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Weg von Emerging Markets Diese Trends dominieren 2014 die Fondsbranche

Exklusiv
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Nur wenige glauben noch an Asien

Hier ist die Luft raus
ChinaChinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent, das war weniger als im Vorquartal und blieb auch unter der Analystenprognose von acht Prozent. "Die allseits erhoffte Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität in China blieb trotz großzügiger Kreditvergabepolitik aus", sagten Experten. Nun mehren sich die Sorgen, dass die asiatische Konjunkturlokomotive an Schwung verliere, erklärten die Analysten der National-Bank die Reaktion an den Finanzmärkten. Das schwächere Wirtschaftswachstum Chinas hat bereits die Anleger an den Finanzmärkten vergrault, Verschärfungen im Immobiliensektor und eine höhere Inflation führten zu einem Kursrückgang chinesischer Aktien. Moody's senkte den Ausblick für die Chinas Kreditwürdigkeit von positiv auf stabil, woraufhin sich Kupfer und Öl deutlich verbilligten, da Investoren eine schwächere Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fürchteten. Quelle: Reuters
BrasilienBrasilien war 2012 ein beliebtes Investitionsziel: Anleger brachten insgesamt 65,3 Milliarden Dollar in das lateinamerikanische Land. Trotzdem nahm das Wachstum über das gesamte Jahr 2012 um 0,9 Prozent ab. Nur im letzten Quartal stieg das Wachstum um -1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den ersten beiden Monaten 2013 gingen daraufhin die Zuflüsse von neun Milliarden Dollar im selben Zeitraum des Vorjahres auf 7,5 Milliarden Dollar zurück. Auch die Kurse brasilianischer Aktien gingen wegen des schwächeren Real, der höheren Arbeitslosigkeit, der Inflation und des relativ geringeren BIP-Wachstums auf Talfahrt. Quelle: dpa
IndienDie Reserve Bank of India (RBI) hat ihre Wachstumsprognose für 2013 von 5,8 Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt. Behalten die Experten Recht, wäre das die niedrigste Wachstumsrate seit 2003. Schon 2012 hatte das Bruttoinlandsprodukt unter der schwächelnden Landwirtschaft und der Schwäche im Dienstleistungssektor zu leiden. Das BIP-Wachstum Indiens ging von 5,3 Prozent im dritten auf 4,5 Prozent im vierten Quartal zurück. Hoffnung ruht jetzt auf dem Vorhaben der Zentralbank, die Richtlinien für Banklizenzen an private und öffentliche Gesellschaften zu vereinfachen. Dadurch könnten weitere Banken gegründet werden. Quelle: AP
Südafrika2012 ist die südafrikanische Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, nach 3,5 Prozent im Jahr 2011. Die Kapitalzuflüsse ausländischer Investoren (foreign direct investments) nahmen im Jahr 2012 sogar um 24 Prozent ab. Mit Kapitalzuflüssen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar war das das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 2010. Grund für das rückläufige Wachstum und die daraus resultierende Investorenflucht sollen hohe Treibstoffpreise, Inflation, eine Abwertung des Rand sowie eine schwächere Auslandsnachfrage nach südafrikanischen Exporten sein. Dementsprechend senkte die südafrikanische Regierung auch für 2013 die Prognose: Statt 3,0 Prozent soll das BIP nur um 2,7 Prozent wachsen. Quelle: dpa
TürkeiIn der Türkei schwächelt die Binnennachfrage. Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2012 betrug nur noch 2,2 Prozent - das ist der niedrigste Wert seit 2009. In den Jahren 2010 und 2011 erzielte die Türkei noch Wachstumsraten von neun Prozent. Quelle: AP
RusslandAuch in Russland fiel das Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit 2009 zurück: 2012 erreichte das BIP-Wachstum nur 3,4 Prozent. 2011 waren es noch 4,3 Prozent Wachstum gewesen. Analysten hoffen auf die rund 30 Wirtschaftsabkommen, die die russische Regierung mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping geschlossen hat. Energielieferungen und Militärtechnologie könnten die Wirtschaft beider Länder ankurbeln. Quelle: AP
SüdkoreaInsgesamt ist das südkoreanische BIP im Jahr 2012 um zwei Prozent gewachsen - das ist das schlechteste Ergebnis seit 2009. Schuld an der vergleichsweise mauen Entwicklung sind die schwachen Exportzahlen, der unerwartet schwache globale Aufschwung und geringere Investitionen. Auch 2013 soll es nicht viel besser werden: Das Finanzministerium senkte seine Wachstumsprognose von 3,0 auf 2,3 Prozent. Quelle: AP

Schließlich hießen die Lieblinge der Investoren die letzten fünf Jahre lang Asien und BRIC-Staaten. Damit ist aber vorerst Schluss, so der Experte: "Die Performance in Asien und den Emerging Markets waren in den letzten zwölf bis 18 Monaten im Vergleich zu den Entwickelten Märkten eher schwach", sagt er. "Auch bei den Renten ging es in Asien und den Schwellenländern im letzten Jahr um 45 Prozent zurück."

