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WirtschaftsWoche Investmentgipfel Welche Trends treiben 2016 die Kurse an den Märkten?

Die Trends an den Märkten wechseln immer schneller, politische Entwicklungen und die Notenbanken spielen eine wichtige Rolle, das Wachstum in China, Staatsschulden und Niedrigzinsen,  aber auch Terrorgefahren beeinflussen die Märkte. Wie können Anleger in dem Umfeld Chancen für ihre Investments nutzen? Lohnt es sich, auf steigende Zinsen zu warten, oder ist ein Einstieg in den Aktienmarkt  empfehlenswert? Darüber diskutieren die Experten auf dem WirtschaftsWoche-Investmentgipfel.

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Der WirtschaftsWoche-Investmentgipfel. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Im Rückblick läuft das Jahr 2015 am Aktienmarkt ganz gut. Über zweistellige Renditen an vielen Märkten kann sich niemand beschweren. Aber wie geht es jetzt weiter? Es liegen inzwischen sechs sehr gute Anlagejahre hinter den Aktionären und die Anleger fragen sich, hat sich inzwischen eine Kursblase entwickelt? Sind die Kurse der Konjunktur nicht längst davongeeilt? Lohnt es sich etwa, auch jetzt noch in den Aktienmarkt einzusteigen?

Die Referenten und Diskutanten des Investmentgipfels
WirtschaftsWoche Investmentgipfel 2015 Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Hauke Reimer, Mitglied der Chefredaktion der WirtschaftsWoche. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Paul Prandl, Geschäftsführender Gesellschafter brookmedia GmbH und Co KG Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassenverbands DSGV Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Prof. Dr. Isabel Schnabel Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Henning Gebhardt, Global Head of Equity, Deutsche Asset and Wealth Management Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Florian Homm Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Die Alternativen sind ansonsten niedrige oder sogar negative Zinsen, die etwa die Europäische Zentralbank schon bei den Banken kassiert. Bislang allerdings ist das Thema Minuszinsen noch nicht beim Sparer angekommen. „Sparkassen können und wollen diese negativen Zinsen nicht an ihre Kunden weitergeben“, sagt Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands auf dem WirtschaftsWoche Investmentgipfel.

Konfrontiert mit sehr mageren Ergebnissen auf dem Sparbuch und schwächeren Renditen bei Anleihen wird aber jeder Anleger. Wie sich die Zinsen entwickeln müssten, wohin die Notenbanken steuern und was das für die Geldanlage bedeutet, darüber sprachen neben Fahrenschon, die Mainzer Finanzprofessorin Isabel Schnabel, die Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist („Wirtschaftsweisen“), der globale Aktienchef der Deutsche Bank-Vermögensverwaltung DeAWM, Henning Gebhardt sowie Maximilian Bär, Leiter des Multi-Asset-Fondsmanagements bei der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka.

Die Wirtschaftsweisen würden die Zinsen erhöhen

Und da, wie Bär sagte, die „Notenbanken für Fondsmanager noch nie so entscheidend wie heute waren“, stimmte Isabel Schnabel die Anleger schon mal auf unruhige Zeiten ein. Denn ginge es nach den Wirtschaftsweisen, müsste die Europäische Zentralbank die Zinsen eher anziehen, als lockern. „Rechnet man die gefallenen Öl- und Energiepreise aus der Inflationsrate heraus, dann ziehen die Preise durchaus an."

Europa entwickle sich wirtschaftlich gut, aber eine Konsolidierung bei den Staatsfinanzen fände kaum noch statt, warnt Schnabel. Die niedrigen Renditen bei den Staatsanleihen seien nur eine Folge des Anleihenkaufprogramms der EZB - und nicht etwa eine Folge einer verbesserten Schuldensituation. "Anreize für eine Konsolidierung sinken durch das Anleihenkaufprogramm der EZB“, betont Schnabel.

Dass dies letztlich zu einer erneuten Finanz- und Schuldenkrise führen könne, schloss die Expertin nicht aus. Ein lange hinausgezögerter Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik könnte die Finanzstabilität bedrohen, meint Schnabel. Weil etwa Banken und Versicherer mit den Minuszinsen und niedrigen Renditen immer größere Probleme bekämen.

Dass der Aktienmarkt von den üppigen Liquiditätsspritzen der Notenbanken rund um den Globus profitiert hat, leugnet auch Henning Gebhardt nicht. Und er rechnet damit, dass alle Notenbanken weltweit auch 2016 weiterhin ihre expansive Politik fortsetzen werden.

