WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Waldinvestment Geld verdienen auf dem Holzweg

Seite 3/3

Lohnt sich ein Waldinvestment

So mancher Anleger könnte angesichts der Entwicklung dennoch auf die Idee kommen, sein Geld in Bäume zu investieren. Das ist auch grundsätzlich möglich, aber leider alles andere als problemlos. „Wald verkauft man nicht, man vererbt ihn“, heißt es unter den von alten Adelsgeschlechtern dominierten privaten Waldeigentümern.
Daher stehen wenn überhaupt vorwiegend kleine Waldflächen zum Verkauf. Zudem sind die Quadratmeterpreise deutlich gestiegen. Mancherorts haben sie sich von 20 bis 30 Cent auf ein bis zwei Euro erhöht. Erfahrene Besitzer größerer Waldflächen halten sich daher mit Zukäufen vielerorts zurück. Für ein einträgliches Waldinvestment gilt eine Größe von etwa 75 Hektar als Untergrenze, davon leben kann ein Investor laut AGDW ab einer Größe von 250 Hektar. Wer dafür mehrere kleine Parzellen erwerben muss, erhöht allerdings seinen Aufwand für die Bewirtschaftung.

Hinzu kommt, dass ein Investment und die anschließende Bewirtschaftung kompliziert und aufwändig sind. Ob ein Wald ausreichend Rendite abwirft, hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen von Güte, Alter und Art des Baumbestandes. Während die Holz verarbeitende Industrie überwiegend Nadelholz nachfragt, ist für die Verbrennung vorrangig Laubholz gefragt. Ein Holzeinschlag lohnt zudem nur, wenn die Bäume eine stattliche Größe erreicht haben. Dazu benötigt ein Baum jedoch je nach Standort und Baumart mindestens 20 Jahre, hierzulande oft auch 100 Jahre. Für das schnelle Geld ist ein Waldinvestment daher nicht geeignet.

Vererbbares Vermögen mit Inflationsschutz

Wer allerdings auf vererbbares Vermögen mit einem brauchbaren Inflationsschutz setzen möchte, kann durchaus mit einem Waldstück liebäugeln. Wer im Internet nach Waldgrundstücken sucht wird selbst bei Ebay fündig, aber auch auf Immobilienportalen wie immoscout24.de oder immowelt.de. Noch besser sind allerdings spezialisierte Vermittler wie zum Beispiel ackerwaldundwiese.de.

Beim Kauf gilt es aber, viele Dinge zu beachten. Zum einen schlagen Kaufnebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notar oder die Erstellung eines Forstbetriebswerkes zu Buche. Beim Forstbetriebswerk handelt es sich um eine Dokumentation des Baumbestandes, seines Zustandes und eine Prognose seiner nachhaltigen Verwertbarkeit für die kommenden zehn bis 20 Jahre. Seriöse Anbieter bieten ein Waldstück nur mit Forstbetriebswerk an.

Schließlich ist der Aufwand für eine sinnvolle Bewirtschaftung nicht unbeträchtlich. Daher ist auch zu prüfen, ob hinreichend Wirtschaftswege zur Verfügung stehen und das Gelände den Einsatz von Maschinen überhaupt zulässt. Ist der Boden zu weich oder nass, oder das Waldstück an steilen Hanglagen, wir der Einsatz von Transportfahrzeugen zum Beispiel unmöglich.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Schwer kalkulierbare Risiken

Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die Risiken eines solchen Investments. Schädlingsbefall, Sturmschäden oder auch Waldbrände können schnell zu Verlusten führen. Vor allem mit Blick auf den doch sehr langfristigen Anlagehorizont spielen solche Risiken eine bedeutende Rolle. Hinzu kommt, dass die gestiegenen Brennholzpreise auch immer häufiger Diebe auf den Plan rufen. Waldbesitzer, den schon ganze Lastwagenladungen geschlagenen Holzes entwendet wurden, statten mittlerweile vereinzelt Bäume mit GPS-Sendern aus, die Alarm schlagen, wenn sich der präparierte Baumstamm bewegt. Allerdings kostet nur eins der Geräte bereits 500 Euro.

Passende Investmentvehikel wie Fonds oder Zertifikate auf den Holzpreis gibt es für den heimischen Wald leider nicht. Genussrechte oder Mittelstandsanleihen wie vom Pellet-Hersteller German Pellets locken zwar mit hohen Renditen – German Pellets hat drei Jahre in Folge acht Prozent ausgeschüttet. Allerdings gibt es hierfür keinen Kapitalschutz. Ist das Unternehmen insolvent, greift keine Garantie oder Sicherungsfonds. Zudem ermittelt gegen German Pellets seit geraumer Zeit die Staatsanwaltschaft - unter anderem wegen Kreditbetruges.

Fonds oder Genussrechte gibt es sonst überwiegend für Forstprojekte im fernen Ausland. Sie sind somit nur schwer kontrollierbar, die Ausschüttungen erfolgen oft erst nach 15 Jahre oder mehr. Zudem schlagen die Managementgebühren oft ordentlich zu Buche. Selbst transparente und schon etablierte Anbieter wie Forest Finance aus Bonn sind deswegen zuletzt in die Kritik geraten. Darüber hinaus tummeln sich viele schwarze Schafe in diesem Geschäft und sammeln Millionen von Anlegern mit überzogenen Renditeversprechen und nur vagen Erfolgsaussichten ein.

Wertvolle Immobilie mit Flair

Wer Wald direkt und vor Ort erwirbt, kauft hingegen eine Immobilie und ein Stück Natur, das auch der Erholung oder als Hobby dienen kann. Ein Stück Wald kann hinsichtlich Werterhalt und Inflationsschutz sowie in punkto Vererbbarkeit des immobilen Vermögens an die nächste Generation durchaus attraktiv erscheinen. Auch der Eigenbedarf an Brennholz lässt sich so günstig decken. „Wald ist ein wunderschönes Investment, bei dem man sogar sein Seele baumeln lassen kann“, schwärmt auch Rolland vom Waldeigentümerverband AGDW. „Wald ist gelebter Generationenvertrag. Die emotionale Bindung an den Wald ist bei vielen Waldeigentümern sehr groß.“

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%