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Zeugnistag für Europas Banken Die zehn wichtigsten Fragen zum Stresstest

Ein umfassender Stresstest soll Sparern und Steuerzahlern in Europa künftig teure Überraschungen ersparen. Klappt das? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

So bedrohlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland Quelle: AP
Klasse 1 – Morgan Stanley Quelle: REUTERS
Klasse 1 – Standard Chartered Quelle: REUTERS
Klasse 1 – Unicredit Quelle: dpa
Klasse 2 – Barclays Quelle: dpa
Klasse 2 – Wells Fargo Quelle: REUTERS
Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China Quelle: REUTERS

Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Mehr als zehn Monate lang haben Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) die 128 bedeutendsten Kreditinstitute der Währungsunion nach Altlasten und Kapitallücken durchforstet, davon 24 Banken aus Deutschland.

Am Sonntag werden die Ergebnisse verkündet, wobei für die Banken viel auf dem Spiel steht, denn nicht alle werden bestehen: Die Durchfaller müssen ihre Bilanzen rasch nachbessern, sonst droht ihnen die Abwicklung.

Im Fokus bei der bislang größten finanziellen Sicherheitsübung aller Zeiten stehen Anlageportfolios, die die Aufseher als besonders riskant oder zu wenig transparent einstufen. Dazu gehören Schiffs-, Immobilien- oder Staatskredite sowie Derivate, also komplizierte Geldwetten auf die Kursentwicklung von Aktien, Rohstoffen oder Währungen.

Sind die Positionen nach Ansicht der EZB zu optimistisch bewertet, müssen die Banken sie nach unten korrigieren. Doch das ist nicht alles: Zusätzlich zum Bilanz-Check unterzieht die Aufsicht ihre Prüflinge auch einem großen Stresstest, bei dem untersucht wird, wie sich die Bilanz in einem Krisenszenario entwickelt. Damit will die EZB marode Banken identifizieren und heraussieben.

Große Aufräumaktion

Die stabilsten Banken der Welt
Bank of China Holdings, Hong Kong Quelle: REUTERS
Skandinaviska Enskilda Banken Quelle: REUTERS
Platz 8: Pohjola Bank, FinnlandNeben asiatischen Banken dominieren Institute aus Nord-Europa das Ranking. Die finnische Pohjola Bank kommt mit 28,5 Punkten auf Platz 8. Die Geschäftsbank hat in Finnland einen Marktanteil von fast einem Viertel bei Unternehmenskrediten. In der Untersuchung liegen die Finnen besonders bei der Absicherung von Problem-Krediten international weit vorne.
DBS-Bank Quelle: REUTERS
BayernLB Quelle: dpa
Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor al Thani Quelle: dpa
OCBC-Bank Quelle: Reuters

Sabine Lautenschläger, Ex-Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank und inzwischen EZB-Direktoriumsmitglied sowie Vize-Chefin der neuen Bankenaufsicht, will die „Chance zum Aufräumen“ in den Bankbilanzen nutzen. Tatsächlich ist beim Stresstest nicht nur Strenge, sondern auch Fingerspitzengefühl gefragt.

Ist die EZB zu streng und lässt eine Bank nach der anderen durchrasseln, wären gefährliche Verwerfungen an den Finanzmärkten die Folge. Prüft sie zu lasch, wäre ihr Ruf dahin und das Misstrauen gegenüber den Banken wieder da.

Was den Druck auf die EZB noch verstärkt: Der Stresstest ist auch Bewährungsprobe für die Notenbank in ihrer neuen Zusatzrolle als oberste Aufpasserin. Denn sie übernimmt ab 4. November die zentrale Aufsicht über die wichtigsten Finanzhäuser der Währungsunion. Daher will sich die EZB keine Altlasten aus dem Verantwortungsbereich der bisher zuständigen nationalen Behörden unterjubeln lassen.

Die drei Pfeiler der Bankenaufsicht

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret lobt den Test schon vor der Veröffentlichung der Resultate: Die Übung sei ein Erfolg, weil die europäischen Banken ihre Bilanzen vorsorglich mit rund 200 Milliarden Euro gestärkt hätten. „Das Bankensystem ist dadurch heute schon sicherer“, behauptet der Bundesbanker. Wirklich? Die WirtschaftsWoche beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum Stresstest.

1. Wann fällt eine Bank durch?

Die Prüfer der EZB haben zunächst die Qualität der Aktiva-Positionen in den Bilanzen zum Stichtag 31. Dezember 2013 gecheckt. Wo stecken verborgene Risiken, wo müssen Bewertungen von Krediten korrigiert werden? Auf dieser Qualitätsprüfung baut der Stresstest auf, dem zwei Szenarien zugrunde gelegt sind: ein Basisszenario und ein Stressszenario.

Für Ersteres ist die erwartete wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone Grundlage. Im Stressszenario wird ein drei Jahre anhaltender Konjunktureinbruch mit steigender Arbeitslosigkeit, einem Börsencrash und purzelnden Immobilienpreisen simuliert.

Bestanden hat eine Bank, wenn sie im Basisszenario eine Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent aufweist. Diese Latte muss jeweils am Ende der betrachteten Jahre 2014, 2015 und 2016 gehalten werden. Um das Krisenszenario zu überstehen, darf die Kapitalquote bis Ende 2016 nicht unter die Schwelle von 5,5 Prozent sinken. Schafft eine Bank das nicht, ist sie durchgefallen.

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