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Wohin mit den Krisengewinnen? So mischen Sie ein krisensicheres Depot

Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor fünf Jahren sind Anleger stark verunsichert und sorgen sich um ihre Rendite. Wer allerdings auf die richtige Mischung setzt, kann auch in Krisenzeiten ruhig schlafen.

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Jeder Anleger braucht ein Mischpult fürs Depot - denn mit dem richtigen Mix aus Gold, Immobilien, Aktien und Co. kommen Sie auch gut durch Krisenzeiten. Quelle: Marcel Stahn

Bei vielen Anlegern hat sich der Eindruck festgesetzt, dass langfristige Geldanlage mit verlässlicher Rendite kaum noch möglich ist. Doch Anleger, die ihr Vermögen nach Quoten auf die Anlageklassen verteilt haben, sind gut durch die Krisenjahre gekommen. Empfehlenswert für ein langfristiges Depot ist etwa folgende Aufteilung: je 30 Prozent Aktien und Anleihen, 25 Prozent Gold und 15 Prozent Tagesgeld. Eine solche Strategie, vorgestellt zum Beispiel in WirtschaftsWoche 27/2009 und 3/2012, brachte Anlegern seit dem 12. September 2008 – dem letzten Handelstag vor der Lehman-Pleite – bislang 47 Prozent Gewinn vor Steuern und Gebühren.

Depot

Das entspricht 8,1 Prozent Rendite pro Jahr. Anleger können die Anteile je nach Risikoneigung variieren. Wichtig ist, dass sie sich dabei nicht von der jüngsten Wertentwicklung leiten lassen. Setzen sie zum Beispiel den Goldanteil niedrig an, weil Gold zwischenzeitlich stark gefallen ist, riskieren sie, einen hohen Anteil des Kapitals in Anlagen zu stecken, deren Wert bereits stark gestiegen ist. Wenn das Depot steht, sollten Anleger die Depotanteile in fixen Intervallen wieder auf das Ausgangsniveau bringen. Die Musterrechnung geht von einer jährlichen Anpassung aus.

So schützen sie sich vor dem gefährlichen Herdentrieb, also Käufen auf dem Hoch und Verkäufen im Tief. Die Anpassungen steigern die Rendite: Hätten Anleger ihr Vermögen 2008 nur einmal nach der Musteraufteilung angelegt und es dann nicht mehr angerührt, hätte das gleiche Ausgangsdepot nur 7,6 Prozent Jahresrendite gebracht. Hauptgrund: Der anfangs stark gestiegene Goldpreis hätte den Goldanteil im Depot stark steigen lassen. Die späteren Preiseinbrüche hätten das Depot dann deutlich stärker getroffen.

Trotz der letzten Verluste brachte Gold mit 98 Prozent Gewinn seit September 2008 den höchsten Zuwachs. Aktien legten nur 30 Prozent zu, trugen aber seit September 2010 am stärksten zum Gewinn bei und glichen die Goldschwäche locker aus.

Anleihen

Kurz nach der Lehman-Pleite schien zwar die Welt in Trümmern, doch am Anleihemarkt brach eine goldene Zeit an. Metro brachte im Herbst 2008 ein Papier mit fünfjähriger Laufzeit an die Börse mit einer Rendite von sagenhaften 9,375 Prozent. BMW zahlt seither noch bis diesen November ebenfalls üppige 8,875 Prozent an Jahreszins (siehe Grafik).

ThyssenKrupp musste noch im Juni 2009 mehr als neun Prozent bieten, um Investoren in einen Bond zu locken, der kommendes Jahr ausläuft. Wer in die drei Papiere je 10.000 Euro steckte, geht am Ende mit 43.750 Euro nach Hause – vor Steuern und ohne Zinseszins.

Rendite von Euro-Unternehmensanleihen

Das ganze Dilemma, was Anleger denn nach Rückzahlung der Anleihen mit ihrem Geld anfangen können, zeigt eine Neuanlage von wiederum je 10 000 Euro in Metro-, BMW- und Thyssen-Anleihen mit einer Laufzeit von jeweils fünf Jahren: Metro bringt magere 1,75 Prozent Rendite, BMW zahlt gar nur 1,2 Prozent, und selbst der krisengeschüttelte Thyssen-Konzern legt nur 3,4 Prozent Rendite auf den Tisch. Binnen fünf Jahren werden so aus angelegten 30.000 nur 33.175 Euro – nur ein knappes Viertel des Zuwachses, den eine Post-Lehman-Anlage gebracht hätte.

