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Windparkbetreiber Prokon wird weitergeführt - Niederlage für Ex-Chef Rodbertus

Während Prokon-Gründer Carsten Rodbertus eine einstweilige Verfügung kassiert, beschließen Gläubiger und Insolvenzverwalter, das Unternehmen weiterzuführen. Welche Möglichkeiten Anleger jetzt haben.

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Der ehemalige Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus (r) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Quelle: dpa

Carsten Rodbertus ist keiner, der schnell aufgibt. Der ehemalige Chef und Gründer des Windparkbetreibers Prokon wollte sich trotz der Insolvenz seines Unternehmens die Zügel nicht aus der Hand nehmen lassen. Sein Plan: auf einer Gläubigerversammlung am 22. Juli wollte sich Rodbertus zum Interessenvertreter der Genussscheininhaber wählen lassen.

Dafür gründete Rodbertus extra die "Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von PROKON". Diese soll die Zerschlagung Prokons verhindern. Auf der Homepage wirbt Rodbertus: " Wenn Sie die Zerschlagung [...] nicht wollen, sondern wie wir eine Sanierung [...] anstreben, kommen Sie am 22.07.2014 nach Hamburg oder übersenden Sie uns ihre Vollmacht".

Prokon: Die Sicht der Bafin

Anlegervertreter wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) oder die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) halten das für Absurd. Schließlich habe Rodbertus das Unternehmen selber in die Insolvenz geführt - das passt nicht recht zum Amt eines Interessenvertreters der Anleger. Prokon musste im Januar einen Insolvenzantrag stellen. Rodbertus hatte viele Anleger mit dem Versprechen auf hohe Renditen und Investitionen in eine umweltgerechte Energieversorgung für sich gewonnen. Die versprochenen Renditen konnte Prokon aber nicht erwirtschaften; das Unternehmen ist zahlungsunfähig und überschuldet.

Einstweilige Verfügung

Auf dem Weg zu seinem angestrebten Amt als Lobbyist der Genussrechteinhaber muss Rodbertus nun allerdings eine Niederlage in Kauf nehmen. Denn das Landgericht Hamburg erließ eine einstweilige Verfügung gegen Rodbertus und drei seiner Mitstreiter. Beantragt worden war die Verfügung, welche WirtschaftsWoche Online vorliegt, vom Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin.

Damit ist es Rodbertus und seinen Kollegen untersagt, die Bezeichnung "Prokon AG" oder "Prokon Arbeitsgemeinschaft" zu verwenden. Zuvor hatte er mit seiner Arbeitsgemeinschaft den Eindruck erweckt, auch diese gehöre zur Prokon Unternehmensgruppe. Diese Irreführung der Anleger soll damit unterbunden werden. Im Antrag auf einstweilige Verfügung heißt es: "Die Antragsgegner präsentieren sich als Hilfesteller der Genussrechtsinhaber der Schuldnerin
in den laufenden Insolvenzverfahren". Dort würden unter anderem Aussagen über die finanzielle Situation von Prokon getroffen. Außerdem ähnele das Erscheinungsbild der Homepage dem von Prokon erheblich. Ursprünglich war Rodbertus' Arbeitsgemeinschaft unter der Internetadresse www.prokon-ag.de zu finden, mittlerweile ist sie umgezogen auf www.rodbertus.com.

Zudem richtet sich der Antrag auf Unterlassung gegen die Werbemaßnahmen, die Rodbertus und seine Kollegen gegenüber den Genussrechteinhabern anwenden. Dies sei in der Öffentlichkeit sehr präsent, zudem würden Rodbertus und seine Mitstreiter zum Ausdruck bringen, dass sie "Maßnahmen und Ziele des Antragstellers (Insolvenzverwalter Penzlin, d. Red.) für nicht tragbar halten", heißt es in dem Schreiben.

Szenarien für Anleger

Penzlin selber erklärt, er habe zwar bereits im März von Rodbertus' Plänen erfahren, eine Genossenschaft zu gründen, aber erst Ende April von der Internetseite und der geplanten Interessenvertretung Kenntnis bekommen. Zumindest bis März haben Rodbertus und Penzlin entsprechend mehr oder weniger zusammen gearbeitet. Rodbertus warf Penzlin allerdings schon länger vor, Prokon zerschlagen zu wollen. Das dem nicht so war, zeigt die neueste Entwicklung bei Prokon.

Denn das insolvente Windenergie-Unternehmen soll weitergeführt werden. Darauf haben sich am Donnerstag drei große Gruppen von Gläubigern zusammen mit dem Insolvenzverwalter in einer gemeinsamen Besprechung verständigt.

Es sei nicht beabsichtigt, Prokon zu zerschlagen und die Windparks in Deutschland und Polen zu verkaufen. Das Unternehmen solle vielmehr durch einen Insolvenzplan saniert werden, den die Gläubigerversammlung am 22. Juli beschließen muss.
An der Besprechung hätten Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin, die „Freunde von Prokon“, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) teilgenommen, heißt es in einer Mitteilung.

Sie seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fortführung der Prokon Regenerative Energien GmbH für die Gläubiger von Vorteil sei. Rund 75 000 Anleger haben Prokon rund 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt. In dem Insolvenzplan sollen nun verschiedene Optionen für die Anleger eröffnet werden. Darauf haben sich die Gläubigergruppen und der Insolvenzverwalter geeinigt. Was für Anleger vorgesehen ist:

- eine Eigenkapitalkomponente für Anleger, die ihre Genussrechte in Eigenkapital wandeln und so Gesellschafter von Prokon werden wollen;

- die Umwandlung eines Teils der Genussrechte in eine handelbare Anleihe, um denjenigen Anlegern, die nicht investiert bleiben wollen, eine Möglichkeit zum Ausstieg zu bieten;

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- eine Barzahlung aus den Verkaufserlösen der Unternehmensteile und Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft von Prokon gehören. Dabei sollen die Anleger auch die Möglichkeit erhalten, das Geld im Unternehmen zu belassen und so weiteres Eigenkapital zu erwerben.

Prokon hatte vor allem Windparks geplant und gebaut, ist aber als Eigentümer oder Kreditgeber auch an verschiedenen anderen Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. Penzlin hatte Anfang Mai eine Insolvenzquote von 30 bis 60 Prozent angekündigt. Andersherum gesagt: Die Anleger verlieren 40 bis 70 Prozent ihres Kapitals. Bei Prokon sollen rund 300 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

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