹
Vola-
tilität²
Max.
Verlust³
Gesamt-
punkte⁴
1Freie Internat. SparkasseLU114447404328,33,53,1-1,0364,8
2Fimax Vermögens-
beratung
DE000A0M49S415,75,65,2-5,4314,0
3DJE KapitalLU055316473124,84,96,7-4,9306,0
4Lombard Odier & CieLU071850960612,310,24,4-5,9294,3
5Berenberg BankDE000A1C0UD312,513,24,2-6,7293,5
6Deutsche Oppenheim Family OfficeDE000DWS0TS919,88,76,7-8,5269,8
7LGT Capital ManagementLI000823222012,25,95,4-7,3264,0
8Selection Asset ManagementDE000260503710,97,65,3-5,7262,5
9Honestas Finanz-
management
DE000A1JZLG89,44,54,0-5,4259,0
10Schoeller-
bank Invest
AT000082055015,75,26,9-8,0256,3
11Plutos Vermögens-
verwaltung
LU033944934911,31,36,1-5,7254,8
12UBS Asset ManagementDE000A0M518314,26,86,2-8,7253,8
13m4investLU031810825423,212,57,6-8,8252,5
14Pictet Asset ManagementLU09413491928,40,93,9-4,7251,0
15ProaktivaDE000A0NJGU725,57,57,9-8,8249,8
16Flossbach von StorchLU032357814518,35,27,8-8,2247,8
17Acatis InvestmentLU027815251617,68,06,9-9,2246,5
18Huber, Reuss & Kollegen Vermögens-
verwaltung
LU035215301810,76,55,2-7,5243,5
19Sydbank A/SDE000260532615,65,27,6-8,5236,8
20BLI - Banque de Luxembourg InvestmentsLU00482928089,41,95,7-5,4233,8
¹ nur zur Information, kein Ranking-Kriterium; beim Wertzuwachs sind jährliche Kosten der Portfolios bereits abgezogen; Portfolios ab 10 Millionen Euro Volumen
² monatliche Schwankungen des Fondskurses um den Mittelwert in Prozent: Je höher die Volatilität (Schwankungsintensität), desto höher ist das Risiko, dass der Anleger Verluste macht, wenn er zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft
³ gibt an, wie viel Anleger im schlechtesten Fall in den vergangenen drei Jahren verloren hätten, wenn sie zum Höchstkurs gekauft und zum Tiefstkurs verkauft hätten, ausgewertet für je einen Stichtag pro Monat
Hälfte der Gesamtpunktzahl für die Rendite aus drei Jahren, je ein Viertel der Punkte aus den beiden Risikokennziffern Volatilität und maximaler Verlust. Höchstpunktzahl ist die Anzahl der Portfolios in der jeweiligen Kategorie, theoretisch niedrigster Wert wäre 1.
Quelle: MMD; BaFin; Stand: 31.12.2017

Die hohe Bewertung vieler Aktien und eine gewisse Sorglosigkeit am Markt machte das Duo im vergangenen Jahr misstrauisch. Im Januar hatten sie sich noch gewundert, dass die Börse die ansteigenden Renditen in den USA ignorierte. Steigende Renditen machen Anleihen gegenüber Aktien wieder konkurrenzfähig. Auch die Bewertung der Aktien hätte klar auf ein hohes Risiko hingewiesen. „Das gab Abzüge in der B-Note, und deshalb haben wir Aktien abgesichert und nur noch 20 Prozent von möglichen 50 Prozent den Marktschwankungen ausgesetzt“, sagt Rosenfeld. Bei kleineren Aktiengesellschaften seien sie ebenfalls vorsichtig geworden. Teilweise seien sie zu teuer. „Wenn alle sie lieben, muss man immer jemanden finden, der sie noch mehr liebt. Wenn jeder drin ist, ist die Party vorbei“, meint Rosenfeld.

Er liest gerne Geschäftsberichte, konzentriert sich auf die Anleihen im Depot und behält am Computer alles unter Kontrolle.

Samadzada besucht die Unternehmen. Er hat zuvor bei Investmentbanken gearbeitet und Montega mitgegründet, die bankenunabhängige Aktienanalysen anfertigt. Dort hat er Rosenfeld als Kunden kennengelernt.

Entdeckt das Duo ein interessantes Unternehmen, läuft es wie beim Film: Sie schlüsseln nach Art eines Drehbuchs genau auf, was wann passiert: Wann meldet das Unternehmen Zahlen, wann läuft eine Konferenz, auf der es sich Investoren präsentiert, wann bringen Wettbewerber Zahlen. „Die Termine sind wichtig, um Kursschwankungen einordnen zu können“, sagt Samadzada. Beim Fotovoltaikspezialisten Meyer Burger etwa lief alles nach Plan. Schon im Mai 2017 – Solarwerte waren abgemeldet – heftete sich Samadzada an die Fersen der Vorstände, reiste in die Schweiz und nach Hohenstein-Ernstthal bei Zwickau, wo die Schweizer produzieren.

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