Anleger sollten frisches Geld aus fälligen Papieren aber trotz anhaltender Niedrigzinsphase nicht horten. Empfehlenswert ist, 20 bis 30 Prozent seines Depots in Anleihen zu halten. Erstklassige Unternehmenspapiere mit Laufzeiten zwischen drei und sieben Jahren und guter Bonität gehören ebenso dazu wie zehnjährige Bundespapiere – trotz Niedrigzins. Denn jede Krisenzuspitzung treibt auch die Bunds. Letztlich sollte die Investition als Versicherung verstanden werden, nicht als Renditeturbo.

Spareinlagen

Die wichtigsten Fakten zum Tagesgeld
Tagesgeld gehört bei deutschen Sparern zu einer der beliebtesten Geldanlagen, schließlich gilt es als eine der sichersten Formen des Sparens. Gleichzeitig bleiben die Sparer flexibel, das Geld ist täglich verfügbar. Das ist gerade für jüngere Anleger ein entscheidender Vorteil. Drohen einmal unvorhergesehene hohe Ausgaben, kann auf die Reserven auf dem Tagesgeldkonto zugegriffen werden. Quelle: gms
Einen Haken gibt es allerdings, denn die Sicherheit des Tagesgeldkontos hat für Anleger ihren Preis. Die Zinsen sind immer weiter gesunken, zieht man die aktuelle Preissteigerung ab, bleiben für Anleger kaum Zinserträge übrig. Im Gegenteil, bei einigen Anbietern sind nach inflationsbereinigt sogar Verluste möglich. Quelle: dpa
Am Markt wimmelt es an Angeboten für Tagesgeldkonten. Mit Hilfe eines Tagesgeldrechners lassen sich die Angebote am besten miteinander vergleichen. Rechner wie der von WirtschaftsWoche Online zeigen nicht nur die besten Angebote für Neukunden, sondern auch für Kunden, die bereits ein Konto bei der jeweiligen Bank haben. Quelle: dpa
Aktuell bietet RaboDirect, die Direktbanktochter der niederländischen Rabobank, mit 1,85 Prozent die höchsten Zinsen für Bestandskunden mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro. Für dreimonatige Einlagen in Höhe von 10.000 Euro zahlt die Bank also rund 46 Euro Zinsen und ist damit Spitzenreiter. Quelle: REUTERS
Etwas besser sieht es für Neukunden aus. Hier zahlt Wüstenrot immerhin zwei Prozent Zinsen auf die Einlagen der Sparer. Normalerweise liegen die Zinssätze für Neukunden etwas über denen für Bestandskunden. So soll den Verbrauchern die Eröffnung eines neuen Kontos schmackhaft gemacht werden. Von diesem Neukundenbonus sollten Anleger sich aber nicht blenden lassen, denn nach den ersten Monaten fällt der erzielte Zins normalerweise auf das Niveau der Bestandskunden zurück. Einziger Ausweg: Der erneute Wechsel des Anbieters. Quelle: dpa
Neben der RaboDirect bietet auch die Renault Bank einen Zinssatz von 1,85 Prozent. Erst seit wenigen Tagen bietet die Hausbank des französischen Autoherstellers über ihre deutsche Zweigstelle ein Tagesgeldkonto an. Auch andere Auto-Banken sind auf dem Markt aktiv, beispielsweise die VW-Bank oder die Hausbank von BMW. Quelle: REUTERS
Insgesamt sind auf dem Markt für Tagesgeldkonten viele Auslandsbanken aktiv. Dazu gehören neben der niederländischen ING DiBa auch die Bank of Scotland oder die ebenfalls aus den Niederlanden stammende Moneyou. Die ausländischen Banken bieten in der Regel vergleichsweise hohe Zinsen. Sie sammeln das Geld der deutschen Sparer ein und nutzen es dann zur Refinanzierung. Quelle: dpa

Das Thema Einlagensicherung, vor Lehman nur ein theoretisches, schob sich weit nach vorn. Seit 2011 gilt EU-weit: 100 000 Euro auf Sparbüchern und Giro-, Tages- oder Festgeldkonten sind gesetzlich geschützt. Manche Banken und alle Sparkassen schützen zwar viel höhere Summen, aber ohne Rechtsanspruch.

