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Zertifikate Wenn schon hebeln, dann richtig

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Strategien für den "guten Hebel"

Zum Einsatz kommen Discountzertifikate und Puts auf Daimler. Discounts ermöglichen den Kauf einer Aktie mit Rabatt, begrenzen dafür aber die Gewinnmöglichkeit. Schon damit ist das Kursrisiko des Discountzertifikats geringer als das der reinen Aktie.

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Als zusätzliche Absicherung kommen Daimler-Puts ins Spiel. Mit ihnen lässt sich das aktuelle Kursniveau der Daimler-Aktie bei 72 Euro absichern. Das kombinierte Investment aus Discount und Optionen wird damit zwar ein Stück teurer als die Aktie. Wie die Rechnung in der Tabelle (siehe Chartgalerie Seite 1) zeigt, ist das Risiko aber auf 7,6 Prozent begrenzt, selbst wenn sich Daimler in einem Crash halbieren würde. Und im Fall eines Aktienanstiegs bietet die Gewinngrenze bei 100 Euro so viel Spielraum, dass durch den Anstieg im Discountzertifikat insgesamt ein Plus von bis zu 28,4 Prozent möglich ist.

Strategie 3: Zinsersatz vom Aktienmarkt

Mit einem Marktvolumen von zehn Milliarden Euro gehören Expresszertifikate zu den beliebtesten Anlagepapieren aus dem Derivateregal. Sie sind Bestandteil der dritten Strategie für den „guten Hebel“, also den sinnvollen Einsatz von Derivaten. Expresszertifikate bieten zinsähnliche Erträge, die höher liegen als bei Anleihen mit vergleichbarer Laufzeit. Diese höhere Rendite ist möglich, weil sie nicht vom Zinsmarkt stammt, auf dem die Renditen immer noch sehr niedrig sind. Vielmehr speist sich diese Rendite vom Markt für Aktien und Derivate.

Expresszertifikate sind künstliche Wertpapiere, in denen Optionen als fester Bestandteil verbaut sind. Diese Optionen produzieren mit ihrem Hebel im Erfolgsfall den Ertrag des Zertifikats. Im ungünstigen Fall haben diese Optionen aber Nebenwirkungen, die zu deutlichen Verlusten führen können. Sollte der Dax etwa in einem Crash um mehr als die Hälfte absacken, so entstünden ebenfalls Verluste von mehr als 50 Prozent.

Wenn Anleger einige Grundregeln beherzigen, stehen die Chancen aber nicht schlecht, dass die Expressrechnung aufgeht. „Zunächst senkt eine längere Laufzeit des Zertifikats das Risiko. Sechs bis acht Jahre bis zum Fälligkeitstermin haben sich in der Praxis bewährt“, sagt Michael Hinz, Vorstand des Vermögensverwalters MPF aus Wuppertal, der Expresszertifikate seit mehr als zehn Jahren für Kundendepots einsetzt.

Der Vorteil der längeren Laufzeit hat mit dem speziellen Aufbau der Expresszertifikate zu tun. Bei diesen Papieren gibt es einmal im Jahr einen Bewertungstag, an dem geprüft wird, ob der Basiswert des Zertifikats (ein Börsenindex oder eine Aktie) ein bestimmtes Kursniveau erreicht oder nicht. Wenn ja, gibt es automatisch den Einsatz inklusive Gewinn zurück, und das Geschäft ist gelaufen. Sollte der Basiswert beim ersten Mal sein Ziel verfehlen, besteht ein Jahr später die zweite Chance. Wird die Gewinnschwelle wieder nicht erreicht, folgt ein Jahr später der nächste Test. Notfalls geht dieses Spiel bis zum Ende der Laufzeit.

Von Vorteil ist, wenn im Zertifikat im letzten Jahr die Rückzahlungsschwelle noch einmal tiefer liegt und auch nur am Fälligkeitstag gilt. Zudem wird der Gewinn, den es auf den Einsatz gibt, jedes Jahr ein Stück größer. Erst wenn der Basiswert auch diese letzte Schwelle reißt, entstehen höhere Verluste. Dann führt die Mechanik der eingebauten Optionen dazu, dass das Zertifikat etwa genauso stark verliert wie der Basiswert.

Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, wählt Vermögensexperte Hinz als Basiswert in der Regel einen gesamten Aktienmarkt: „In einem diversifizierten Index wie dem Euro Stoxx werden extreme Schwankungen insgesamt besser ausgeglichen als bei einer Einzelaktie.“ Zudem sei es ratsam, die gefährliche untere Barriere, auf die es am letzten Stichtag ankommt, sehr tief anzusetzen. „Rückberechnungen im Euro Stoxx bis 1986 haben ergeben, dass bei einer Laufzeit von sechs Jahren und einer Barriere bei 50 Prozent des Startniveaus noch nie ein Verlust herauskam“, sagt Hinz. Mit einem solchen Polster lassen sich die Renditen aus dem Expresszertifikat auch dann noch einfahren, wenn es an den Aktienmärkten zu Kursrückgängen kommen sollte.

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