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Vermögensverwalter-Ranking Die erfolgreichsten Geldmanager

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Der Erfolg kommt mit den Gelegenheiten

Der Spitzenplatz im Ranking beweist es: Wedel hat die Kursschwankungen seiner handverlesenen 30 Aktien und 40 Anleihen im Griff. Brexit, Trump, der Flash-Crash im Jahr 2015 – der Dax ist tief abgetaucht, aber der WHC Global Discovery hatte stets nur eine kurze Verlustphase und kehrte schneller zu alten Höchstständen zurück. Wedel dürfte theoretisch alles: die Aktienquote von 100 Prozent auf null fahren oder sein Geld stärker in den USA oder Asien investieren. Aber die meisten Aktien stammen aus Deutschland. „Wir nutzen den Luxus, dass wir mittelständische Exportweltmeister haben, die von weltweiten Trends profitieren“, sagt er.

Markus-Wedel Quelle: Christian Bruch für WirtschaftsWoche

SPSW Capital bleibt nah dran an den Unternehmen, hat ein dichtes Netzwerk und ist im Markt als sehr aktiver Manager bekannt. Der Erfolg kommt mit den Gelegenheiten. Vor zwei Wochen war es wieder so weit. Ihnen wurden Aktien des Windpark-Projektentwicklers PNE Wind angeboten, und sie haben zugegriffen. Das Cuxhavener Unternehmen hat nur 185 Millionen Euro Börsenwert, und der Sektor erneuerbare Energien ist derzeit aus dem Blick der Anleger verschwunden. Genau das, was Wedel sucht: „Über die spricht kaum jemand, sie werden nicht als heiße Wette angepriesen, deshalb notieren sie weit unter dem Wert, den wir ihnen zutrauen.“ Auch der Hersteller von Blockheizkraftwerken 2G Energy aus Heek im Münsterland passt ins Beuteschema und liegt seit Januar ebenso im Depot wie die Hamburger Capital Stage, die Solarparks entwickelt und betreibt. Sobald diese Aktien gehypt werden, ist SPSW oft schon raus.

Das Zauberwort ist „Absolute Return“. Der Fonds soll zwar eine ähnliche Rendite liefern wie Aktien, aber nicht so stark im Wert schwanken und in jedem Kalenderjahr im Plus bleiben. Schwierig genug, da die Balance zu behalten. So hatte Wedel den Kassensystemhersteller Vectron 2015 zu 17 Euro gekauft und einen Zielkurs von 50 Euro angepeilt. Der war zügig erreicht, Wedel kippte die Aktie über Bord. Heute steht sie allerdings bei 70 Euro, doch das bedrückt ihn nicht. „Wir können es uns nicht leisten, den Preis auszureizen, wenn wir bei den Positionen das Verlustrisiko klein halten möchten.“

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Der Mittelstands-Hype treibt den Nebenwerte-Index SDax erstmals auf 10.000 Punkte, und der MDax notiert ebenfalls auf Rekordniveau. „Es ist keine Übertreibung zu erkennen“, meint Wedel. „Die Qualität der Unternehmen stimmt und auch die der Investoren. Sie sind nicht gierig.“

Wie auch immer sich der Fondskurs entwickeln mag. Für Wedel gibt es im Juni einen klaren Höhepunkt: Er erwartet die Geburt seines dritten Kindes.

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Spielwiese mit schrägen Geschichten

Frischer sieht Hendrik Leber aus, wenn er vier Wochen an seinem zweiten Bürositz im Schweizerischen Walzenhausen verbracht hat. Anfang Februar aber sitzt er im Büro der von ihm gegründeten Vermögensverwaltung Acatis im Frankfurter Westend, nur ein paar Hundert Meter von seiner Wohnung entfernt. „Dort streamen wir jetzt Netflix, und ich habe unruhig geschlafen“, entschuldigt er sich. Die israelische Action-Krimi-Serie Fauda hat ihn gefesselt: „Irre spannend“, sagt Leber.

Hendrik-Leber Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Der 60-Jährige hat es unangefochten auf den Spitzenplatz der Rendite-Rally geschafft. Das Portfolio Acatis Datini Valueflex hat in den vergangenen fünf Jahren mit 142 Prozent eine bessere Rendite erzielt als alle anderen von MMD untersuchten Portfolios. Datini, benannt nach einem italienischen Kaufmann, bezeichnet Leber als seine „Spielwiese“. Deshalb leidet er darunter, dass die gute Performance Datini ins Rampenlicht zerrt. Hier möchte er seine Ideen zur Geldanlage ausleben, ohne sich rechtfertigen zu müssen. „Ich will das Geld der Anleger eigentlich nicht.“ Der Satz ist unerhört für jemanden, der Geld mit Geld macht. Großen Fondshäusern geht es üblicherweise um ständige Mittelzuflüsse, die ihre Einnahmen stetig erhöhen. Leber verantwortet insgesamt 3,8 Milliarden Euro. Aber Datini ist seine Nische, und ihm ist die Vorstellung ein Graus, dass ängstliche Anleger Geld aus dem Fonds abziehen, wenn die Kurse stark gefallen sind. Das raubt ihm die liquiden Mittel, um Aktien oder Anleihen günstig zu kaufen und vom Kursanstieg zu profitieren.

Deshalb sucht er Anleger, die stillhalten und wissen, auf was sie sich einlassen. Leber wird immer beschrieben als der bedächtige Value-Investor, folgsamer Jünger Warren Buffetts. Wie der US-Investor sucht Leber Unternehmen mit geringer Verschuldung und einem gut geschützten Geschäftsmodell, die er günstig kaufen kann. Es gibt Portfolios für Risikoscheue bei Acatis, aber beim Datini ist Leber als Freestyler unterwegs, für den Kursschwankungen kein Risiko, sondern eine Chance sind. In dem Fonds gibt es „schräge Geschichten“, sagt Leber.

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