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Zschabers Börsenblick
Italienischer Sommer? Das Land plant umfangreihe Lockerungen für den Tourismus. Und auch sonst stehen die Zeichen für die italienische Wirtschaft auf Erholung. Quelle: imago images

Italienischer Sommer, wie er früher einmal war

Italien plant umfangreiche Lockerungen für den Tourismus. Doch auch in anderen Branchen lassen sich Silberstreifen am Horizont erkennen. Dafür zeichnet vor allem ein Mann verantwortlich.

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Als vor gut 14 Monaten, im Februar 2020, Corona in der lombardischen Stadt Bergamo zu wüten begann, wurden vielen Europäern erstmals das potenzielle Ausmaß der Pandemie und die Gefahr des Virus bewusst. Krankenhäuser jenseits der Grenzen der Belastbarkeit und Militärkonvois, die Leichen wegen Überfüllung der Krematorien aus Bergamo in andere italienische Städte transportierten, sorgten für Bilder, die den Betrachtern den Atem stocken ließen. Und die zum Sinnbild der Machtlosigkeit eines Landes wurden – nicht zuletzt deswegen galt in der Folge Italien lange Zeit als europäisches Covid-19-Sorgenkind.

Besonders vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass Italien sich für den so wichtigen Tourismus in Kürze wieder öffnen will. Der Plan sieht vor, dass geimpfte und genesene sowie negativ getestete Urlauber aus der Europäischen Union, Großbritannien und Israel Italien schon zu Pfingsten wieder besuchen können – ohne sich wie bislang erst in eine Quarantäne von fünf Tagen zu begeben. Die Entscheidung fiel wohl so schnell, dass Rom damit die Kollegen aus der EU überraschte. Aber noch einmal möchte Italien offenbar nicht auf die Einnahmen durch Sonnenanbeter in Sizilien, Sightseeing-Fans in Rom oder Klettertouristen in Südtirol verzichten.



Italien zeigt seinen Nachbarn und vor allem sich selbst aber mit dieser jüngsten Entschlossenheit auch eines: Wir wollen keine Zeit mehr verlieren. Das lässt sich auch auf andere Angelegenheiten übertragen. So nimmt Premierminister Mario Draghi derzeit ein Projekt in Angriff, an dem vor ihm mehrere Verantwortliche scheiterten: die Umsetzung umfangreicher Reformen, wie sie seit langem auch von der EU gefordert werden.

Da sind zum einen die Reformen bürokratischer Natur, die Justiz, Verwaltung und Bildung betreffen. Da sind zum anderen aber auch Pläne, die die Wirtschaft des Landes noch unmittelbarer beeinflussen dürften. Speziell in den Bereichen Digitalisierung und ökologische Nachhaltigkeit will Draghi Tempo machen.

Nun wird es nicht zwingend an Geld scheitern. Das Kapital, das ihm zur Verfügung steht, beträgt gut 220 Milliarden Euro. Das ist zum einen Geld aus dem Wiederaufbaufonds der EU – rund 191,5 Milliarden Euro –, zum anderen aus einem nationalen Fonds – weitere 30 Milliarden Euro. Und auch die Personalie Draghi legt zumindest nahe, dass die Reformpolitik erfolgreicher ausfallen kann als bei früheren Versuchen. Draghi gilt zwar manchem in Europa als Verursacher einer den Sparer enteignenden Geldpolitik. Aber mit seiner Dickköpfigkeit hat er gezeigt, dass er sich gegen Widerstände durchzusetzen vermag. In seinem Land genießt er daher ein großes Ansehen – und ihm traut man daher auch die Umsetzung von Maßnahmen zu.



Natürlich darf man als Anleger nicht die enorm hohe Staatsverschuldung Italiens außer Acht lassen. Aber dennoch sprechen gerade das Momentum und der psychologische Effekt, für den der Name Draghi sorgt, für ein kleines Engagement in den italienischen Aktienmarkt. Angesichts des schieren Umfangs besagter Fonds sogar auf breiter Front, etwa in einen ETF auf den Leitindex MIB.

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Die Mailänder Börse hat seit dem Tief im Corona-Crash des vergangenen Jahres zwar schon rund 50 Prozent an Boden gewonnen. Von historischen Höchstniveaus – das bisherige Rekordhoch rührt noch aus dem Jahr 2000 – ist der MIB aber noch ein ordentliches Stück entfernt. Unter anderem das spricht dafür, dass die Post-Corona-Zeit nicht nur kletternde Touristen an den Felswänden Südtirols mit sich bringen wird. Sondern womöglich auch kletternde Kurse am italienischen Aktienmarkt.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Mit Mario Draghi als Regierungschef steigen die Chancen für einen wirtschaftliche Erholung und Reformen in Italien. Anleger können mit diesen Fonds darauf setzen.

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