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Goldfixing Wer täglich den Goldpreis festlegt

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Zustande kommt das Fixing nur dann, wenn sich ein Gleichgewicht zwischen Kauf- und Verkaufsangeboten herstellen lässt. Andernfalls muss der Chairman einen neuen Kurs-Vorschlag machen. Will einer der Teilnehmer sein Angebot oder seine Nachfrage ändern, sagt er „flag“ und nennt gleichzeitig den Namen seiner Bank, das Fixing wird dann unterbrochen.

Früher, bei Rothschild, stellte er dann seinen Union Jack vor sich auf. Heute wird die Flagge nur noch verbal gehisst, der Leiter des Fixings malt ein kleines Symbol auf seinen Notizblock. Die Preisfindung geht so lange weiter, bis sich Angebot und Nachfrage ausgleichen. Der Prozess erfordert viel Konzentration, „und man muss schnell und gut im Kopfrechnen sein“, sagt Charles.

Am Ende ruft der Chairman: „Wir sind im Gleichgewicht, und wir haben gefixt.“. In der Regel dauert der Prozess etwa zehn Minuten. Brennt es an den Finanzmärkten oder drohen politische Krisen, kann er deutlich länger dauern.

„Am Schwarzen Montag, beim Börsenkrach von 1987, brauchten wir zwei Stunden und 15 Minuten, so lange hatte ich den Telefonhörer am Ohr kleben“, erinnert sich Charles an das längste Fixing der Geschichte. Auch am 21. Januar 1980 dauerte das Fixing ungewöhnlich lange. Die Geisel-Krise im Iran und der sowjetische Einmarsch in Afghanistan trieben den Goldpreis auf 850 Dollar. So hoch notierte die Unze erst 28 Jahre später wieder.

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Standort erkennen

    Die größten Goldproduzenten sind China, Australien, Südafrika und die USA; das meiste Gold verbrauchen Indien und China. Trotzdem findet das Goldfixing immer noch in der britischen Hauptstadt statt. Erklären lässt sich das mit der langen Tradition der ehemaligen Kolonialmacht und Handelsnation Großbritannien. London wurde erstmals zum weltweiten Zentrum des Goldhandels, als der jüdische Kaufmann Moses Mocatta 1671 von Amsterdam nach London segelte, um mit Gold und Diamanten zu handeln und später die Mocatta & Goldsmid Bank gründete.

    Seither ist London das internationale Zentrum des physischen Handels mit Goldbarren. Der Handel läuft außerhalb von Börsen (Over the Counter, OTC). Zugelassen sind nur 400-Unzen-Barren mit 995 Promille Feingoldgehalt.

    Geheime Gold-Lagerhäuser

    Vertrauensbildend, sagt Charles, sei nicht nur die hohe Liquidität des Londoner Marktes, sondern auch die Tatsache, dass das Gold tatsächlich physisch vorhanden ist. In der britischen Hauptstadt und im Großraum London befinden sich zahlreiche wie Festungen gesicherte Lagerhäuser, in denen das gelbe Edelmetall gelagert wird.

    Wo – das ist streng geheim. Bekannt ist, dass in den Kellergewölben der Bank of England nicht nur deren Goldbarren lagern, sondern auch die anderer Notenbanken – auch Gold der Deutschen Bundesbank.

    Gold wird selbstverständlich auch an Terminbörsen wie der New Yorker Comex gehandelt, in Form von Kontrakten, die erst in einigen Monaten eingelöst werden müssen. Die Preise von sekündlich gehandelten Anlageprodukten, zum Beispiel von Gold-Zertifikaten, richten sich meist an diesen Terminbörsenpreisen aus. Der Börsenhandel allerdings ist öffentlich und staatlich beaufsichtigt.

    Der außerbörsliche Handel dagegen läuft eher im Verborgenen ab. Einblick darin haben nur die Handelspartner und – zweimal am Tag – die fünf Häuser, die das Goldfixing betreiben. So viel Vertraulichkeit wissen Banken, Minengesellschaften und Großinvestoren zu schätzen.

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