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Währungen Franken, Euro und Dollar wandern in die Blockchain

Blockchain Illustration Quelle: imago images

Weil der Wert von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum stark schwankt, sucht die Branche nach Alternativen. Dafür koppelt sie den Wert neuer digitaler Münzen ausgerechnet an normales Zentralbankgeld.

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Drei Kriterien muss unser Geld erfüllen: Als Recheneinheit dienen, zum Zahlen taugen und seinen Wert stabil halten.

Kryptowährungen wie der Bitcoin tun sich immer noch schwer damit, ihren Wert stabil zu halten, während sie die beiden anderen Kriterien grundsätzlich erfüllen. Doch dass sich der Preis eines Bitcoins binnen eines Tages um zehn Prozent nach oben oder unten verschiebt ist weiterhin keine Seltenheit.

So nutzen Händler, die die Kryptowährung als Zahlungsmittel akzeptieren, meist Dienstleister, die ihnen Bitcoins unmittelbar nach der Zahlung des Kunden in Euro oder Dollar umtauschen. Und auch Start-ups, die Produkte und Dienstleistungen auf Kryptowährungen aufbauen, kämpfen mit der hohen Schwankungsbreite der digitalen Münzen.

Zwar verstehen Anhänger des Bitcoins diesen als Angriff auf die Zentralbanken weltweit. Er soll das Monopol der Geldschöpfung aus den Händen des Staates nehmen, dezentralisieren und in die Hände der Internetnutzer legen.  auch zehn Jahre nach Erfindung des Bitcoins ist er immer noch ein Experiment und keine global akzeptierte Währungsalternative.

Deshalb arbeiten Anhänger der Kryptowährungen nun intensiv daran, digitale Münzen zu schaffen, die ihren Wert stabil halten können. Und koppeln sie an den Wert der staatlich garantierten Währungen. Solche Münzen nennt die Branche Stable Coins.

Das Schweizer Finanz-Unternehmen Bitcoin Suisse hat mit dem Crypto Franc jetzt erstmals den Schweizer Franken in die Blockchain gehoben. Unter dem Kürzel XCHF lässt sich eine digitale Münze, Token, in der Ethereum-Blockchain handeln, die dem Wert des Schweizer Franken entsprechen soll.

Bitcoin Suisse-Gründer Niklas Nikolajsen sagte in einer Mitteilung: „Der Crypto Franc soll vor allem als Liquiditätsinstrument für das Schweizer Blockchain-Ökosystem dienen. So können beispielsweise Bitcoin-Händler damit vorübergehend Gelder in Crypto Francs transferieren. Oder Startup-Unternehmen können Kapital in ihrer Buchhaltungswährung aufnehmen, anstatt volatilere Kryptowährungen zu verwenden.“

Profi-Investoren sollen angelockt werden

Er erwartet auch, dass professionelle Investoren und Banken dank Stable Coins wie dem Crypto Franc schneller bereit sein werden, in den Markt für Kryptowährungen einzusteigen.

Zehn Millionen der Crypto Francs wurden von der Bitcoin Suisse-Tochter Swiss Crypto Token ausgegeben. Auf besonders große Nachfrage stießen sie seit dem ersten Handelstag am 1. November nicht: lediglich fünf Transaktionen listet die Datenbank Etherscan für den XCHF bislang auf.


Doch die Finanzbranche sieht großes Potenzial in den Stable Coins. Das Schweizer Start-up Smart Valor arbeitet nach eigenen Angaben ebenfalls an einem Token, der den Wert des Franken eins zu eins abbildet. Er soll unter dem Namen CHFt auf den Markt kommen. Und auch die Liechtensteiner Union Bank will ihre eigene Kryptomünze ausgeben, die möglicherweise an den Wert des Franken gekoppelt wird.

Diese Münzen sind auch deshalb so wichtig für die Branche, weil sich in den Blockchain-Datenbanken bislang kaum externe Daten integrieren lassen. Das geht nur über Umwege. Digitale Verträge in der Ethereum-Blockchain, die etwa auf den aktuellen Kurs des Franken Bezug nehmen wollen, hatten dazu bislang kaum eine Möglichkeit.

So sichern sich Kryptoanleger mit den Stable Coins nicht nur Stabilität – sondern insbesondere Zugang zu Teilen des regulären Finanzmarktes außerhalb der Blockchain.

Was für den Schweizer Franken jetzt erstmals möglich ist, funktionierte mit dem US-Dollar in der Blockchain schon seit 2015. Ein Start-up namens Tether koppelte seine Münze USDT an den Wert des Dollars. Zunächst existierten diese Münzen nur über das Omni-Protokoll auf der Bitcoin-Blockchain. Mittlerweile hat Tether auch Dollar- und Euro-Tokens auf der Ethereum-Blockchain ausgegeben. Ein Token für den japanischen Yen soll folgen.

Bislang haben rund 2100 Nutzer 26.000-mal Ethereum-Dollar-Tokens überwiesen. Der Euro stößt auf weniger Nachfrage, Etherscan listet lediglich 79 Überweisungen zwischen drei Nutzerkonten auf.

Doch nicht nur geringe Nachfrage ist ein Problem. So stabil wie erhofft sind die Tether-Münzen nicht. Immer wieder zweifeln Investoren daran, dass das Unternehmen für jede digitale Münze auch tatsächlich einen Dollar in ihrem Namen verwahrt. So wurden die USDT-Tokens im vergangenen Jahr mitunter mit einem Abschlag von zehn Prozent gegenüber dem Dollar gehandelt.

Bitcoin Suisse will mögliche Zweifel an seinem Crypto Franc gleich aus dem Weg räumen. Die Reserven für die Tokens würden vollständig in bar gehalten und monatlich vom Buchhalter Grant Thornton geprüft. Auch Tether veröffentlicht stets neue Berichte, die Investoren garantieren sollen, dass die digitalen Münzen mit echten Dollarnoten hinterlegt sind.

Der Transfer von Euro, Dollar und Franken in die Blockchain ist ein wichtiger Schritt für die Branche. Doch er offenbart auch: Ihrem ursprünglichen Ziel, Vertrauen ohne Mittelsmänner zu schaffen, wird die Blockchain immer weniger gerecht.

Stattdessen müssen Anleger und Unternehmer nicht nur der neuen Technologie und einem makellosen Programmcode vertrauen, sondern auch einer stetig wachsenden Zahl an Blockchain-Dienstleistern.

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