Wald-Investments "Zweifelhafte Kundengewinnung beherrscht den Markt"

Harry Assenmacher, Gründer von ForestFinance, beschäftigt sich seit 1995 mit ökologischen Forstprojekten, die auch für Anleger taugen - und ärgert sich über viel Unseriösität in seiner Branche.

Harry Assenmacher, Geschäftsführer von ForestFinance, einer Gesellschaft, die Investitionen in neu gepflanzte Wälder anbietet Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Assenmacher, im Internet findet sich haufenweise Werbung mit Renditeversprechen von zwölf oder 13 Prozent pro Jahr bei einem Investment in Holz. Geht das tatsächlich?

Harry Assenmacher: Die beworbenen Renditen werden vielfach mit oberflächlichen Argumenten beworben. Zudem wird der Eindruck erweckt, dass die hohen Renditen ganz einfach zu erzielen wären. Es ist aber nicht so einfach, einen Wald oder eine Plantage zu bewirtschaften. Das erfordert sehr viel Know-how und Erfahrung. Angefangen von der Auswahl der Fläche und den Bedingungen im jeweiligen Land, bis hin zur Art und Qualität der Setzlinge, vom eigentlichen Forstmanagement und der Pflege mal abgesehen. Dagegen ist ein Solarfonds, der den immer gleichen Herstellungsprozess wiederholt, richtig einfach – und das Ergebnis ist einfach zu berechnen. Bei einem Waldinvestment spielen sehr viele Faktoren eine Rolle.

In den Werbemaßnahmen klingt es weder kompliziert noch unlogisch. Was stimmt da nicht?

Hier werden zum Teil sehr vereinfachte Investmentgeschichten gemalt. Jeder Einzelfaktor in diesen Geschichten ist für sich genommen nicht falsch, aber in der Summe ergibt sich ein falsches Bild. Da werden Statistiken bemüht, nach denen soundso viel Teakbäume auf einem Hektar Wald wachsen können, die dann eine gewisse Kubikmeterzahl Teak ergeben, multipliziert mit einem Teakholzpreis von irgendeinem regionalen Markt ergibt sich dann eine bestimmte, hohe Rendite. Aber das ist Theorie und entspricht nicht der Realität in der Forst- und Waldwirtschaft.

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Und wie sieht die Realität aus?

Wir prognostizieren für unsere Wälder Renditen von null bis zu etwa zehn Prozent Rendite – je nach Waldgebiet. Zehn Prozent sind tatsächlich möglich, aber auch das Maximum mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit. Wir halten sechs Prozent Rendite im Durchschnitt für die weitaus realistischere Prognose – und für eine ordentliche Rendite. Man darf das nicht mit Zinsrenditen von Staatsanleihen vergleichen. Hier haben sie es mit der Erzeugung einer Handelsware zu tun, die einem natürlichen biologischen Herstellungsprozess mit deutlichen Schwankungen unterliegt.

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Stimmen denn die Prognosen, dass der Holzpreis langfristig steigen wird?

Es ist schon richtig, dass der Holzbedarf unter anderem mit der Zunahme der Weltbevölkerung zunimmt, die Anbauflächen eher abnehmen und deshalb langfristig die Preise für Holz steigen sollten. Aber bei diesem Argument wird gern unterschlagen, dass mehr als 80 Prozent der weltweit produzierten Holzmenge immer noch Brennholz ist. Auch da liegt die Tücke im Detail. In den Werbeversprechen gibt es viele Aussagen, die einzeln betrachtet zutreffen im Kontext dann aber einfach falsch sind. Es gibt zum Beispiel auch nicht nur einen Preis für eine Holzart. Der Festmeter Teak kann mal 200 Dollar kosten, und ein anderes mal 2000 Dollar. Das hängt einerseits von der Holzqualität und andererseits auch sehr stark von lokalen und regionalen Märkten ab.

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Wir verkaufen beispielsweise das Teakholz aus einem Waldstück in Panama quasi am Straßenrand direkt an asiatische Holzhändler. Die zahlen uns einen Preis, der sogar 15 Prozent über unseren Prognosen liegt. Hintergrund: In Asien wird viel mehr Teak benötigt, als die bereits abgeholzten heimischen Teakwälder noch hergeben. Aber das ist eine lokale Momentaufnahme und muss schon 500 Kilometer weiter nicht mehr zutreffen, weil dieser Aufkäufer dort nicht arbeitet.

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