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Zukunft des Zahlens Das Geld ist ja nicht weg - nur woanders

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Mobilfunknetz und WLAN als limitierender Faktor


Doch neu ist der Ansatz nicht. Start-ups wie SumUp haben so etwas auch in Berlin schon vor einiger Zeit ausprobiert – und nach der Testphase in einem Café wieder verworfen. Die Kunden waren für die Zukunft noch nicht bereit.

Doch June Felix, die das Europageschäft vom Zahlterminalhersteller Verifone leitet, ist wie Spinnel sicher: “Konsumenten wollen beim Bezahlen keinen Finger mehr krümmen. Sie wollen unmittelbare Abbuchungen sehen. Sie wollen die Amazon-Erfahrung im Laden bekommen.“

Einer Studie von Ipsos und Google zufolge nutzen heute schon vier von fünf US-Kunden ihr Smartphone im Laden, um eine Kaufentscheidung zu treffen – um schnell den Preis zu vergleichen, etwa. Warum nicht gleich die Zahlung im Laden über das Smartphone ermöglichen. Wie im Internet eben.

Diese Start-ups sollten Sie kennen
Barzahlen, Florian Swoboda, Achim Bönsch, Sebastian Seifert Quelle: PR
Number26, Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf Quelle: PR
Fidor BankGegründet: 2009 Sitz: München Onlinebank für Geschäftskunden, die sich zum Ziel gesetzt hat, den digitalen Wandel schneller und besser umzusetzen als traditionelle Banken. Dazu sollen Nutzer und die Bank selbst konsequent soziale Netzwerke nutzen, um Anlageideen zu auszutauschen und zu diskutieren. Gründer: Matthias Kröner, Dr. Michael Maier und Steffen Seeger (v.l.n.r.) Quelle: fidor.de Quelle: PR
Weltsparen.de, raisin Quelle: PR
SpotcapGegründet: 2014 Sitz: Berlin Rocket Internet will mit seiner Kreditplattform Spotcap eine Finanzierungslücke schließen: Statt sich in langwierigen Verhandlungen mit den Anforderungen ihrer Bank auseinanderzusetzen, sollen kleine und mittlere Unternehmen über Spotcap in wenigen Minuten einen Kreditrahmen bewilligt bekommen. Gründer: Jens Woloszczak und Toby TriebelQuelle: spotcap.com Quelle: PR
Traxpay Quelle: PR
Nikolay Storonsky, revolut Quelle: PR

Eine weitere Hürde stellt sich der neuen Bequemlichkeit in den Weg: die Infrastruktur. Denn nicht überall funktioniert der Handyempfang oder die Wlan-Abdeckung.
Wichtige Voraussetzung für eine Adaption neuer Zahlmittel ist etwa die Verbreitung von Zahlterminals, die auch mit kontaktlosem Bezahlen per NFC klar kommen.
„Zwei Millionen von neun Millionen Verkaufsstellen in den USA sind bereits mit NFC-fähigen Geräten ausgestattet“, sagt Spinnel. „Das ist immer noch ein kleiner Bereich, aber die Verbreitung wächst.“

Dass sich etwas verändern muss, darüber herrscht mittlerweile auch Einigkeit unter den Banken.

Banken endlich wachgerüttelt

“Banken waren zu lange arrogant gegenüber dem Erfolg der Fintechs. Jetzt wurden sie wachgerüttelt“, sagt Benoit Legrand, Fintech-Chef bei der ING Bank in den Niederlanden.
Legrand beobachtet mit einem kleinen Team Entwicklungen auf dem Markt und arbeitet zusammen mit Fintechs. Denn: „Ich alleine werde das Rad nicht neu erfinden“, sagt er. Sein Fokus bei ING liegt unter anderem darauf, verschiedene Konten für die Kunden übersichtlicher zusammenzuführen, Geldanlage zu vereinfachen, etwa über sogenannte Robo-Advisors, oder bequemere Zahlvarianten zu entwickeln.

„Fintechs sind in der Benutzerfreundlichkeit oft um Lichtjahre besser als die Banken“, sagt Peter Bosek, Privatkundenvorstand der Erste Group in Österreich. Sein Institut hat mit der Plattform MyGeorge bereits einen eigenen Ansatz entwickelt, um mithalten zu können. Dieses Digitalbanking-Angebot bietet einen Überblick über die eigenen Kontofunktionen und ermöglicht Suchfunktionen, wie von Google gewohnt. Nutzer sollen aber auch jederzeit die Möglichkeit haben, weitere Dienste wie in einem App-Store hinzuzubuchen. Die sind dann teils kostenpflichtig, wie etwa eine langfristige Umsatzanzeige über die vergangenen sieben Jahre.



Bislang nutzen mehr als 550.000 Nutzer MyGeorge seit sie 2015 in Österreich an den Start ging. „Uns muss es gelingen, über relevante Zusatzfunktionen den Kunden einen Mehrwert zu bieten“, sagt Bosek. Gemeinsam mit Kunden versucht die Erste Group herauszufinden, was das sein könnte. „Es tut der Branche gut, von den Fintechs herausgefordert zu werden“, sagt Bosek.

Legrand ist sehr optimistisch, dass Banken langfristig weiter eine wichtige Rolle bei der Verwaltung unseres Geldes spielen werden. Denn über Kooperationen mit den Fintechs sichere man sich den Zugang zu neuen Konzepten. „Aber letztlich haben Banken noch immer die Möglichkeit schnell den Kundenkontakt für die Umsetzung dieser Konzepte herzustellen.“

Auch Investorenlegende Michael Moritz vom Risikokapitalgeber Sequoia Capital ist überzeugt, dass Fintechs, die direkt auf Endkunden zielen, kaum eine Chance gegen etablierte Spieler am Markt haben. „Für kleine Unternehmen wird es fast unmöglich sein, den Konsumenten zu überzeugen, mit ihnen Geschäfte abzuwickeln“, sagt Moritz.

Wer Dienste für Unternehmen anbietet, die unbemerkt von den Endkunden im Hintergrund unsere Zahlungswelt revolutionieren, hat es einfacher. Mit Adyen (Amsterdam) und Klarna (Stockholm) stammen zwei der aktuell wertvollsten Fintechs aus Europa.

Adyen wickelt die Zahlungen von Netflix, Facebook, Uber, Airbnb ab – ist also schon überall dort verankert, wo junge Kundschaft der Zukunft sitzt. Adyen hat bereits 4500 Kunden weltweit und wickelte 2015 Zahlungen im Wert von 50 Milliarden Dollar ab. So gibt sich Gründer Pieter van der Does angriffslustig: „Zahlungen werden ein Dienst sein, das außerhalb der Banken abgewickelt wird.“

Und so gibt es ambitionierte Unternehmen, die nicht davor zurückschrecken, die Welt für den Endverbraucher zu verändern. So, wie Alipay, eine Tochter des Onlinegiganten Alibaba aus China. Tiefstapeln gilt auch hier nicht: „Alipay ist eine Super-App“, sagt Rita Liu, Europachefin für Alipay.

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