Zypern-Rettung Das Zypern-Desaster lehrt: Lieber Aktien als Tagesgeld

Zypriotische Sparer und russische Anleger sollen für Zyperns Banken zahlen. Für Aktionäre hat die dilettantisch eingefädelte Rettungsaktion zwei Seiten. Zum einen signalisiert sie den Märkten: Die Euro-Krise ist zurück – das drückt auf den Dax. Zum anderen demonstriert sie Sparern deutlich wie nie zuvor, dass Bankleinlagen auch mit Staatsgarantie nicht absolut sicher sind. Das wiederum macht Aktien im Vergleich zum Tages- oder Festgeldkonto attraktiver.

Protestplakat. Quelle: AP

Die Angst ist zurück

Der Goldpreis steigt („wenn die Finanzminister mir schon das Konto plündern, an die Barren in meinem Garten kommen sie nicht“). Die von der europäischen Politik kräftig geschürte Angst vor einem Dominoeffekt („wenn Zypern fällt, fällt Griechenland, wenn Griechenland fällt, dann Spanien und dann Italien und dann die ganze Eurozone“) verfehlt ihre Wirkung auf die Börsen nicht. Anleger verkaufen insbesondere Bankaktien – weil es auch nach fünf Jahren Finanzkrise noch nicht ganz klar ist, wie stark die Banken von Ausfällen in den Mittelmeerstaaten betroffen wären. Hinzu kommt die Befürchtung, dass Gelder für Rettungsprogramme an anderer Stelle fehlen würden, etwa zur Stimulierung der Konjunktur, auch das drückt die Aktienkurse.

US-Anleger fürchten Währungsverluste

Dass Zyperns Bankensystem im Verhältnis zur restlichen Wirtschaft des Landes gigantisch groß ist, aber absolut eben doch sehr klein, geht in der Debatte unter. In den Köpfen der Investoren, gerade der angelsächsischen, dominiert der Gedanke, dass der Euro wieder Probleme hat und Eigentumsrechte in Europa nicht mehr gelten. US-Anleger, die Dax-Werte gekauft haben, treiben die Unsicherheit und die Furcht vor möglichen Währungsverlusten schon zum Verkaufen. Der Entschluss, mal ein paar Aktien abzugeben, fällt ihnen umso leichter, weil in den letzten Monaten bei Dax-Depots ja ganz hübsche Gewinne aufgelaufen sind. Für mutige Euro-Anleger tun sich hier bei Qualitätsaktien Kaufgelegenheiten auf. 

Keine Garantie gilt

Noch wichtiger: Europas Politiker haben Sparern signalisiert, dass politisch motivierte Garantien zur Sicherheit von Bankeinlagen nicht viel wert sind. Ist der Staat in Not, greift er ganz schnell zu. Am unkompliziertesten ist das bei Bankeinlagen möglich – eine Überweisung genügt, und das Geld ist weg. Gerade den ängstlichen Deutschen, die ihr Geld bevorzugt auf Konten zu Minizinsen liegen lassen, sollte dies zu denken geben. Aktiendepots blieben in Zypern bisher unangetastet. Zwar sind auch hier Zwangsmaßnahmen denkbar, sie ließen sich aber längst nicht so leicht begründen. Bei Bankeinlagen können Politiker argumentieren, dass, wenn die Banken nicht durch solch drakonische Schritte gerettet würden, die Einlagen der Sparer komplett verloren wären.

Sparer sind Wähler

Bei Aktien gelten diese Argumente nicht – die behalten ihren Wert, auch wenn die Depotbank pleitegeht. Langfristig in Sicherheit wiegen sollten sich Aktienanleger deshalb aber nicht: Dem Fiskus würde schon noch etwas einfallen. Klar, noch profitiert der deutsche Staat von der Schuldenkrise (Bundesanleihen sind heute mal wieder als sichere Häfen gefragt), bei uns droht aktuell keine nicht beherrschbare Bankenpleite. Dass der Fiskus mehr Geld braucht, ist aber unbestritten. Woher es kommt? Nun: In Deutschland haben geschätzt 90 Prozent der Wähler ein Sparbuch- oder Konto; ein Aktiendepot haben höchsten sieben Prozent. Wem die Politik hier zuerst wehtun würde, ist leicht auszurechen. Die Transaktionssteuer kommt, und dass die Abgeltungsteuer nach der Bundestagswahl weiter angehoben wird, scheint auch ziemlich wahrscheinlich.

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