Die privaten Banken drücken die Einlagensicherung ab 2015 in zehn Jahren schrittweise auf teils ein Viertel der heutigen Sicherungssummen. Selbst bei kleinen Banken bleiben so aber noch Millionen geschützt. Als im März 2013 Zyperns Banken vor dem Aus standen, erneuerte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Garantie, Spargelder zu retten. Im Ernstfall müsste aber der Bundestag zustimmen.

Tagesgeld

Die EU gibt den Sicherungssystemen für eine Auszahlung nach einer Pleite derzeit 20 Arbeitstage Zeit. Die EU-Regeln sind für deutsche Sparer wichtig, oft bieten Töchter ausländischer Banken hohe Zinsen. Mit 1,5 Prozent fürs Tagesgeld ragen jetzt etwa Rabo Direct und Renault Bank Direct hervor.

Auch für sie gilt der EU-Mindestschutz, der Kunde müsste sich sein Geld aber von der niederländischen oder französischen Einlagensicherung holen. Eine Alternative sind Geldmarktfonds, sie können als Sondervermögen bei Pleiten nicht verfallen. Viele hatten vor Lehman in Schrottpapiere investiert. Seit 2012 dürfen sie nur Anleihen mit kurzer Restlaufzeit und bester Bonität kaufen.

Gold

Die Goldpreisprognosen der ängstlichen Analysten
Goldbarren Quelle: dpa
Goldman SachsDer Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus. Stand: 22. November 2013 Quelle: REUTERS
Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1396 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1435 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um neun und für das kommende Jahr um zehn Prozent zurück. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
Morgan StanleyFür 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück. Stand 25. Juni 2013 Quelle: dapd
HSBCDie größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
RBC Capital   Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze) Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze) Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)   Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013. Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai Quelle: REUTERS
Danske Bank Quelle: PR

Wie 2008 war auch der jüngste Crash die Folge einer am Terminmarkt einsetzenden Preisschwäche und keine Folge schwacher Nachfrage nach Barren und Münzen. Auch die Goldfonds taugen nur bedingt als Erklärung. Deren Bestände schmolzen zwar seit Ende 2012 um 22 Millionen Unzen auf 62 Millionen Unzen zusammen.

So steht es um die wichtigsten Edelmetalle

Doch allein die Nachfrage in China stieg im ersten Halbjahr um 54 Prozent auf 22,7 Millionen Unzen. Gold wurde zuletzt gar knapp für jene, die sich Gold geliehen und es leerverkauft hatten, in der Hoffnung auf einen weiter fallenden Goldpreis.

Sie mussten sich eindecken und für sofort verfügbare Ware Aufschläge zahlen. Auffällig ist der Markt für Goldleihegeschäfte. Goldbesitzer verleihen dort zinsloses Gold gegen Dollar. Weil sie Dollar verzinst anlegen können, zahlen sie dem Goldleiher einen Zins, die sogenannte Gold Forward Offered Rate. Normalerweise ist dieser Zins positiv. Doch zuletzt war er für kurze Laufzeiten negativ.

Preisentwicklung Gold

Der Goldleiher muss dem Goldverleiher eine Prämie bezahlen. Gold wird also dringend gesucht. Negativ war dieser Zins auch Anfang 2001 und eben im September 2008. 2001 gab diese Anomalie den Startschuss für den Bullenmarkt und 2008 das Signal für die Wiederaufnahme des Aufwärtstrends.

Gleiches sollte jetzt wieder passieren. Das lehrt auch die letzte große Hausse: Von 1974 bis 1976 halbierte sich der Goldpreis, dann kletterte er bis 1980 um 700 Prozent. Auch jetzt könnte Gold Schwung holen für neue Rekordhöhen.

