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Währungen Wie lange der Euro noch stark bleibt

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Auf dem Weg zu alter Form?

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS

Wie allerdings passt diese Haltung der Investoren zu dem angeblichen Erfolg der USA? Sind der Euro und Europa tatsächlich auf dem Weg zu alter Stärke? Oder profitiert die Gemeinschaftswährung lediglich kurzfristig von einer Schwächeperiode des Dollar? Steht die Wirtschaft der USA am Ende doch nicht vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, sondern immer noch mit einem Bein in der Intensivstation?

Drei wichtige Faktoren treiben derzeit den Devisenmarkt. Zunächst sind da kurzfristige Daten wie Konjunkturindikatoren. Die sprechen zurzeit eher gegen die USA. Zuletzt war die Stimmung in der Industrie in einigen Regionen unerwartet stark eingebrochen. Vor allem aber enttäuschte der Arbeitsmarktbericht für Januar – die Zahl der neu entstandenen Jobs lag deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Auch die Umsätze der US-Einzelhändler waren im Januar um 0,4 Prozent gesunken.

Der Hauptgrund für die negativen Zahlen ist allerdings nicht fundamental, sondern vorübergehend. Die in den USA herrschende Kältewelle verhagelt der dortigen Wirtschaft ihre Bilanz in den ersten Monaten des Jahres. Ökonomen schätzen, dass die Kälte rund 0,4 Prozent des Wachstums kostet. Aber: „Bereits im Frühjahr wird mit steigenden Temperaturen auch das Wachstum wieder kräftiger anziehen“, erklärt Steven Einhorn vom Hedgefonds Omega Advisors.

Das aktuelle Wetter schwächt also zurzeit die Wirtschaft der USA und damit auch den Dollar – von einer fundamentalen Schwäche kann keine Rede sein. Dieses temporäre Ungleichgewicht spricht zunächst dafür, dass der Dollar gegenüber dem Euro in Kürze zumindest leicht aufwerten wird.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Krise in den Schwellenländern. Erst am Donnerstag warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) erneut vor den Kapitalabflüssen aus Ländern wie Brasilien, der Türkei oder Indien. „Kapitalabflüsse, höhere Zinssätze und eine scharfe Abwertung der Währungen in den sich entwickelnden Volkswirtschaften bleiben ein zentrales Problem“, schreibt der IWF in einem Bericht für das am Wochenende stattfindende G-20-Treffen.

Nicht alle Schwellenländer-Investoren reinvestieren ihr Kapital in den USA, auch der Euro profitiert von den dortigen Mittelabflüssen. Das war bereits zu Beginn der Turbulenzen in den Schwellenländern im vergangenen August der Fall. „Aktuell profitiert eher der Euro von den Abflüssen“, erklärte Christian Apelt, Devisenstratege bei der Helaba, damals gegenüber WirtschaftsWoche Online. Grund war, dass es vor allem europäische Banken waren, die ihr Geld aus Asien und Südamerika abzogen, um es dann in Europa wieder anzulegen.

Der wohl gewichtigste Treiber der Devisenmärkte sind allerdings weiterhin die Notenbanken. Da spricht zunächst einiges für den Dollar. Denn es ist die US-Notenbank Fed, die ihrer lockeren Geldpolitik langsam aber sicher „bye bye“ sagt. Bis Ende letzten Jahres kaufte die Zentralbank noch monatlich Wertpapiere in Höhe von 85 Milliarden Dollar. Mittlerweile hat sie angefangen, die Käufe bei jedem Zinsentscheid um jeweils zehn Milliarden zu reduzieren, im Februar kaufte sie nur noch 65 Milliarden Dollar. Beobachter gehen davon aus, dass die US-Notenbank diese Zehnerschritte beibehalten wird, sie könnte also frühestens ab September ihre Käufe gänzlich einstellen. Auch die am Mittwochabend veröffentlichten Minutes, also die Protokolle der Fed-Sitzung aus dem Januar, belegen diese These.

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