WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Vor Zinsentscheidung der US-Notenbank Die Geldpolitik steht vor dem monetären Endspiel

Seite 2/2

Ein ungemütliches Jahr 2016

Der starke Dollar setzt den exportorientierten Wirtschaftszweigen ebenso zu wie die Nachfrageschwäche in den Schwellenländern. Der niedrige Ölpreis wirkt zwar positiv auf den privaten Verbrauch, macht aber das in den USA verbreitete Fracking deutlich unattraktiver und stellt viele Unternehmen vor ernsthafte Finanzierungsprobleme. Die binnenwirtschaftliche Entwicklung war zwar lange Zeit wesentlich robuster als in anderen Weltregionen und insbesondere dynamischer als in Europa, dabei aber dennoch spürbar schwächer als in früheren Aufschwüngen. Die Gewinne der Unternehmen sinken seit einiger Zeit, was zum Teil die Investitionszurückhaltung erklärt und eher weiter sinkende Beschäftigungszuwächse erwarten lässt. Der vielbeachtete PMI-Index dürfte schon sehr bald unter die kritische Marke von 50 Punkten fallen. Und schließlich: Auch ein vergleichsweise schwacher Aufschwung währt aller Erfahrung nach nicht ewig, und die USA befinden sich bereits im sechsten Aufschwungsjahr.

Chronik der Zinsschritte der US-Notenbank

Gesenkte Prognose

Wir gehen daher davon aus, dass die US-Wirtschaft im kommenden Jahr nur um 1,5 Prozent wachsen wird – mehr als ein Prozentpunkt weniger, als es der aktuelle Konsensus (noch) unterstellt. Die Fed hatte selbst ihre Wachstumserwartungen im Laufe des Jahres sukzessive revidiert. Von der ursprünglichen Prognose von drei Prozent geht sie jetzt nur noch von einem Wachstum zwischen 2,2 und 2,6 Prozent aus. Vor diesem Hintergrund ist nicht mehr davon auszugehen, dass die amerikanische Zentralbank in diesem Jahr noch ihre Zinsen erhöhen wird.

Da auch die Inflation auf absehbare Zeit niedrig bleiben wird, geht sie damit zumindest keine Risiken im Hinblick auf die Preisstabilität ein. Denkbar ist vielmehr, dass die Fed versuchen wird, mit einer neuerlichen Lockerung der Geldpolitik die wirtschaftliche Aktivität auf den Pfad des robusten Wachstums zurückzuführen.

Geldanlage



Eine erste Maßnahme dafür könnte darin bestehen, auslaufende Wertpapiere in ihrem Bestand jeweils zu ersetzen und damit die Bilanzsumme mindestens konstant zu halten. Die Fed würde dann im Jahr 2016 Wertpapiere im Volumen von mehr als 200 Milliarden US-Dollar aufkaufen. Ob man dies schon als QE4-Programm bezeichnen will und ob es weitere Maßnahmen zur geldpolitischen Lockerung geben wird, bleibt abzuwarten.

Ob diesseits oder jenseits des Atlantiks: Die größte Gefahr besteht derzeit für die Zentralbanken in einem tief greifenden Verlust ihrer Glaubwürdigkeit. Wenn die Marktteilnehmer ihr Vertrauen in die Wirksamkeit der Geldpolitik verlieren – und das zeichnet sich bereits ab – droht den Märkten ein ungemütliches Jahr 2016. Gerade für die globalen Aktienmärkte bedeutet das zunehmende Risiken auf Sicht der kommenden sechs Monate.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%