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Vermögensverwalter Die besten Börsenbändiger

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Visionen statt Value

Bei 88 Cent habe man begonnen, die Position aufzubauen. Nur der schnelle Kursanstieg auf 2,25 Euro im Januar passte nicht ins Drehbuch. Das eigene Ziel lag bei 2 Euro, sagt Samadzada, deshalb habe man Teile des Aktienbestandes wieder verkauft. Üblicherweise halte man länger an Positionen fest. Nach der vergangenen Woche können sie jetzt wieder einsteigen. Die nächste Story ist vorbereitet und könnte von der Brennstoffzelle handeln. In der Hauptrolle der Autozulieferer Elringklinger. Das Ende: offen.

Sicherheitsnetz für den wirklichen Ernstfall

Nach der verlustreichen Woche am Aktienmarkt schleppt Christian Mallek Kisten mit Bananen und Äpfeln. Für den Mitgründer der Berliner Vermögensverwaltung Sigavest ein willkommener Anlass, „den Kopf freizubekommen“. Jährlich trommelt er am Ende der Berliner Obstmesse eine Jugendgruppe zusammen, die die Kisten zum Abtransport zu Berliner Tafeln verladen. Sein Sigavest-Kollege Christian Müller reagiert sich beim Faustball ab, dort ist er amtierender Senioren-Weltmeister. Der dritte im Bunde, Guido Hoheisel, betreibt in der Freizeit einen Internetradiosender.

Berliner Reichmacher: Angst vor Aktien kennen Müller, Mallek und Hoheisel (v. l.) nicht. Quelle: Jonas Holthaus für WirtschaftsWoche

Alte Kontakte konnten die ehemaligen Dresdner-Bank-Kollegen zum Start der eigenen Vermögensverwaltung vor 17 Jahren nutzen. Auch die Finanz- und Euro-Krise hat den Kundenbeziehungen nicht geschadet. Sigavest ist stetig gewachsen, weil das Trio vorsichtig an das Thema Geldanlage herangeht. Starke Wetten auf einzelne Aktien gibt es bei ihnen nicht, deshalb musste in den vergangenen Wochen auch nichts hektisch verkauft werden. Nur bei GK Software hat man Kasse gemacht. Der Entwickler von Programmen für den Einzelhandel aus dem Vogtland hatte aber auch nur ein Gewicht von 0,25 Prozent im Portfolio. Schade eigentlich, denn das Papier ist im Depot seit dem Kauf um 88 Prozent gestiegen. Andere Aktien, wie die US-Holding Berkshire Hathaway oder die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech sind Basisinvestments und liegen schon seit Jahren im Depot.

Vom Höchstkurs im Januar hat auch das Sigavest-Portfolio einen Rücksetzer gemacht. Der fiel jedoch nur halb so groß aus wie beim Aktienindex Dax. Ungewohnt aber war das allemal: „2017 gab es diese starke Verlustphase gar nicht, aber die Anleger dürfen nicht vergessen, dass wir aktienorientiert anlegen“, sagt Mallek. Einige Highflyer der Vergangenheit hätten in der Crashwoche nun mal „stärker ausgeatmet“. Die bei ihnen übliche Absicherung des Aktienportfolios, für die sie Spezialisten der Düsseldorfer Quant-Capital einspannen, war allerdings auch noch nicht nötig. Ein Ernstfall sieht also anders aus.

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    Hendrik Leber galt immer als deutscher Value-Papst, als Manager, der Unternehmen mit geringer Verschuldung, einem stabilen Geschäftsmodell zu günstigen Preisen findet. Doch das ist vorbei, outet er sich beim Fondsprofessionell-Kongress in Mannheim vor 400 Zuhörern aus der Branche. Überschrieben und eingeleitet mit dem Flower-Power-Song „New world coming“ von Mama Cass Elliott, offenbart er in seinem Vortrag, dass er sich von der jahrzehntelang praktizierten Lehre seines Vorbildes Warren Buffett entfernt. „Ich darf mich doch ändern“, sagt er trotzig. Die Zukunft liegt für ihn darin, Ideen in der Landwirtschaft, in Biotechnologie, Medizin, künstlicher Intelligenz und Mobilität zu identifizieren und früh zu investieren.

    Dazu müsse er nicht den ganzen Auswahlprozess bei Aktien verändern, aber Bausteine hinzufügen. In seine neue Welt passen etwa Zoetis, das weltweit größte Pharmaunternehmen für Nutztiere, der französische Labor- und Analysespezialist Eurofins und der deutsche Enzymspezialist Brain sowie die Schweizer U-Blox, die Chips für das „Internet of Things“ entwickeln. Noch gebe es nicht für jedes Zukunftsthema passende Aktien, aber „man muss die Trends durcharbeiten“. Leber verabschiedet sich mit dem Song „Wake up everybody“ und dem Bild eines empathischen Pflegeroboters in Form einer Robbe. Bewegend, aber auch verstörend. Manche seiner Kunden seien irritiert, gibt Leber zu. Aber sie lassen ihn machen. Kein Wunder. Mit den Ergebnissen konnten sie immer zufrieden sein.

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