Lebensversicherung

Miese Rendite, miese Kosten, miese Prognosen
Öko-Test: Schatzbriefe brachten mehr als LebensversicherungenLebensversicherungen sind laut einer Stichprobe von "Öko-Test" als Altersvorsorge nicht empfehlenswert. Die Renditen von Lebensversicherungen seien einer Untersuchung des Magazins zufolge in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten Fällen niedriger ausgefallen als bei einer Anlage des Geldes in Sparplänen mit Bundesanleihen. Im Vergleich hätten Verbraucher dabei auf 1,23 bis 2,35 Prozent Rendite verzichtet, heißt es in dem Bericht von "Öko-Test". Grundlage sind Policen, die zwischen 1963 bis 2001 abgeschlossen worden waren. Der Untersuchung zufolge brachten die Policen, die der Zeitschrift von der Verbraucherzentrale Hamburg anonymisiert übergeben worden waren, Renditen zwischen 3,10 und 4,49 Prozent pro Jahr. Eine parallele Anlage des Geldes in Schatzbriefen hätte demnach aber Renditen von 4,33 bis 6,73 Prozent gebracht. Auch Policen, die lange vor der jetzigen Niedrigzinsphase abgeschlossen worden seien, seien mit ihren Erträgen somit hinter den Vergleichssparplänen zurückgeblieben, teilte "Öko-Test" mit. Die Gründe lägen zum Teil in den Kosten, die insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren extrem hoch gewesen seien. Die Ablaufrendite sei zudem stets niedriger gewesen als die Prognose des Anbieters, erklärte "Öko-Test". Nur in vier der untersuchten 83 Fälle habe der Kunde am Ende besser abgeschnitten als bei der Vergleichsanlage. Quelle: dpa
TVersicherer wehren sich gegen die AnalyseDer Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hält dagegen. "Wer Kapitallebensversicherungen mit Bundessparplänen vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Anders als ein reiner Sparplan verbindet die Kapitallebensversicherung die Vorteile der Risikolebensversicherung mit zusätzlicher Altersvorsorge. Bundesanleihen weisen auch erhebliche Wertschwankungen auf, sind also risikoreicher." Derzeit haben Lebensversicherungen mit dem niedrigen Zinsniveau zu kämpfen, was sich auf die Rendite der Sparer auswirkt. Schuld sind die extrem niedrigen Renditen für krisensichere Staatsanleihen, in die die Anbieter ihre Kundengelder anlegen müssen. Das senkt die Gewinnausschüttung im Vergleich zu früher noch weiter ab. Der wie Öko-Test selbst einräumt "zweifelsohne nicht repräsentative" Test berücksichtigt außerdem nicht die steuerliche Belastung von Bundesanleihen und die Kosten eines entsprechenden Sparplans. Die früher einmal kostenfreie Finanzagentur des Bundes wurde immer nur von wenigen Bürgern genutzt, mittlerweile ist sie für Privatanleger geschlossen. Quelle: dpa
Öko-Test hat 83 abgelaufene Verträge von 39 Versicherern genau untersucht. Insgesamt wurden 76 Kapitallebensversicherungen und sieben Rentenversicherungen mit einer Laufzeit von zwölf und 45 Jahre unter die Lupe genommen. Die Stichprobe basiert auf Beratungsfälle der Verbraucherzentrale Hamburg und wird als nicht repräsentativ angesehen. Es soll lediglich ein Eindruck über die realen Renditen abgelaufener Policen vermittelt werden. Auf den folgenden fünf Seiten werden die Lebensversicherungen jener Versicherer vorgestellt, dessen prognostizierten Renditen pro Jahr am stärksten von den tatsächlichen abgewichen sind. Quelle: dpa Picture-Alliance
Ein Mann, der 1994 im Alter von 49 eine Kapitallebensversicherung mit einer Laufzeit bis 2009 bei der Alten Leipziger abschloss, wurde eine jährliche Rendite von 5,05 Prozent prognostiziert. Real bekam man bei der Versicherung allerdings nur eine jährliche Rendite in Höhe von 3,21 Prozent ausgeschüttet. In Zahlen ausgedrückt betrug die tatsächliche Leistung 52.522,11 Euro, versprochen waren 60.843,73 Euro. Die jährliche Renditeminderung betrug -1,85 Prozent. Quelle: Handelsblatt Online
Auch die Provinzial Nord reiht sich in die Liste der schwächsten Lebensversicherungen ein. Bei einem Eintrittsalter von 43 im Jahre 1994 und einer Laufzeit bis 2011, bekam eine männliche Person die Prognose auf eine Rendite von jährlich 6,06 Prozent. In Wirklichkeit wurde allerdings nur eine Rendite von 3,99 Prozent realisiert. Mit dieser Rendite betrug die tatsächliche Leistung 14.839,84 Euro, wohingegen die prognostizierte Leistung bei 17.974,47 Euro liegen sollte. Die Rendite minderte sich jährlich um -2,07 Prozent. Quelle: dpa
Bei der Saar Union/Delta Lloyd wurde einem Mann 1984 im Alter von 28 Jahren eine jährliche Rendite von 6,34 Prozent versprochen. Nach Vertragsende 2014 wird die Kapitallebensversicherung des Instituts allerdings nur eine magere Rendite von 3,31 Prozent abwerfen. Der prognostizierte Betrag von 192.103,21 Euro wird weit verfehlt. Nach Ablauf des Vertrags stehen dem Mann nur 136.465,44 Euro zu. Die Renditeminderung liegt bei -3,03 Prozent.* *Vertrag mit unkündbarer Beitragsdynamik. Vertrag läuft noch, Berechnung auf Basis der Ablaufprognose aus 2012. Quelle: Handelsblatt Online
2001 schloss eine 63-jährige Frau eine Rentenversicherung bei der Axa ab. Der Vertrag lief 2013 ab. Der Versicherungskonzern hat der Frau eine jährliche Rendite von 7,51 Prozent prognostiziert – real erzielte die Axa jedoch nur 4,43 Prozent. In Euro ausgedrückt wurde aus den versprochenen 155.388,25 Euro nichts. Tatsächlich bekam die Dame nur 115.798,20 Euro. Die Rendite sank pro Jahr um -3,08 Prozent. Quelle: dpa

