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Von Schwankungen profitieren Welche Long- und Short-Investments sich für Privatanleger lohnen

Long- und Short-Investments Quelle: imago images

Short-Investments, also Leerverkäufe, mit denen Anleger an fallenden Kursen verdienen, sind als gemanagte Fonds verfügbar. Doch die Unterschiede sind groß. Was solche Fonds und ETFs bringen und wo ihre Risiken liegen.

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Die Vorstellung klingt verlockend: Egal, in welche Richtung sich die Aktienmärkte bewegen, mit dem Setzen auf den jeweiligen Trend können Anleger zu jeder Zeit Gewinne machen. Aber was theoretisch auf jeden Fall zu klappen scheint, erweist sich in der Praxis als kompliziert. Nur wenige Aktienfonds, die diesen Anlagestil verfolgen, können damit dauerhaft Erfolge vorweisen.

Die einseitige, althergebrachte und gebräuchlichste Anlagestrategie, auf steigende Kurse zu spekulieren, kann im aktuellen, eher schwierigen Börsenumfeld kaum die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Grundsätzlich sind Aktienmärkte durch ein ständiges Auf und Ab charakterisiert. Angesichts des drohendes Brexits und einer instabileren Weltlage dominieren derzeit eher die Abs. Daher ist es absolut nachvollziehbar, wenn Anleger nach Möglichkeiten suchen, auch bei fallenden Kursen akzeptable Renditen zu generieren oder die bereits erwirtschafteten Gewinne zumindest abzusichern.   

Bis Ende des Jahres 2003 war es Kapitalanlagegesellschaften nicht gestattet, Wertpapiere zu verkaufen, die nicht in ihrem Eigentum waren und so zum Sondervermögen nach § 6 KAGG gehörten. Das änderte sich mit der Zulassung von Hedgefonds, wurde aber kurz nach der Finanzkrise 2008/09 wieder relativiert, indem sogenannte ungedeckte Leerverkäufe erneut verboten wurden.   

Interessante Fondsinvestments mit dem Anlagestil Short/Long

Neben einigen weiteren Vertretern können nur zwei Finanzprodukte mit ihrer Performance ihre Anleger wenigstens einigermaßen überzeugen und auf diese Weise ein für die Fondsgesellschaften zufriedenstellendes Volumen aufbauen: nämlich von UBS und Carmignac.

Malte Heininger, Fondsmanager bei Carmignac, erklärt die Strategie des Carmignac Portfolio Long-Short European Equities, kurz A EUR Acc: „Hierbei handelt es sich um eine Absolute-Return-Strategie, die seit 2016 keine Korrelation zu den zugrundeliegenden Märkten aufgeweist." Stattdessen würden nur eigenwillige und unternehmensbezogenen Faktoren gewertet. Oberstes Ziel einer Absolute-Return-Strategie ist, keine Verluste zu erleiden.

Investments und ihre Performance

"Wir sind derzeit marktneutral oder netto-short positioniert, so dass wir von der diesjährigen Rallye nicht profitieren konnten", räumt Heininger ein. Doch auch wenn sich der Carmignacc-Fonds in der jüngeren Vergangenheit eher schlecht entwickelt hat, könnte er schon recht bald wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. "Die Strategie hat sich nicht geändert und die zukünftige Performance wird vom Erfolg unserer Investment Cases abhängen, allerdings sehen wir derzeit viele spannende Chancen auf der Long- und Short-Seite.“ Die Kursentwicklung auf mittlere Sicht, also drei Jahre, kann sich jedenfalls sehen lassen.

Dagegen beweist der Fonds UBS Equity - European Opportunities Unconstrained (zu deutsch: uneingeschränkt) seine Stärken in der aktuell unsicheren und volatilen Börsenphase. Die Manager des Finanzprodukts, Maximilian Anderl und Jeremy Leung, sind auch weiter optimistisch für ihren Fonds und haben zentrale Anlagebereiche schon ausgemacht: „Wir sehen Aufwärtspotenzial für den IT-Sektor (Software) und Verlustrisiken für die Sektoren Industrie und zyklische Konsumgüter. Wir ziehen Versicherungen gegenüber Banken aufgrund der besseren und stabileren Renditen vor.“

Im Gegensatz zu den UBS- und Carmignac- Fonds hat beispielsweise der Schroder International Selection Fund QEP Global Equity seinen Investoren weniger Freude bereitet. Denn weder auf kurze noch auf mittlere Sicht hat es das Finanzprodukt geschafft, der Verlustzone zu entgehen.

Nahezu sämtlichen Short/Long-Fonds ist eines gemeinsam: Sie sind verhältnismäßig teuer. Sei es wegen eines hohen Ausgabeaufschlags und laufender Kosten oder einer happigen erfolgsabhängigen Gebühr, der sogenannten Performance Fee. Die Fondsgesellschaften begründen die fast schon abschreckende Höhe der Gebühren mit dem intensiven Verwaltungsaufwand.

Mit ETFs Short/Long-Strategien nachvollziehen

ETFs, die wie entsprechende aktiv gemanagte Finanzprodukte am Markt gleichzeitig short/long gehen können, gibt es in der Form nicht. Erfahrende Indexfonds-Anleger haben stattdessen die Möglichkeit, in schwächeren Marktperioden von Long-ETFs auf Short-ETFs zu wechseln. Allerdings gehört hierzu auch eine profunde Kenntnis der Börsenentwicklung und über die Gesetzmäßigkeiten der Märkte. Anleger müssen dafür mehr Zeit aufwenden und konsequent Stopps setzen, um mögliche Verluste begrenzen. Dafür sind die sehr geringen Gebühren ein großes Plus für den Anleger.

Für die meisten Anleger kommen Long/Short-Fonds wohl eher weniger in Frage, weil schnell Verluste auftreten können. Andererseits bieten sie zumindest in Grundzügen ein stabilisierendes Moment im Depot. Interessierte Investoren sollten lieber zwei Mal hinschauen, bevor sie sich für einen bestimmten Fonds entscheiden – und sie danach auch niemals lange aus den Augen lassen.

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