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Wirtschaft im Weitwinkel

2018 wird das Jahr der Notenbanken

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Die Welt hat 233 Billionen Dollar Schulden

In Folge der niedrigen Zinsen und Renditen ist die Verschuldung deutlich gestiegen. Nach Zahlen des Institute of International Finance (IIF) ist in den vergangenen zehn Jahren die weltweite Verschuldung um 56 auf jetzt 233 Billionen US-Dollar gestiegen. Dabei ist die Verschuldung aus globaler Sicht hauptsächlich bei Staaten und Unternehmen gestiegen. Diese wachsende Verschuldung war ein wichtiger Treiber für das Wachstum. Das kräftige Wachstum hat uns zugleich auch vor dem Aufbau einer Schuldenblase bewahrt, denn in Prozent des Bruttoinlandprodukts ist die Verschuldung zuletzt sogar gefallen.

Die niedrigen Renditen hatten aber noch weitere Effekte. Die Risikoneigung der Investoren wurde massiv gesteigert. In der Folge sind die Aktienmärkte kräftig gestiegen und der Markt für Unternehmensübernahmen nahm Fahrt auf. Dabei wurden die Bewertungen bislang aber nicht zu teuer, da die Gewinne der Unternehmen sich ebenfalls sehr gut entwickelt haben.

Global betrachtet ist das also ein perfektes Szenario. Auf der Ebene der Länder gibt es allerdings ungünstige Verzerrungen, wie zum Beispiel der Aufbau der Rentenlücke in Deutschland.

Die Basis dieses Wirtschaftswachstums hat sich in den vergangenen Jahren verbreitert und ist damit auch stabiler geworden. Aber wie groß aktuell die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von den niedrigen Zinsen und Renditen ist, kann man nicht mit Gewissheit sagen. Die fehlende Inflation deutet jedoch darauf hin, dass die Abhängigkeit größer ist, als die robusten Wachstumsraten suggerieren.

Diese Ungewissheit ist das größte Problem der Notenbanken. Wenn man die Abhängigkeit unterschätzt und die Zinsen zu schnell anhebt bringt man das Kartenhaus zum Einsturz und die globale Wirtschaft kann schnell in einer Rezession enden. Wenn die Notenbanken die Abhängigkeit überschätzen, handelt man zu zögerlich und lässt eine starke Inflationsdynamik zu. Wenn die Notenbanken ihre Glaubwürdigkeit bewahren wollen, müssen sie dann die Zinsen sehr schnell anheben. Auch dies bringt erhebliche Risiken für das Wachstum und die Kapitalmärkte mit sich.

Gutes Timing ist gefragt

Die Notenbanken müssen also genau das richtige Timing und die richtige Dosierung an Zinsanhebungen finden. Dabei wird man sicherlich zögerlich vorgehen und in Zweifel lieber etwas mehr Inflation in Kauf nehmen. Zudem scheint sich eine gewisse globale Arbeitsteilung zwischen den Notenbanken abzuzeichnen. Die US Notenbank versucht, dem globalen Kapitalmarktumfeld etwas Stimulus zu entziehen, während die Notenbanken im Euroraum, Japan und Großbritannien sich zurückhalten und das geldpolitische Umfeld nicht straffen.

Im Laufe von 2018 wird man erfahren, ob es den Notenbanken gelingt, das richtige Maß an geldpolitischer Straffung zu finden. Dies dürfte mit mehr Volatilität an den Kapitalmarkten einhergehen. Aber am Ende sollte es gelingen, denn die robuste globale Wachstumsdynamik bietet auch eine ausreichende Resistenz gegen eine Fehlsteuerung.

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