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Währungsreserven Warum die Staaten mehr Gold brauchen

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Misstrauensvotum der Schwellenländer

Goldbarren liegen im Tresor der Schweizerischen Nationalbank in Bern Quelle: AP

Vor allem europäische Notenbanker sahen immer weniger Bedarf, Goldreserven zu halten. Weil der Goldpreis in den Achtziger- und Neunzigerjahre eh nur gefallen war, verkauften sie Gold aus ihren Beständen. Gerechtfertigt wurden die Verkäufe damit, dass das Gold den Notenbanken und damit den Staaten keine laufenden Erträge und keine Wertsteigerung bringe. Die Notenbanken Großbritanniens, der Schweiz und der Niederlande gehörten zu den größten Verkäufern. Heute müssen sie sich peinliche Fragen gefallen lassen, warum sie zwischen 1999 und 2004 zusammen 56 Millionen Unzen zu Tiefstpreisen verscherbelt haben.

Bestandsveränderungen der offiziell ausgewiesenen Goldreserven von Zentralbanken, IWF und BIZ Quelle: IWF, WGC

Steigende Bestände

Seit 2009 steigen die Goldbestände der Notenbanken wieder, per saldo um 34 Millionen Unzen. China, Russland, Indien – vor allem Schwellenländer gehörten zu den großen Käufern. Experten sehen in den Goldkäufen der Schwellenländer ein Misstrauensvotum gegen die großen Reservewährungen. Aktuell halten die internationalen Notenbanken im Schnitt ein Achtel ihrer Währungsreserven in Gold. Russland und Indien haben ihre Quoten in diese Richtung erhöht. Wollten China und Brasilien ihre auch dorthin bringen, müssten sie ihre Reserven um insgesamt 240 Millionen Unzen aufstocken (siehe Tabelle).

Goldreserven und Golddeckung der Staaten

Wie viel zusätzliches Gold die Länder mit den größten Währungsreserven benötigten, damit der Goldanteil an ihren Reserven den internationalen Durchschnitt von 12,7 Prozent erreichte¹
LandGoldreservenWährungsreserven inkl.Golddavon Goldtheoretischer Zusatzbedarf
in Mio. Unzenin Mrd. $in Mrd. $in Mio. Unzenin Mrd. $
China33,956,13 237,3

1,7 %

214,4354,1
Japan24,640,71 262,8

3,2 %

72,2119,3
Saudi-Arabien10,417,2560,8

3,1 %

32,653,9
Brasilien1,11,8356,7

0,5 %

26,343,4
Südkorea1,82,9318,7

0,9 %

22,737,5
Hongkong0,10,1294,8

0,0 %

22,537,2
Taiwan13,622,5416,9

5,4 %

18,430,4
Singapur4,16,8253,8

2,7 %

15,425,4
Russland28,447,0503,6

9,3 %

10,216,9
Malaysia1,21,9131,4

1,5 %

8,914,7
Algerien5,69,2187,5

4,9 %

8,814,5
Thailand4,98,1177,9

4,6 %

8,714,4
Mexiko3,45,6154,2

3,7 %

8,413,9
Indonesien2,43,9115,9

3,4 %

6,510,8
Indien17,929,7289,3

10,3 %

4,37,0
Polen3,35,597,1

5,6 %

4,16,8
Dänemark2,13,581,7

4,3 %

4,16,8
Libyen4,67,7104,8

7,3 %

3,45,6
Philippinen5,18,486,2

9,8 %

1,52,5
Türkei6,410,689,8

11,8 %

0,50,8

Alle Länder²

899,9

1.490,4

11.756,90

12,7 %

Euro-Zone³346,8574,4784,9

73,2 %

USA261,5433,1479,6

90,3 %

Schweiz33,455,4326,5

17,0 %

Großbritannien10,016,574,3

22,2 %

¹ auf Basis von 1652,20 Dollar pro Feinunze; ² aktueller Wert der Goldbestände von IWF (149,8 Milliarden Dollar) und BIZ (6,3 Milliarden Dollar) nicht eingerechnet; ³ einschließlich EZB; Quelle: Bloomberg, IWF, WGC, eigene Berechnungen
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Schwache Notenbank-Bilanzen

Länder, die ihre Goldreserven erhöhen, sind oft jene, die keinen freien Wechselkurs zulassen. China zum Beispiel verkauft permanent Renminbi gegen Dollar, hält die Dollar aber nicht in Münzen und Noten, sondern in US-Staatsanleihen. Entsprechend baut sich Peking so ein Kreditrisiko auf. Um das zu reduzieren, bleibt ihnen eigentlich nur Gold, sagt Merath von Credit Suisse. Raphael Dubois, Rohstoff- und Goldfondsmanager der französischen Privatbank Edmond de Rothschild, erwartet, dass die ersten Notenbanken ihre Bilanzen durch den Zukauf von Gold wieder verbessern wollen.

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