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ZinswendeDie Tagesgeldabzocke ist ein Affront für Verbraucher

Bis zu vier Prozent Zinsen fürs Tagesgeld? Immer häufiger werben Anbieter mit vermeintlich attraktiven Konditionen. Doch meist steckt dahinter nicht mehr als ein Lockangebot mit tausend Ausnahmen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Frohn 16.06.2023 - 11:36 Uhr

Gute Zinsen gibt es oft nur mit einer langen Liste an Einschränkungen.

Foto: dpa

Um seine betuchte Kundschaft zu befriedigen, muss der Vermögensverwalter Liqid schon mal protzen: Neuerdings verzinst er Tagesgeldeinlagen mit vier Prozent. Zumindest, wenn Sparer eine lange Liste an Bedingungen erfüllen. Die vier Prozent gibt es nämlich nur ab einer Mindestanlage von 100.000 Euro (bei Bestandskunden: ab 20.000 Euro), und bis zu einer Einlagesumme von drei Millionen Euro. Außerdem ist das Angebot bis Jahresende befristet. Und: Es gilt erst, wenn Kunden mindestens drei Monate in ein Anlageprodukt von Liqid investieren bleiben. Andernfalls gibt es nur die Grundverzinsung von immerhin zwei Prozent.

Die zweiseitigen Teilnahmebedingungen lesen sich eher, als würden sich Verbraucher auf einen Platz in einer Rettungskapsel im Falle einer Apokalypse bewerben – und nicht ein schnödes Tagesgeldkonto eröffnen. Für Kunden mit ein paar Euro mehr auf der hohen Kante kann sich das Angebot zwar lohnen. Oft gibt es bei Einlagen über 50.000 Euro überhaupt keine Zinsen mehr. Trotzdem ist es ein weiteres Beispiel dafür, dass die beworbenen Zinsen oft nur greifen, wenn viele Bedingungen erfüllt sind.

Noch immer gibt es bei rund jeder vierten Bank überhaupt nichts fürs Tagesgeld – und das, obwohl die Europäische Zentralbank die Zinsen immer weiter anhebt. Am vergangenen Donnerstag erhöhte sie den Einlagenzins um weitere 0,25 Prozentpunkte auf nun 3,5 Prozent. So viel bekommen Banken, wenn sie quasi über Nacht Geld bei der Zentralbank parken. Die Institute verdienen also wieder an der Zinswende. Doch viele lassen ihre Kunden daran nicht teilhaben.

Und selbst, wenn Banken an der Zinsschraube drehen, erdreisten sich viele von ihnen, mit bloßen Lockangeboten auf Kundenfang zu gehen. Nicht selten gibt es gute Konditionen nur für einen begrenzten Zeitraum von wenigen Monaten und ausschließlich für Neukunden.

Zwar offerieren manche Banken inzwischen auch wieder bessere Tagesgeldangebote für ihre Bestandskunden, die lange leer ausgingen. Aber: Oft gibt es höhere Zinsen auch dann nur, wenn neues Geld eingezahlt oder gar ein neues Konto eröffnet wird. Das ist kein fairer Umgang mit Kunden, die ihren Instituten oft über viele Jahre treu bleiben, sondern ein Stinkefinger an Verbraucher.

Nur wenige Tagesgeldangebote zahlen sich gerade uneingeschränkt aus. Die BMW Bank etwa verzinst Einlagen bis 50.000 Euro mit drei Prozent – ohne Haken. Beim Robo-Advisor Quirion gibt es 2,75 Prozent, beim Neobroker Trade Republic immerhin zwei Prozent, hier ebenfalls für Einlagen bis 50.000 Euro.

Klar: Angesichts des EZB-Kurses ist da noch Luft nach oben. Doch wer keine Lust auf ständiges Zinshopping hat, fährt mit diesen Angeboten besser als mit solchen, die verlockend klingen, aber an zig Bedingungen geknüpft sind.

Lesen Sie auch: Bald vier Prozent beim Tagesgeld? So profitieren Sparer von der Zinswende

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