Zinserhöhung Fed ist mit der Zinswende Jahre zu spät dran

Nach sieben Jahren Nullzins-Politik gilt die Finanzkrise als überwunden, die Zinsen sollen wieder steigen. Jetzt sollte man Gold kaufen, denn die Jahre des hemmungslosen Aufschuldens werden sich rächen. Ein Gastkommentar.

USA: Zinswende jetzt! Quelle: dpa/Montage

Schenkt man den jüngsten Äußerungen diverser US-Notenbank-Vertretern und den die Markterwartungen stets erfüllenden rosigen US-Konjunkturstatistiken Glauben, dann haben die USA die laut Ex-Fed-Chef Bernanke "schlimmste Finanzkrise in der weltweiten Geschichte, einschließlich der Großen Depression" endgültig überwunden. Gleiches glauben inzwischen auch die "Märkte", deren Zins-"hike"-Erwartungshaltung an das kommende Fed-FOMC-Meeting (am 15. und 16. Dezember) nach über einem Jahr Dauerankündigung (und -enttäuschung) aktuell so stark ausgeprägt ist wie nie zuvor.


Der Ruf des billigen Geldes lockt Unternehmen

Nach fast exakt sieben Jahren "Nullzins-Tanz" und drei billionenschweren "QE"-Fed-Bilanzausweitungen wollen Yellen & Co nun freiwillig die "Musik leiser drehen". "Dank" der "Finanzierung" mit der Druckerpresse eines hoffnungslos überschuldeten Weltleitwährungs-Staates hat sich nicht nur dessen Verschuldung seit Ende 2008 um 76 Prozent auf aktuell 18.827 Milliarden Dollar erhöht, auch glaubt "Joe Sixpack" nach einer Steigerung seines kreditfinanzierten Konsums um 32 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 3.499 Milliarden Dollar (09/2015) sich nun die zweithöchste Gesamtverschuldung – 14.045 Milliarden Dollar (Q2 2015) – "gönnen" zu können/zu müssen!

Dem Lockruf des billigen Kredits sind aber auch die US-Unternehmen gefolgt, die sich unter Verdopplung ihres Verschuldungslevels gegenüber 2007 auf dem Kreditmarkt mit aktuell 8.117 Milliarden Dollar (Q2 2015) so hoch wie niemals zuvor verschuldet haben!

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

Kann die Fed bei einer offiziellen US-Gesamtverschuldung von über 59.000 Milliarden Dollar nun tatsächlich einen Zinsanstieg verkünden, ohne dass das 2008/2009 bereits schwer erschütterte und unter Nullzins-Bedingungen um rund 5.500 Milliarden Dollar vergrößerte Kreditkartenhaus abermals ins Wanken gerät?


Vollbeschäftigung ist ein Witz der Statistiker

Obwohl die US-Wirtschaft bereits im Sommer 2009 dank u. a. eines 787 Milliarden Dollar schweren Konjunkturprogramms beziehungsweise des am 16.12.2008 definierten Nullzinses nach nur 18 Monaten offiziell aus ihrer "Great Recession" herausfand, so kann das seit Jahresbeginn 2009 erzeugte Wirtschaftswachstum in Höhe von 3.485 Milliarden Dollar im Vergleich zum Aufwand – die Staatsverschuldung wuchs um 8.128 Milliarden Dollar, die Fed-Bilanz um 2.211 Milliarden Dollar – nur als Desaster bezeichnet werden. Selbst die inzwischen erreichte Vollbeschäftigung, die so manch einen an das Wunder des Herbei-drucken-Könnens von Jobs durch die Fed glauben lässt, ist nur ein statistischer Witz!

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