Und auch der MSCI Emerging Markets Index fiel um 1,5 Prozent auf Dollar-Basis zurück. Außerdem gingen einige Schwellenmarktwährungen in die Knie, weil Anleger rund um den Globus negative Auswirkungen von Kapitalabflüssen befürchteten. So ließen viele ihre Finger vom indonesischen Rupiah und dem brasilianische Real und auch aus Indonesien, Thailand, Kolumbien und Peru zogen sich Investoren zurück.

Die Rendite bei Investments in diesen Ländern lag im vergangenen Monat nur noch bei durchschnittlich 1,8 Prozent. Diese Zurückhaltung sei allerdings kein langfristiger Trend, auf den Märkten sei schließlich Bewegung, so Michel.

Deutsche Aktienfonds

Dagegen rechnen nur acht Prozent der Teilnehmer der Fondsumfrage mit schlechten Entwicklungschancen für europäische Titel. 92 Prozent gehen von einem gutem bis sehr gutem Absatzpotenzial aus. Auch bei Papieren deutscher Unternehmen sind die Anlageexperten optimistisch: 82 Prozent rechnen mit einer guten bis sehr guten Entwicklung bei Siemens, Daimler & Co. Und auch den US-Aktien stellen 80 Prozent der Fondsgesellschaften gute bis sehr gute Absatzmöglichkeiten in Aussicht. "Deutschland, Europa und Nordamerika haben stark zugelegt", begründet Michel den plötzlichen Optimismus.

Mark Mobius, 76, fliegt 330 Tage im Jahr für seinen Arbeitgeber, den US-Fondsriesen Franklin Templeton, durch die Welt - um Fonds zu vermarkten und in Schwellenländern Investmentchancen aufzuspüren. Quelle: REUTERS

Andere Fondsmanager sind dagegen weiterhin überzeugt von den Anlagechancen in den Schwellenmärkten. So sagt der berühmte Fondsmanager Mark Mobius von Franklin Templeton Investments, dass sich viele Investoren - vor allem aus Industrienationen - gar nicht darüber im Klaren seien, welchen Einfluss diese Märkte auf die Weltwirtschaft haben. "Es siedeln sich immer mehr Großkonzerne in Schwellenmärkten an und dieser Trend wird sich meiner Meinung nach fortsetzen", so Mobius in seinem Investment-Blog.

Das bestätigt auch Michel von Feri EuroRating: "Das Wachstum findet in den Emerging Markets statt. Das ist beispielsweise für VW oder Daimler toll, die vor Ort produzieren." Er sagt aber auch, dass es bei der Haltung der befragten Fondsgesellschaften nicht darum ginge, "dass die Anleger die Emerging Markets nicht mögen, es geht mehr um einzelne Unternehmen und deren Entwicklung."

Auch die Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey glaubt an die Märkte in Asien und Lateinamerika. Laut einer Studie der Berater wird der Anteil an Schwellenmarktunternehmen unter den 500 umsatzstärksten Konzernen der Welt auf über 45 Prozent ansteigen. Im Jahr 2000 betrug er nur fünf Prozent. "Schwellenmarktaktien haben einen größeren Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung als viele ahnen. Sie machen etwa 35 Prozent des Gesamtmarkts aus. Meiner Meinung nach verpassen viele Anleger attraktive Anlagechancen, wenn sie es versäumen diese Trends zu erkennen und ihren Anlagehorizont entsprechend zu erweitern", ist Mobius deshalb überzeugt.

Wenn er sich kurzfristig für asiatische Aktien entscheiden müsste, würde Fondsexperte Michel auf japanische Papiere setzen. "Japanische Aktien sind überraschend gut gelaufen", sagt er. "Japan ist quasi der Phoenix aus der Asche." Das sei deshalb so überraschend, weil sich der japanische Markt so gut entwickelt "und zeitweise 40 Prozent Plus gemacht" habe. Dennoch sei bei den Fondsgesellschaften weiter Optimismus da, dass die positive Entwicklung anhalten werde. So gehen 45 Prozent der befragten Gesellschaften von einem guten Absatzpotenzial der Papiere aus, fünf Prozent rechnen sogar mit sehr guten Chancen.

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