Zinsen XY statt Strafzins

Nicht Minus-, sondern die von der EZB durchgedrückten Minizinsen sind für Sparer die Gefahr.

Zinsen in einem Sparbuch der Sparkasse Quelle: dpa

„Negative Zinssätze werden Normalität sein, das Thema wird sich in die Ökonomie durchfressen“, sagte Deutschbanker Asoka Wöhrmann vor drei Wochen auf dem Investmentgipfel der WirtschaftsWoche. Nicht ganz uneigennützig: Er will Aktienfonds verkaufen, und wer kauft, muss zuvor Geld vom Konto nehmen.

In die Ökonomie hat sich das Thema noch nicht durchgefressen (obwohl, pervers genug, eine volle Kasse für Unternehmen zum Problem werden kann), wohl aber in die ökonomische Debatte, in Schlagzeilen und in die Werbung. „XY statt Strafzins“ ist der Slogan dieser Tage: „Strafzinsen für Sparer? Wir haben die Alternative“, tönt es vom grauen Kapitalmarkt. Die Anlegermesse Invest verspricht „Rendite statt Strafzinsen“, und der Bundesverband der Juweliere fordert „Juwelen statt Strafzinsen“.

Die schönsten Bilder vom Investment-Gipfel 2014
Miriam Meckel Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Asoka Woehrmann Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Hauke Reimer, Miriam Meckel, Paul Prandl Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Eberhard Sandschneider Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Hauke Reimer (l), Asoka Wöhrmann (r) Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Lothar Jonitz (l), Matthias Glas (r) Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Paul Prandl (l), Eberhard Sandschneider (r) Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Paul Prandl Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Elke König Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Paul Prantl (l), Heiner Flassbeck (r) Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Hauke Reimer (l, im Hintergrund), Heiner Flassbeck Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Investment-Gipfel 2014 im Hotel Villa Kennedy Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Alexander Letzsch (l), Detlef Karl Siech (r) Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Heiner Flassbeck Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Und so frisst sich die Botschaft in die Köpfe. „Sehe ich gar nicht ein, dass die mir Geld wegnehmen wollen“, sagt ein 13-jähriger Schüler – und kündigt an, seine 327,50 Euro vom Sparbuch abzuziehen. Kurz darauf entbrennt bei der gesetzten Herrenrunde am Nachbartisch der Frankfurter Apfelweinwirtschaft bei Schoppen und Gänsebraten eine Strafzins-Debatte.

Dass sie real, also nach Abzug der Inflation, schon lange nichts mehr auf ihr Geld bekommen, haben viele Sparer verdrängt, zumal es ja immer wieder mal Lockangebote von Banken gibt, die bis 1,5 Prozent aufs Tagesgeld zahlen.

Mit der Gefahr, dass das Ersparte nicht nur weniger wert wird, sondern schwarz auf weiß vom Konto Geld abgezogen werden könnte, ist bei vielen Sparern jetzt der Bogen überspannt. Der Ärger über den Minuszins ist deutlich stärker als die tatsächliche Bedrohung: Bei Banken wird der Strafzins, wenn überhaupt, erst auf Großeinlagen fällig – und wer lässt schon Millionen über ein Jahr auf dem Tagesgeld liegen?

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Indirekt, über Fonds und Lebensversicherungen, die oft größere Summen parken müssen, verlieren Sparer zwar Geld, aber gemessen an den horrenden Gebühren für Vertrieb und Verwaltung, ganz zu schweigen von dem, was eine falsche Anlageentscheidung kosten kann, sind die Einbußen für einzelne Sparer minimal. Nicht der Minuszins, sondern der von der Europäischen Zentralbank durchgedrückte Minizins ist für Sparer das Problem.

Wer will, kann dem Strafzins, sollte er tatsächlich für Normalanleger kommen, immer ausweichen. Er riskiert dann eben nur, dass er sein Geld von der Bank, die ihm tolle Zinsen bietet, nicht zurückbekommt. „Return of money“ rangiert vor „return on money“, sagen Profis: Dass man sein Geld überhaupt zurückbekommt, ist erst mal wichtiger als die Rendite. Deshalb haben Investoren auch Bundesanleihen mit negativer Rendite gekauft, dem Finanzminister noch Geld dafür hingelegt, dass sie ihm Kredit geben durften. Dass sehr vorsichtige Sparer nicht nur auf Ertrag verzichten, sondern sogar draufzahlen müssen, ist ungerecht – aber, wenn sie ihr Geld wiederhaben wollen, im aktuellen Umfeld wohl unvermeidbar.

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