Versicherer leiden bis heute unter der Lehman-Pleite: Mit der Investmentbank riss es auch die Zinsen in die Tiefe – während öffentliche Anleihen vor fünf Jahren noch bei gut vier Prozent rentierten, waren es in den vergangenen Monaten nur noch 1,0 bis 1,5 Prozent. Das ist misslich, denn vertraglich zugesagt haben Versicherer ihren Kunden je nach Abschlusszeitpunkt der Police zwischen 1,75 und 4,0 Prozent Zins pro Jahr. Im Schnitt liegt der garantierte Zins bei gut drei Prozent, leisten müssen Versicherer den Mindestzins auf die Beiträge abzüglich der Kosten.

Im Schnitt bekommen Kunden noch 3,6 Prozent gutgeschrieben (siehe Grafik). Noch schlagen Versicherer die Bundesanleihe-Rendite locker, weil sie noch viele Papiere aus besseren Zeiten im Portfolio haben. Doch die Depots drehen sich langsam, allein 2012 haben Lebensversicherer zusammen mit Pensionskassen und -fonds brutto rund 130 Milliarden Euro neu angelegt – Geld aus Beitragseinnahmen oder ausgelaufenen Anleihen. So fressen sich die Niedrigzinsen nach und nach ins Depot.

Lebensversicherungen

Die Gegenstrategie ist wenig erleichternd: Mehr Risiko wollen Versicherer kaum eingehen, die Aktienquote liegt in der Branche bei unter drei Prozent. Doch einen Tick höhere Zinsen gibt es gegen längere Laufzeiten – und die haben Versicherer bedenklich gestreckt: 2008 war das Geld nur fünf bis sechs Jahre angelegt, heute ist es schon fast auf zehn Jahre fixiert. Folge: Selbst wenn die Zinsen eines Tages steigen, liegen die niedrig verzinsten Papiere über Jahre wie Blei in den Depots.

Der oberste deutsche Versicherungsaufseher hat kürzlich zugegeben, dass es irgendwann eng werden dürfte: „Kurz- bis mittelfristig werden die Versicherer ihre Leistungsversprechen erfüllen können. Wenn die niedrigen Zinsen langfristig anhalten, wird es enger, das steht außer Frage“, sagte Felix Hufeld, Chef-Versicherungsaufseher bei der BaFin, dem „Handelsblatt“.

