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Zschabers Börsenblick
Was bedeutet

Entwarnung für US-Aktien - dank Trump

Das Renditeniveau zehnjähriger US-Anleihen hat jüngst für einen Paukenschlag gesorgt – und für Nervosität bei Aktienanlegern. Warum ihnen ausgerechnet der unberechenbare Mann im Weißen Haus Hoffnung machen sollte.

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Man mag von Donald Trump, seinem Gebaren und seiner Rhetorik halten, was man will. Eines muss man ihm aber lassen: Sein Aufruf zu „America First“ dürfte es zu den meistzitierten geflügelten Wörtern der vergangenen Jahre gebracht haben. Und dieses Motto schafft nebenbei etwas Besonders: Es macht Trump bei all seiner Unberechenbarkeit in mancher Hinsicht sogar ein Stück kalkulierbarer. Gerade Aktienanleger, die nichts mehr scheuen als die Unsicherheit, können das derzeit gut gebrauchen.

Guter Rahmen, aber ...

Eigentlich könnten sie sich ja angesichts der soliden Verfassung der US-Wirtschaft einigermaßen entspannt zurücklegen. So ist das Wachstum der Vereinigten Staaten mit 2,3 Prozent im ersten Quartal sogar etwas besser ausgefallen, als vorab erwartet worden war. Zudem ist der Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe im April zwar um zwei Punkte leicht gefallen – doch mit 57,3 Zählern befindet sich dieses prominente Stimmungsbarometer immer noch auf überdurchschnittlich hohem Niveau.

Was die Aktionäre jüngst allerdings ziemlich nervös gemacht hat, ist der Umstand, dass es mit der Rendite zehnjähriger US-Anleihen bergauf ging – und diese sogar erstmals seit 2014 wieder über die Drei-Prozent-Marke kletterte. Gemäß der Faustformel „steigende Anleiherenditen gleich fallende Aktienkurse“ nahmen prompt Unsicherheit und Hektik der Aktienanleger zu, am Tag der Bekanntgabe des neuen Renditeniveaus ging es mit den US-Aktienindizes gleich einmal deutlich nach unten.

Trump macht ernst

Womit wir aber wieder bei Donald Trump wären – und dem Grund, warum man so etwas wie Entwarnung geben darf. So ist ein weiterer kräftiger Anstieg der Renditen, ein Wechsel der USA in den von Aktionären befürchteten kräftigen Zinserhöhungsmodus, aus einem Grunde eben nicht zu erwarten: Das würde schlicht und ergreifend nicht zu Trumps „America First“-Gelübde passen – und wie rigoros der erste Mann im Staat dieses Ziel verfolgt, wird schließlich nicht zuletzt an den Strafzöllen und dem daraus resultierenden Handelsstreit mit den größten Wirtschaftsmächten dieser Welt deutlich.

Massive Zinserhöhungen sind schlichtweg deshalb nicht zu erwarten, weil sie Investitionen der US-Unternehmen und damit die gesamte Ökonomie in den Vereinigten Staaten drosseln würden. Zudem würden sie den Dollar-Kurs nach oben treiben. Zwar beklagt Trump immer wieder einen in seinen Augen zu niedrigen „Greenback“ – dessen Stärke wäre aber gerade auch vor dem Hintergrund der negativen Auswirkungen auf den Export überhaupt nicht Gegenstand seiner Pläne.

Gegen stark steigende Zinsen stünden darüber hinaus die negativen Erfahrungen, die die US-Märkte in den Jahren 1928/29, 1987 und 2000 gemacht haben, als jeweils ein explosives Gemisch aus Rahmenbedingungen, zu denen unter anderem auch Zinserhöhungen gehörten, die Aktienanleger über die Maßen verunsicherte – die Folge waren die größten Crashs der vergangenen hundert Jahre. Ganz abgesehen davon, dass eine reduzierte Fed-Bilanz und eine weiter steigende Staatsverschuldung ebenfalls nicht in das „America-First“-Bild von Donald Trump passen würden.

Aktien geben nach: Anleger schichten in Anleihen um

Chancen bei Aktien suchen

All das unterstreicht die große Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen in den USA weiter steigen werden, eine gutgewählte Dosierung aber ein für den Aktienmarkt schädliches Niveau verhindern wird. Dass die Geldpolitik der Vereinigten Staaten entsprechend gesteuert wird, dafür dürfte Jerome Powell sorgen. Der neue Chef der US-Notenbank Fed ist ein Mann aus dem Trump-Gefolge – und wohl der Garant dafür, dass sich „America First“ in der Zinspolitik wiederfindet. Die jüngste Fed-Sitzung, nach deren Ende der Leitzins unverändert blieb, ist ein guter Beleg dafür.

Für Anleger kann das nur heißen, dass sie sich mit größeren Engagements am US-Rentenmarkt trotz dessen jüngster Erholung eher zurückhalten sollten ¬– und stattdessen ihre Chance auf eine zufriedenstellende Rendite am Aktienmarkt suchen sollten. Mit einem ETF auf einen der beiden wichtigsten US-Aktienindizes, den Dow Jones oder den noch breiter gestreuten S&P 500, sind sie bestens gerüstet.

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