Wo Deutschlands Aktionäre wohnen
Deutschland-Atlas AnlageverhaltenZwischen Wohlstand und Aktienbesitz gibt es einen direkten Zusammenhang, das zeigt der Deutschland-Atlas Anlageverhalten der Comdirect-Bank. Diese Korrelation zwischen Aktienquote und Wohlstand manifestiert sich auch auf regionaler Ebene: In Kreisen, in denen viele Besserverdienende wohnen, wird überdurchschnittlich häufig in Aktien investiert. Dabei stechen zwei Bundesländer besonders hervor. Die Studie „Deutschland-Atlas Anlageverhalten“ der Comdirect Bank basiert auf aktuellen mikrodemografischen Daten von GfK und Acxiom zu Bevölkerungsstruktur, Einkommen und Aktienbesitz in Deutschland. Die Daten wurden auf Kreis- und Stadtebene konsolidiert und zu ausgewählten Fragestellungen in Bezug zueinander gesetzt. Quelle: AP
Platz 10: Baden-BadenAuf Platz zehn kommt die Baden-Württembergische Stadt Baden-Baden - hier ein Blick auf den Leopoldplatz. Eine Erklärung für die Korrelation liefert Daniel Schneider, Leiter Investing bei Comdirect: „Dass vor allem in einkommensstarken Regionen die Anlagemöglichkeiten am Aktienmarkt gut genutzt werden, erscheint im ersten Moment logisch. Umgekehrt gibt es kaum Regionen, die bei durchschnittlichen Einkommen eine hohe Aktionärsquote verzeichnen. Tatsächlich aber sollten Aktien keine Anlageform nur für Besserverdienende sein.“ Quelle: dpa
Platz 9: Ebersberg (Bayern)Der Landkreis Ebersberg liegt im Speckgürtel von München, was seine hohe Platzierung erklärt. „In Nachbarkreisen des aktienaffinen München zeigen auch Normalverdiener eine hohe Aktienaffinität. Die Metropolen mit überdurchschnittlich vielen Aktionären strahlen auf ihre Nachbarregionen ab“, erklärt der Comdirekt-Experte. Quelle: dpa
Platz 8: Regensburg (Bayern)Regensburg landet auf Platz acht. Doch die Korrelation zwischen hohem Einkommen und entsprechender Aktionärsquote gilt nicht zwangsläufig, so gibt es etwa in Bayern zwei Ausnahmen: Kaufbeuren mit unterdurchschnittlichen 25,5 Prozent Besserverdienenden und 10 Prozent Aktionärsquote, sowie Kempten im Allgäu mit 26,2 Prozent Einkommensstarken und 11,4 Prozent Aktienbesitz. Quelle: dpa
Platz 7: Erlangen (Bayern)Erlangen landet auf Rang sieben. Eine Ausnahme für die Korrelation zwischen vielen Besserverdienern und hoher Aktienquote ist jedoch Leverkusen: Mit 29,9 Prozent Besserverdienern liegt die kreisfreie Stadt zwar leicht über dem Einkommensdurchschnitt. Die Aktionärsquote ist mit 11,5 Prozent jedoch deutlich höher. „Auch hier liegt mit Köln eine Aktienhochburg in unmittelbarer Nähe: Bei einem Drittel Besserverdienern beträgt die Aktionärsquote hier starke 12,6 Prozent“, so Experte Schneider. Quelle: dpa
Platz 6: FürstenfeldbruckBei Fürstenfeldbruck kommt wieder die Nähe zu München ins Spiel. So landet die 35.000-Einwohnerstadt auf Platz sechs des Rankings. Auf den letzten Plätzen der 402 deutschen Kreise nach Einkommen und Aktionärsquote rangieren 33 ostdeutsche Regionen. Hier liegt der Anteil Besserverdienender unter 20 Prozent, zugleich liegt die Zahl der Aktionäre bei unter sechs Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es 28,2 Prozent Besserverdiener, die Aktionärsquote beträgt neun Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 5: Main-Taunus-Kreis (Hessen)Der Main-Taunus-Kreis im Regierungsbezirk Darmstadt landet auf Platz fünf. Auch hier besteht eine hohe Korrelation zwischen einem hohen Anteil an Besserverdienern und dem in Aktien angelegten Vermögen. Quelle: imago images

Keine Blase am Aktienmarkt

Aber nach Ansicht des Aktienchefs und Fondsmanagers für deutsche Aktienfonds bei der Deutsche Asset&Wealth Management habe sich am Aktienmarkt keine Blase gebildet. „Die Bewertung der Unternehmen im Deutschen Aktienindex Dax ist auf ein 30-Jahres-Tief gefallen“, sagt Gebhardt. Er traut dem Dax für 2016 einen Anstieg auf rund 12.000 Punkte durchaus noch zu. Denn die Gewinnerwartungen an die Unternehmen seien jetzt bereits deutlich nach unten korrigiert worden. Das erleichtere den Start in das Aktienjahr 2016 und so könne es durchaus noch zu einem „spätzyklischen Boom“ kommen. 

Weil die USA nach der Finanzkrise effizient und aggressiv das Wachstum beschleunigt hätten, seien dort auch die Aktienkurse weiter vorgeprescht. Anleger die dort investiert sind, könnten vor allem durch die Stärke des Dollars noch Gewinne erwarten. Auch schon 2015 trägt die Währung zu rund 13 Prozent Kursplus bei US-Anlagen bei.

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