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Goldexperte Stöferle Gold: "Erst Bulle, dann Bubble"

Die Hausse für Gold wird sich beschleunigen, prognostiziert Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte bei der Erste Group in Wien..

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Ronald-Peter Stöferle

Herr Stöferle, ist Gold schon zu teuer?

Ob Gold teuer ist, hängt ab vom Blickwinkel des Betrachters. Mir zeigt der Goldpreisanstieg, dass die Kaufkraft von Papiergeldwährungen sinkt.

Für Leute, deren Einkommen nicht Schritt halten mit dem Anstieg des Goldpreises, ist Gold teuer geworden.

So gesehen schon. Doch für jemanden, der Ersparnisse besitzt und diese vor Entwertung schützen will, ist Gold noch eine relativ preiswerte Alternative zur Vermögenssicherung.

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    Gibt es eine preiswertere Alternative zum Gold?

    Silber!

    Das Gold des kleinen Mannes.

    Genau. Gold wird irgendwann so unerschwinglich sein, dass kleinere Vermögen auf Silber ausweichen werden.

    Aktien bringen Dividenden, Anleihen bringen Zinsen – Edelmetalle glänzen nur.

    Rohstoffe wie Öl oder Technologieaktien zahlen auch keine Zinsen beziehungsweise Dividenden. Trotzdem hört man dieses vermeintliche Totschlagargument komischerweise nur mit Blick auf die Edelmetalle.

    Es stimmt trotzdem.

    Um eine Ausschüttung erwarten zu können, muss Geld riskiert werden. Und wir wissen beide: Je höher die mögliche Rendite, umso riskanter das Investment. Im Umkehrschluss sollte das also bedeuten: Gold bringt keine Zinsen, entsprechend gering ist das Ausfallrisiko für Goldbesitzer.

    Der Preis kann fallen.

    Schon, aber dieses Risiko besteht für alle Anlageklassen. Das wäre mit Blick auf Gold aber nur ein wirklich ernstes Problem für Anleger, die ihr gesamtes Vermögen in Gold angelegt hätten. Gold korreliert negativ zu Aktien und der Goldpreis schwankt, entgegen der weitverbreiteten Meinung, auch weniger stark. Gold bietet sich schon allein aus Diversifikationsgründen als Portfoliobaustein an. Alan Greenspan bezeichnete Gold einmal als Thermometer für das Finanzsystem. Würde das Thermometer sinken, also der Goldpreis fallen, fühlten wir uns bestimmt alle wohler, weil es dem Finanzsystem dann vermutlich besser ginge. Leider ist seit zehn Jahren das Gegenteil der Fall. Das Thermometer steigt und signalisiert immer stärkeres Fieber.

    Warum sollte das Thermometer noch weiter steigen?

    Gegenfrage: Glauben Sie, dass die Probleme, vor denen wir derzeit stehen, morgen oder nächstes Jahr gelöst sind? Gold ist die einzige Vermögensklasse, die sich sowohl in einem inflationären als auch deflationären Szenario nachhaltig behaupten kann. Gold lässt sich nicht beliebig vermehren. Außerdem stehen Gold keine Verbindlichkeiten gegenüber. Gold ist das einzige staatenunabhängige, international anerkannte Zahlungsmittel. Gold hat jeden Krieg und jede Staatspleite überlebt. Ich halte es für spekulativ, eine solche Versicherung nicht im Depot zu haben.

    Das sind die Totschlagargumente der Goldfanatiker.

    Nennen Sie es, wie Sie wollen. Für mich sind das Fakten, die historisch belegbar sind. Immer mehr Anleger besinnen sich auf den Nutzen von Gold als Geld. Die Remonetarisierung von Gold hat begonnen.

    Sie meinen, der Markt hält Gold für besseres Geld als Dollar, Euro, Yen & Co.?

    Der Markt bestätigt dies aktuell. Gold hat sich zuletzt auch vom Dollar abgekoppelt. Ein stärkerer Greenback bedeutet nicht mehr zwangsläufig einen schwächeren Goldpreis. Ein freier Markt sollte sich das Zahlungsmittel ohnehin selbst wählen dürfen.

    Die größte Goldmünze weltweit Quelle: rtr

    Sie würden das Papiergeldmonopol der Regierungen abschaffen?

    Ja. Nur weil Privateigentum an Produktions- und Konsumgütern erworben werden kann, kann man ja noch nicht von einer freien Marktwirtschaft sprechen. Die andere unerlässliche Komponente wäre die freie Wahl des Zahlungsmittels.

    Warum?

    Weil die automatisch zu einer gerechteren Realgüterverteilung führte. Denn ohne Leistung, die vom Markt gewünscht ist, gäbe es keine Chance in den Besitz des marktgängigsten Tauschmittels zu kommen. Ein Markt, basierend auf einem freien Tauschmittel, wäre die Kontrollinstanz zum Wohle aller. Das geringste Aufflackern von Misswirtschaft würde im Keim erstickt. Somit wäre ein Leben auf Kosten anderer nicht möglich.

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      Anlageblasen könnte es auch dann noch geben.

      Schon, aber sie blieben überschaubar und wenn sie platzten, ließen sich die Kosten nicht per Dekret auf die Gesellschaft abwälzen.

      Steckt Gold schon in einer Anlageblase?

      Unterscheiden Sie zwischen Bubble und Bullenmarkt. Derzeit sind knapp 0,8 Prozent des weltweiten Finanzvermögens in Gold, Goldaktien und börsennotierten Goldfonds angelegt. 1932 lag die Quote bei 20 Prozent, im letzten Bullenmarkt Anfang der Achtzigerjahre bei 26 Prozent. Stiege die Quote auf zwei Prozent, dann bedeutete das zusätzliche Nachfrage von 85 000 Tonnen oder der Minenproduktion von knapp 34 Jahren.

      Das sind Zahlenspiele.

      Gewiss, aber sie zeigen, wie unbegründet der Mythos von einer Goldblase ist. Einer alten Weisheit nach sieht man spekulative Blasen ohnehin stets dort, wo man selbst nicht investiert ist. Gold steht vor einer neuen Phase des Bullenmarktes, die in einen extrem steilen Preisanstieg münden wird. Erst nachdem wir den gesehen haben, können wir uns über eine Goldblase unterhalten. 

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