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Währungskrise Gold schlägt Papiergeld

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Was ist Gold wirklich?

Goldaktien sind preiswert Quelle: dpa

Nun zur langen Antwort, und die hat es in sich. Das liegt an den Eigenschaften, Verwendungsmöglichkeiten und Besonderheiten des Goldes: Es ist ein knappes, leicht verformbares, wegen der Schmelztemperatur bei 1064 Grad Celsius äußerst hitzebeständiges und sogar gegen Salzsäure resistentes Edelmetall mit extrem hoher Dichte von 19,3, sodass hohe Werte sich auf kleinstem Raum von A nach B transportieren lassen. Gold ist international akzeptiertes Geld, Liquidität, Währungsreserve, Rohstoff, Schmuck, Wertaufbewahrungsmittel, Geldanlage, Versicherung, Notreserve, Schutz vor Inflation und Deflation, Spekulationsobjekt - und Mythos, was bedeutet: ein verherrlichtes Objekt, also nicht allein rational zu begreifen. Das alles trifft mit wechselnden Schwerpunkten seit Jahrtausenden auf Gold zu, und zwar in fünf Erdteilen. Das Edelmetall ist also ein internationaler Dauerbrenner, obendrein sogar ein ganz besonderer, weil ihm kein Staat der Welt – anders als allen sogenannten Papierwährungen wie Euro oder Dollar – Schulden unterjubeln kann.

So kommt es, dass Gold, obwohl zinslos, eine herausragende Rolle als Währungsreserve spielt. Nach aktuellem Stand Ende Oktober 2011, ermittelt durch den Branchenverband World Gold Council, verfügen die USA mit 8133,5 Tonnen über die höchste Menge an sogenanntem offiziellem, von der Notenbank verwaltetem Gold, entsprechend 74,2 Prozent ihrer Währungsreserven. Dahinter rangiert Deutschland mit 3401 Tonnen, das sind 74,7 Prozent der Währungsreserven. Die Besonderheit hier: Der größte Teil des offiziellen deutschen Goldes liegt im Ausland, vor allem bei der Federal Reserve Bank of New York. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Die Reservenstatistik enthält noch eine weitere Besonderheit: In einigen Euro-Ländern denkt man nicht im Traum daran, sich mithilfe von Goldverkäufen zu entschulden. Zum Beispiel in Italien, mit 2451,8 Tonnen, entsprechend 74,4 Prozent der Währungsreserven, die Nummer 4 unter den offiziellen Goldhortern gleich hinter dem Internationalen Währungsfonds. Oder Portugal, 382,5 Tonnen Gold schwer, das sind sogar 89,1 Prozent der Währungsreserven. Nicht zu vergessen Griechenland mit 111,5 Tonnen, 82,1 Prozent der Währungsreserven.

China liegt mit 1054,1 Tonnen zwar schon auf Rang 6, aber das ist im Verhältnis zu den überwiegend in US-Dollar gehaltenen Währungsreserven ein Klacks von gerade mal 1,6 Prozent. Wer das Geschehen in dem Land seit längerer Zeit verfolgt, dürfte allerdings registriert haben, dass die chinesische Regierung ihre Bevölkerung vor einigen Jahren massiv aufgefordert hatte, Gold zu kaufen - was die Chinesen denn auch in großem Umfang taten. China ist inzwischen nicht nur der weltweit größte Goldimporteur, sondern auch der führende Goldförderer.

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    Negative Realzinsen sprechen für Gold

    Unter Berücksichtigung der offiziellen und privaten Goldkäufe entfallen zurzeit auf China und Indien zusammen etwa 60 Prozent der globalen Nachfrage. Hierfür ausschlaggebend ist, abgesehen von währungsstrategischen Interessen, die zweistellige Inflation. Während  China zum Beispiel in schöner Regelmäßigkeit eine zwar steigende, aber weit unter 10 Prozent liegende Preissteigerungsrate veröffentlicht, behauptet der mit den chinesischen Gepflogenheiten bestens vertraute Investor Marc Faber: „Tatsächlich beträgt sie 10 bis 15 Prozent.“ Mit den indischen Preissteigerungen verhält es sich ähnlich. Das heißt, die Nominalzinsen für Geldanlagen in den Währungen Yuan und Rupie müssten zweistellig sein, damit die Realzinsen, also Nominalzinsen abzüglich Preissteigerungen, nicht ins Minus rutschen – auf Dauer unmöglich, ohne dass die Wirtschaft kollabiert. Also lieber Gold ohne Zinsen als Papiergeld mit negativen Realzinsen.

    Wer indes glaubt, Europa und die USA stünden mit ihren viel niedrigeren Inflationsraten besser da, irrt sich. Denn die Zinsen auf Euro- und Dollar-Anlagen sind aktuell lächerlich gering, die Inflationsraten liegen darüber. Und wo die Renditen von Staatsanleihen, wie in Griechenland oder Portugal, bereits zweistellige Sätze erreicht haben, sind sie in Gefahr. Abgesehen davon muss man die europäischen und erst recht die amerikanischen Inflationsraten, wie sie uns serviert werden, mit Vorsicht genießen, weil sie hedonisch berechnet werden. Ein typisches Beispiel für den statistischen Trick mit der Hedonik: Computer mit doppelter Rechnerkapazität fließen als Preishalbierung in die Statistik ein.

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