Immobilien

Welcher Haustyp sind Sie?
ReihenhausDiese Häuser sehen alle gleich aus und bekommen den Namen dann, wenn drei oder mehr Wohngebäude direkt aneinander grenzen. Weil sie (fast) alle aneinander angrenzen, sind die Heizkosten, aber auch Bau- und Grundstückskosten gering. Quelle: AP
Doppelhaushälfte Ihr größter Vorteil: Sie verursachen weniger Bau- und Unterhaltungskosten als zwei freistehende Einfamilienhäuser. Alle anfallenden Kosten werden durch zwei geteilt. Übrigens auch eine Alternative für Teile von Familien, die zusammen wohnen wollen, irgendwie aber auch trotzdem ihren Freiraum genießen möchten. Quelle: Fotolia
EigentumswohnungDie Eigentumswohnung hat sich vor allem für eine urbane Käuferschicht als eigene Wohnimmobilie oder als ideale Geldanlage in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise entwickelt. Vor allem letzteres ist in mittleren und kleineren Universitätsstädten der Fall.
PlusenergiehausDiese Gebäude sind wahre Kraftwerke: Sie produzieren mehr Energie, als sie selbst verbrauchen. Noch ein Vorteil: Strom, der zu viel ist, wird dem örtlichen Versorgungsnetz zur Verfügung gestellt. Außerdem sind Energiekosten praktisch nicht vorhanden. Die Baukosten allerdings sind höher. Quelle: Plusenergiehaus
"Green Building"Das "grüne Gebäude" ist ein Haus mit möglichst geringem Energieverbrauch. Für die Konstruktion werden ökologische Baustoffe verwendet. Die Vorteile: eine höhere Wirtschaftlichkeit durch niedrigen Energieverbrauch sowie eine fortschrittliche Ökobilanz.
AltbauDer Altbau eignet sich besonders für Freunde von hohen Decken, alten Heizungsanlagen und knarzenden Holzböden. Doch die meist hohen Heizkosten wegen schlechterer Isolierung, einfach verglasten Fenstern und hohen Decken schrecken doch wieder viele ab.
HochhausIm Hochhaus wohnen mehrere Parteien Seite an Seite. Im schlimmsten Fall bekommt man durch die hellhörigen Wände alles mit, was der Nachbar in seiner Wohnung anstellt. Das ist nicht immer lustig. Dieser Bau eignet sich daher vor allem für Studenten und alle diejenigen, die ihr Geld bei der Wohnung sparen wollen. Quelle: ZB

Einer der größten Profiteure der Lehman-Pleite ist der Wohnungsmarkt. Jahrelang hinkten die Preise hierzulande denen in Europa hinterher, real (inflationsbereinigt) sanken sie von 1990 bis 2008 sogar. Das ist mit der Krise schlagartig vorbei (siehe Grafik). Denn die Geldpolitik der Notenbanken (Zinsen runter, Geldmenge rauf) hat Käufern historisch niedrige Zinsen beschert. Zuletzt zogen die zwar wieder etwas an, aber noch immer kostet zum Beispiel eine Hypothek mit zehn Jahren Laufzeit nur rund 2,5 bis 3,0 Prozent.

Immobilienpreisentwicklung

Die Zinsen haben allerdings eine Kehrseite, die oft vergessen wird: Sie schlagen auf die Immobilienpreise durch. Je niedriger der Zins, desto mehr Menschen erwägen einen Kauf. Hinzu kommt, dass Immobilien einen hervorragenden Ruf als Krisenschutz genießen. Dieser Effekt auf die Preise ist zwar schwer messbar, aber er dürfte erheblich sein: Im Zuge der Euro-Krise hat sich die Nachfrage in vielen deutschen Städten vervielfacht. Entsprechend steigen die Preise, zunächst dort, wo das Angebot schon immer knapp war, inzwischen aber flächendeckend.

In Arbeit
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Ob die Immobilie nach dem Preisauftrieb noch als Krisenschutz taugt, kommt vor allem auf die Lage an. Wegen ungünstiger Demografie sind manche Objekte auf dem Land in 30 Jahren unverkäuflich. Der gern bemühte Krisenschutz als Sachwert („Kann nicht auf null fallen!“) wird ad absurdum geführt, wenn wegen Leerstands Kosten statt Rendite anfallen. In den Metropolen kann man das zwar fast ausschließen, aber die sind teuer.

Schwierig ist wegen der dort hohen Preise inzwischen das Vermieten zur Kapitalanlage: In den Ballungszentren sind die Mietrenditen bereits kaputt; oft springen netto nur noch zwei Prozent raus. Nichts spricht nach wie vor gegen eine selbst genutzte Immobilie, solange sie solide finanziert ist. Die monatliche Rate (Zins und Tilgung) sollte die letzte Nettokaltmiete oder ein Drittel des Nettoeinkommens nicht übersteigen.

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